Ist kognitive Verhaltenstherapie so wirksam wie andere psychosoziale Behandlungsverfahren für Menschen mit Schizophrenie?

Hintergrund

Bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie können starke Störungen in den Denkprozessen auftreten, die wiederum zu Wahnvorstellungen (Überzeugungen, die nicht auf der Realität basieren) und Halluzinationen (Sehen und Hören von Dingen, die nicht existieren) führen können. Die Standardversorgung für Menschen mit Schizophrenie besteht in der Verschreibung von Neuroleptika. Diese allein sind jedoch nicht immer erfolgreich. Zusätzliche Behandlungen wie psychosoziale Therapien (darunter kognitive Verhaltenstherapie, KVT) werden für Menschen mit Schizophrenie empfohlen. Das Ziel der KVT ist es, Menschen dabei zu helfen, ihre Sicht auf ihre Symptome neu zu bewerten. Dieser Prozess soll zum Abbau von Sorgen und zur Veränderung von Verhaltensweisen beitragen. Sie wird häufig eingesetzt, um Menschen mit Krankheiten wie Angststörungen und Depression zu helfen. Allerdings ist KVT teuer und die Evidenz ihrer Wirksamkeit ist unklar, insbesondere in Bezug auf Menschen mit Schizophrenie.

Suche

Der Information Specialist von Cochrane Schizophrenia durchsuchte bis März 2017 das Spezialregister nach Studien, bei denen Menschen mit Schizophrenie entweder mit KVT oder einem anderen psychosozialen Behandlungsverfahren behandelt wurden. Bei dieser Suche wurden 4.117 Referenzen gefunden. Diese wurden von Review-Autoren durchsucht und überprüft.

Hauptergebnisse

Insgesamt konnten 36 randomisierte kontrollierte Studien, die insgesamt 3.542 Menschen mit Schizophrenie randomisierten, eingeschlossen werden. Die Qualität der Evidenz aus diesen Studien ist niedrig bis sehr niedrig. Zu wichtigen Endpunkten, wie Rückfall, Wiederaufnahme in ein Krankenhaus, psychische Gesundheit, Tod, soziale Funktionsfähigkeit und Lebensqualität, wurden keine echten Unterschiede zwischen KVT und anderen psychosozialen Behandlungsverfahren gefunden. Die Zahl der Teilnehmer, die die Studie vorzeitig verließen, wurde als indirektes Maß für die Zufriedenheit mit der Behandlung herangezogen. Aus der Gruppe mit anderen psychosozialen Behandlungsverfahren verließen etwas mehr Personen vorzeitig die Studie als aus der KVT-Gruppe. Die Ergebnisse waren nicht ausreichend robust, um aussagekräftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Schlussfolgerungen

Bezüglich der Wirksamkeit von KVT im Vergleich zu anderen psychosozialen Behandlungsverfahren für Menschen mit Schizophrenie können keine aussagekräftigen Schlussfolgerungen gezogen werden, solange keine Ergebnisse aus weiteren Studien von hoher Qualität verfügbar sind.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

K. Kuprian, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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