Nicht-medizinische Interventionen zur Vermeidung von unnötigen Kaiserschnitten

Was ist das Ziel dieses Reviews?

Das Ziel dieses Cochrane Reviews war es herauszufinden, ob nicht-medizinische Interventionen zur Vermeidung von unnötigen Kaiserschnitten, wie zum Beispiel Informationsangebote für medizinische Fachpersonen oder Mütter, sicher und wirksam sind. Dieser Review wurde erstmals im Jahr 2011 veröffentlicht. Diese Aktualisierung des Reviews dient als Grundlage einer neuen WHO-Leitlinie (WHO = Weltgesundheitsorganisation), und die Aufgabenstellung der Aktualisierung erfolgte in Abstimmung mit der WHO-Leitlinien-Entwicklungsgruppe.

Hauptaussagen

Wir begutachteten zahlreiche nicht-medizinische Interventionen, deren Ziel die Verringerung der Anzahl unnötiger Kaiserschnitte, größtenteils in einkommensstarken Ländern, war. Wenige Interventionen konnten auf der Grundlage von Evidenz von hoher Qualität zeigen, dass sie die Kaiserschnittraten ohne unerwünschte Wirkungen bei Mutter oder Kind verringern. Diese Interventionen richten sich besonders an medizinisches Fachpersonal (Pflegefachpersonen, Hebammen, Ärzte) und beinhalten die Anwendung von Leitlinien in Kombination mit der verpflichtenden Einholung einer Zweitmeinung zum geplanten Kaiserschnitt, Leitlinien zu Überprüfung in Kombination mit Feedback zu Kaiserschnitt-Praktiken sowie von ‚Meinungsführern‘ (Geburtshelfern/Gynäkologen) durchgeführte Schulungen für Gesundheitsfachpersonen.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff, der durchgeführt wird, um Komplikationen bei der Geburt vorzubeugen und zu verringern. Obwohl ein Kaiserschnitt ein lebensrettender Eingriff für Mutter und Kind sein kann, ist der Eingriff nicht ohne Gefahren. Daher sollte er nur vorgenommen werden, wenn es notwendig ist. Neben anderen Komplikationen sind Kaiserschnitte mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Blutungen, Infektionen bei der Mutter und Atemproblemen beim Neugeborenen verbunden. Die Anzahl von Kaiserschnitten ist weltweit angestiegen. Verantwortlich für diesen Anstieg können neben medizinischen Gründen möglicherweise auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Zweckmäßigkeit aus Sicht des Klinikers oder Ängste der Mutter, sein.

Was sind die Hauptergebnisse dieses Reviews?

Wir schlossen 29 Studien in diesen Review ein. Die meisten Studien (20 Studien) wurden in einkommensstarken Ländern durchgeführt, keine in einkommensschwachen Ländern.

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz in vier Stufen: sehr niedrig, niedrig, moderat und hoch. Sehr niedrige Qualität bedeutet, dass wir bezüglich der Ergebnisse sehr unsicher sind. Evidenz von hoher Qualität bedeutet, dass wir den Ergebnissen vertrauen.

Insgesamt fanden wir, dass acht der 29 in dem Review eingeschlossenen Interventionen eine positive Wirkung in Bezug auf mindestens einen unserer Hauptendpunkte ergaben (bei niedriger bis hoher Qualität der Evidenz), und fanden keine Evidenz von moderater oder hoher Qualität für schädliche Wirkungen:

An Frauen oder Familien gerichtete Interventionen: die Durchführung von Geburtsvorbereitungskursen für Schwangere und Paare, von fachlich geleiteten Entspannungstrainingsprogrammen, psychosozialen Präventionsprogrammen für Paare und psychologischer Schulung. Die Interventionen wurden mit der routinemäßigen Praxis verglichen. Die Qualität der Evidenz aus den Studien war niedrig.

An medizinisches Fachpersonal gerichtete Interventionen: die Anwendung klinischer Leitlinien kombiniert mit der verpflichtenden Einholung von Zweitmeinungen vor Kaiserschnitten, die Anwendung klinischer Leitlinien kombiniert mit der Überprüfung und Rückmeldung zu Kaiserschnittpraktiken und von ‚Meinungsführern‘ (Geburtshelfern/Gynäkologen) durchgeführte Schulungen für Gesundheitsfachpersonen. Die Interventionen wurden mit der üblichen Praxis verglichen. Die Evidenz war von hoher Qualität.

Auf Gesundheitsorganisationen oder -einrichtungen gerichtete Interventionen: ein kollaboratives Geburtsbetreuungsmodell (darin bietet die Geburtshelferin Einsatz rund um die Uhr an, ohne anderweitigen klinischen Dienst zu haben) im Vergleich zu einem privaten Betreuungsmodell. Die Evidenz war von niedriger Qualität.

Wir begutachteten weitere Interventionen, doch diese hatten entweder wenig oder keinen Einfluss auf die Kaiserschnittrate oder unklare Wirkungen.

Über mögliche Schäden in Verbindung mit den in diesem Review untersuchten Interventionen waren nur begrenzte Informationen verfügbar.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2018.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

R. Eggel und C. Loytved, freigegeben durch Cochrane Schweiz

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