Direkt zum Inhalt

Welche Operation hilft am besten, wenn sich die Blase absenkt und auf die vordere Scheidenwand drückt?

Kernaussagen

- Im Vergleich zu einer Operation mit körpereigenem Gewebe führt ein dauerhaftes Netz, das durch die Scheide eingesetzt wird, wahrscheinlich dazu, dass weniger Frauen erneut Beschwerden durch den Prolaps haben. Dazu gehören das Gefühl einer Schwellung oder Vorwölbung in der Scheide, ein erneuter Vorfall oder die Notwendigkeit einer weiteren Operation.

- Wenn ein dauerhaftes Netz durch die Scheide eingesetzt wird, kommt es wahrscheinlich häufiger zu neu auftretenden Schmerzen beim Geschlechtsverkehr als wenn das Netz über den Bauchraum eingesetzt wird.

- Zukünftige Studien sollten neue Netzimplantate oder andere dauerhaft haltbare Materialien untersuchen und dabei auch berücksichtigen, wie sich die Behandlungen auf die Lebensqualität der Frauen auswirken.

Was ist ein Beckenorganprolaps und wie wird er behandelt?

Eine Absenkung der Beckenorgane ist bei Frauen häufig, besonders nach Geburten und nach den Wechseljahren. Dabei senken sich die Beckenorgane nach unten, in die Scheide hinein oder auch nach außen. Ein „Prolaps des vorderen Kompartiments“ bedeutet, dass sich die Blase nach unten senkt und gegen die vordere Scheidenwand drückt. Das kann ein unangenehmes Druck- oder Schweregefühl verursachen, zu ungewolltem Urinverlust führen und Probleme beim Geschlechtsverkehr machen. Diese Probleme können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben.

Ein Beckenorganprolaps kann operativ behandelt werden. Bei der Operation können unterschiedliche Materialien verwendet werden: körpereigenes Gewebe und Bänder der Patientin, natürliches Material als biologisches Transplantat, künstliches Material, das sich mit der Zeit auflöst und vom Körper aufgenommen wird, dauerhaftes künstliches Material, also ein permanentes Netz. Die Operation kann auf verschiedenen Wegen durchgeführt werden: durch die Scheide, über einen größeren Schnitt im Bauch oder über kleine Schnitte im Bauch (Schlüsselloch-Operation). Manchmal wird die minimalinvasive Operation auch mit Unterstützung eines Roboters durchgeführt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Operationsmethode am wirksamsten ist und das geringste Risiko für unerwünschte Wirkungen birgt. Wir wollten herausfinden, wie sich die verschiedenen Operationsmethoden auswirken auf: Beschwerden durch den Prolaps, ob der Prolaps wieder auftritt, ob erneut eine Operation wegen des Prolaps nötig ist, ob eine Operation wegen Harninkontinenz erforderlich wird, ob eine weitere Operation nötig ist, weil das Netz Probleme macht (z. B. wenn es in die Scheide ragt) sowie auf neue oder anhaltende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Wie gingen wir vor?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen verschiedene Operationsmethoden zur Behandlung eines Prolaps des vorderen Kompartiments verglichen wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 41 Studien mit insgesamt 4531 Frauen mit einem Prolaps des vorderen Kompartiments. In den meisten Studien wurden die Ergebnisse ein bis zwei Jahre nach der Operation ausgewertet.

Operation mit körpereigenem Gewebe im Vergleich zu einer Operation mit biologischem Transplantat (1 bis 2 Jahre nach der Operation)

Nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe tritt der Prolaps wahrscheinlich häufiger erneut auf als nach einer Operation mit biologischem Transplantat (8 Studien, 707 Frauen). Wenn zum Beispiel bei 21 von 100 Frauen nach einem biologischen Transplantat der Prolaps wieder auftritt, wären es nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe etwa 24 bis 40 von 100 Frauen.

