Können Anreize Rauchern helfen, mittel- bis langfristig das Rauchen aufzugeben?

Hintergrund:

Anreize, meist in Form von Bargeld oder Gutscheinen, werden verbreitet eingesetzt, um Raucher zum Aufhören zu animieren und sie zu belohnen, wenn sie damit Erfolg haben. Solche Programme können am Arbeitsplatz, in Kliniken und manchmal als Gemeindeprojekt durchgeführt werden. In dieser dritten Aktualisierung unseres Reviews schließen wir nun auch Studien mit Schwangeren ein. Eine weitere Änderung besteht darin, dass wir Studien mit Anreizen von Studien mit Wettbewerben getrennt haben; die Wettbewerbsstudien werden in einer separaten Aktualisierung behandelt.

Studienmerkmale:

Studien mit gemischter Population: Wir fanden 21 Studien mit mehr als 8400 Teilnehmern, in denen verschiedene Anreizsysteme untersucht wurden, die Rauchern dabei helfen sollten, mit dem Rauchen aufzuhören. Unsere letzte Suche erfolgte im Dezember 2014, allerdings schließen wir auch zwei Studien ein, die nach diesem Datum veröffentlicht wurden. Zehn Studien fanden in Kliniken oder Gesundheitszentren statt, eine in Dörfern in Thailand, die von Gemeindegesundheitshelfern (Community Health Workers) betreut werden, zwei in Forschungszentren und der Rest an Arbeitsplätzen. Bis auf sechs Studien wurden alle in den USA durchgeführt. In allen Studien wurden die Teilnehmer nach Abschluss noch mindestens sechs Monate lang beobachtet und es wurde anhand von Tests an Atem und Körperflüssigkeiten überprüft, ob diejenigen Teilnehmer, die das Rauchen aufgegeben hatten, erfolgreich abstinent geblieben waren. Zu den Anreizen gehörten Lotteriescheine, Verlosungen, Bargeldauszahlungen, Gutscheine für Waren und Lebensmittel und in sechs Studien die Rückzahlung von Geld, das von den Teilnehmern eingezahlt worden war.

Studien mit Schwangeren: Wir fanden neun Studien, davon acht in den USA und eine in Großbritannien, mit fast 1600 Frauen, die versuchten, in der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufzuhören. Als Belohnungen waren Gutscheine für Waren oder Lebensmittel vorgesehen, die in einigen Fällen im Wert stiegen, je länger die Frau enthaltsam blieb.

Hauptergebnisse:
Studien mit gemischter Population: Sechs Monate oder mehr nach Studienbeginn hatten die Teilnehmer, die Anreize erhielten, mit größerer Wahrscheinlichkeit aufgehört zu rauchen als die Teilnehmer in den Kontrollgruppen. Nur drei Studien berichteten von einem länger anhaltenden Erfolg über das Ende des Programms hinaus. In einer Studie in den USA, bei der bis zu 750 Dollar für das Aufhören bezahlt wurde, hörten fast dreimal so viele Raucher in der Versuchsgruppe auf wie in den Kontrollgruppen. In einer weiteren Studie in den USA, bei der bis zu 800 Dollar an jeden Teilnehmer gezahlt wurde, der mit dem Rauchen aufhörte, hörten im Vergleich zur Kontrollgruppe fast doppelt so viele Teilnehmer mit dem Rauchen auf. Diese Studie verglich auch das Auszahlen von Belohnungen mit der Rückzahlung des eigenen Gelds der Teilnehmer bei erfolgreicher Raucherentwöhnung. Obwohl in dieser Studie mehr Menschen an den Belohnungsprogrammen teilnahmen als an den Rückzahlungsprogrammen, lag der Anteil der entwöhnten Raucher in der Versuchsgruppe beim Rückzahlungsprogramm höher. Die dritte Studie wurde in Thailand durchgeführt und belohnte Teilnehmer, die mit dem Rauchen aufhörten, durch die Rückzahlung ihres eigenen Geldes zuzüglich eines Bonus. Die mittelfristigen Entwöhnungsraten waren zwar ermutigend, doch insgesamt hatten die Rückzahlungsprogramme Schwierigkeiten, so viele Teilnehmer zu rekrutieren wie die Belohnungsprogramme.

Studien mit Schwangeren: Acht der neun Studien mit verwendbaren Daten zeigten, dass Frauen in der Anreizgruppe mit höherer Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen aufhörten als die in den Kontrollgruppen, und zwar sowohl am Ende der Schwangerschaft als auch in der längsten Nachbeobachtung (24 Wochen nach der Geburt). Vier Studien bestätigten, dass Auszahlungen als Belohnung für einen erfolgreichen Entwöhnungsversuch („bedingte“ Auszahlungen) im Vergleich zu festen Auszahlungen für die Einhaltung der Vorsorgetermine in der Schwangerschaft („nicht bedingt“) zu höheren Entwöhnungsraten führten. In der größten Studie in Großbritannien unterstützten Anlaufstellen zur Raucherentwöhnung des britischen Gesundheitssystems NHS die Teilnehmer bei der Raucherentwöhnung. Hier lag die Ausstiegsquote in der Anreizgruppe fast viermal so hoch wie in der Kontrollgruppe. Eine Studie, in der die Auszahlungen unterschiedlich hoch gestaltet wurden, um dem Problem der verstärkten Entzugssymptome in den ersten beiden Wochen nach dem Aufhören zu begegnen, zeigte, dass dies kaum einen Einfluss auf die Erfolgsaussichten der Frauen hatte.

Qualität der Evidenz:
Wir bewerteten die Qualität der älteren Studien an gemischten Populationen insgesamt als niedrig; die späteren Studien jedoch (ab 2000) waren mit größerer Wahrscheinlichkeit sauber durchgeführt und umfassend dokumentiert. Das Herausnehmen der früheren Studien aus den Berechnungen wirkte sich nur in sehr geringem Maße auf die Ergebnisse bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten aus, erhöhte jedoch den Vorteil der Anreize bei der Nachuntersuchung nach 12 Monaten. Sämtliche Studien mit Schwangeren wurden in den letzten 15 Jahren veröffentlicht und zeigten insgesamt eine moderate Qualität.

Übersetzung: 

Fr. Schmidt-Wussow, Koordination durch Cochrane Schweiz

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