Körperliches Training zur Verbesserung der Bewegungsfähigkeit bei Patienten mit zystischer Fibrose

Fragestellung

Wir haben die Evidenz beurteilt und zusammengefasst, inwiefern körperliches Training bei Menschen mit zystischer Fibrose (Mukoviszidose) mit einer Verbesserung der aeroben Leistungsfähigkeit, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und einem verlangsamten Abfall der Lungenfunktion einhergeht. Dies ist eine Aktualisierung eines zuvor veröffentlichten Reviews.

Hintergrund

Die zystische Fibrose führt zur Beeinträchtigung vieler Organfunktionen, hauptsächlich aber der Lunge. Mit Fortschreiten der Lungenerkrankung kommt es zu Kurzatmigkeit und Einschränkung der körperlichen Aktivität sowie zu einer verringerten Toleranz gegenüber körperlicher Belastung. Dadurch wiederrum leiden die allgemeine Gesundheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Wir haben nach Studien gesucht, in denen Menschen mit zystischer Fibrose jeden Alters ein aerobes Training (kontinuierliche Aktivität mit geringer bis moderater Intensität, wie beispielsweise Jogging, Rad fahren, schwimmen oder „walken“), ein anaerobes Training (Gewicht- oder Widerstandstraining oder Rennen mit hoher Intensität und kurzer Dauer) oder eine Kombination aus beiden Trainingsmodalitäten durchgeführt haben und mit Personen, die kein körperliches Training absolviert haben, verglichen wurden.

Datum der Suche

Die Evidenz ist auf dem Stand von: 04. Mai 2017.

Studienmerkmale

Der Review umfasst 15 Studien mit einer Gesamtzahl von 487 Teilnehmern mit zystischer Fibrose. Die Anzahl der Teilnehmer reichte in den Studien von nur 9 bis 72. Zwei Studien wurden ausschließlich mit Erwachsenen durchgeführt, sieben mit Kindern und Jugendlichen, und sechs weitere Studien hatten keine Altersbegrenzung. Vier Studien, bei denen das Trainingsprogramm während eines Krankenhausaufenthaltes durchgeführt wurde, dauerten weniger als einen Monat; in elf Studien erfolgte die Intervention im ambulanten Rahmen. Diese Studien dauerten zwei Monate bis 3 Jahre. An den Studien haben Menschen mit sehr unterschiedlichen Schweregraden der zystischen Fibrose teilgenommen. Zwischen den Studien gab es auch Unterschiede hinsichtlich der Überwachung des Trainings und es wurden verschiedene Trainingsarten untersucht und verglichen.

Am häufigsten wurde über die Veränderung der Lungenfunktion berichtete; andere häufig verwendete Zielparameter waren die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität; die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Veränderungen in der Muskelkraft und der Körperzusammensetzung (z.B. Muskel und Fett).

Hauptergebnisse

Aufgrund verschiedener Studiendesigns (Trainingsart, Trainingsdauer etc.) konnten die Ergebnisse der einzelnen Studien nicht kombiniert auswertet werden. In den kurzfristigen Studien führte das körperliche Training zu keinen nennenswerten Effekten. Die längerfristigen Studien konnten zeigen, dass körperliches Training die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit verbessert. Es gab auch Verbesserungen in der Lungenfunktion und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, jedoch waren diese Veränderungen nicht in allen Studien nachweisbar. Keine Studie berichtete über Todesfälle. Zwei Studien berichteten Nebenwirkungen, eine Studie berichtete pulmonale Exazerbationen und eine andere Studie über Diabeteseinstellung.

Qualität der Evidenz

Wir konnten eine Reihe kleinerer Studien mit bestenfalls moderater Qualität (nur für Nebenwirkungen) in unseren Review einschließen. Insgesamt gab es nur Evidenz von niedriger bis sehr niedriger Qualität, dass aerobes oder anaerobes Training (oder eine Kombination von beidem) eine positive Wirkung auf die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit, Lungenfunktion und gesundheitsbezogene Lebensqualität von Menschen mit zystischer Fibrose hat. In vier Studien waren gewisse Charakteristika der Teilnehmer schon zu Beginn der Studie zwischen den Gruppen unterschiedlich, obwohl die Gruppeneinteilung zufällig (randomisiert) erfolgte. Grundsätzlich können die Studienteilnehmer in Studien, die Training mit keinem Training vergleichen, natürlich nicht hinsichtlich der Gruppeneinteilung verblindet werden (das heißt in Unkenntnis darüber gehalten werden, welcher Gruppe sie zugeteilt sind). Wir denken jedoch nicht, dass die Ergebnisse der Lungenfunktionsuntersuchungen durch das Wissen um die Gruppenzugehörigkeit beeinflusst wurden, solange die Untersuchungen in korrekter Weise durchgeführt wurden. Im Gegensatz dazu gibt es ein Fehlerpotential, wenn die Untersucher, welche die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit eines Patienten messen in Bezug auf dessen Gruppenzugehörigkeit nicht verblindet sind. In weniger als der Hälfte der eingeschlossenen Studien wurden die Untersucher hinsichtlich der Gruppenzugehörigkeit verblindet, und in lediglich einer Studie war der verantwortliche Studienleiter verblindet. In den wenigsten Studien wurde die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhoben; wenn sie erhoben wurde, kamen verschiedene Messmethoden zum Einsatz. Auch die selektive Berichterstattung von Ergebnissen könnte ein Problem darstellen, da die meisten Studien nicht in einem Studienregister erfasst waren, um eine detaillierte Auskunft über die gemessenen Endpunkte zu haben. Wir sind unsicher bezüglich der Wirkungen und weitere Studien von besserer Qualität werden diese Ergebnisse wahrscheinlich ändern.

Übersetzung: 

T. Radtke, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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