Beide Operationsmethoden führen wahrscheinlich zu ähnlichen Ergebnissen beim Wahrnehmen eines Prolaps (z. B. das Gefühl einer Vorwölbung) (5 Studien, 515 Frauen), bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (2 Studien, 151 Frauen) und möglicherweise auch bei der Notwendigkeit erneuter Operationen wegen eines Prolaps (6 Studien, 524 Frauen).

Zu Operationen wegen Harnverlust und zu neu auftretenden Schmerzen beim Geschlechtsverkehr liegen keine Daten aus den Studien vor.

Operation mit körpereigenem Gewebe im Vergleich zu einem dauerhaft eingesetzten Netz über die Scheide (1 bis 2 Jahre nach der Operation)

Nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe bemerken Frauen den Prolaps wahrscheinlich häufiger als nach einer dauerhaften Netzimplantation (10 Studien, 1203 Frauen). Wenn zum Beispiel 13 von 100 Frauen nach einer Netzimplantation den Prolaps wahrnehmen, sind es nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe etwa 17 bis 29 von 100 Frauen.

Nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe tritt der Prolaps möglicherweise etwas häufiger erneut auf (20 Studien, 2483 Frauen). Wenn zum Beispiel 13 von 100 Frauen nach einer Netzimplantation erneut einen Prolaps bekommen, sind es nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe etwa 29 bis 58 von 100 Frauen.

Nach einer Operation mit körpereigenem Gewebe ist eine erneute Operation wegen eines Prolaps wahrscheinlich häufiger erforderlich (14 Studien, 1799 Frauen).

Es gibt wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Operationsmethoden bei Harninkontinenz (6 Studien, 967 Frauen), Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (8 Studien, 1096 Frauen) und neu auftretenden Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (11 Studien, 797 Frauen).

Permanentes Netz, das über die Scheide oder über den Bauchraum eingesetzt wird (1 Jahr nach der Operation)

Neue Schmerzen beim Geschlechtsverkehr treten bei einem dauerhaft eingesetzten Netz über die Scheide wahrscheinlich häufiger auf als bei einem Netz, das über den Bauchraum eingesetzt wird (2 Studien, 248 Frauen).

Zwischen dauerhaft eingesetzten Netzen über die Scheide und solchen, die über den Bauchraum eingesetzt werden, gibt es wahrscheinlich kaum oder keinen Unterschied beim Risiko, dass der Prolaps wieder auftritt (4 Studien, 306 Frauen). Auch bei anderen Ergebnissen gibt es möglicherweise keine oder kaum Unterschiede: ob Frauen den Prolaps bemerken (3 Studien, 441 Frauen), ob erneut wegen eines Prolaps operiert werden muss (3 Studien, 455 Frauen), ob Operationen wegen Netzproblemen nötig sind (2 Studien, 373 Frauen), ob eine Operation wegen Harnverlust erfolgt (2 Studien, 299 Frauen).

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr wurden nicht erfasst.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von „sehr gering“ bis „mäßig“. In den Studien wurden nicht alle Methoden gut beschrieben, und einige Studien waren sehr klein. Viele der in den Studien untersuchten Netzprodukte sind inzwischen freiwillig vom Markt genommen worden. Es gibt zwar neuere, leichtere Netze, aber sie wurden bisher noch nicht in methodisch hochwertigen Studien untersucht.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 29. April 2024.

Anmerkungen zur Übersetzung

B. Schindler, A. Zink, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.

Zitierung
Christmann-Schmid C, Baessler K, Yeung E, Haya N, Mowat A, Chen Z, Wallace SA, Maher C. Surgery for women with anterior compartment prolapse. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 4. Art. No.: CD004014. DOI: 10.1002/14651858.CD004014.pub7.

So verwenden wir Cookies

Wir verwenden notwendige Cookies, damit unsere Webseite funktioniert. Wir möchten auch optionale Cookies für Google Analytics setzen, um unsere Webseite zu verbessern. Solche optionalen Cookies setzen wir nur, wenn Sie dies zulassen. Wenn Sie dieses Programm aufrufen, wird ein Cookie auf Ihrem Gerät platziert, um Ihre Präferenzen zu speichern. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern, indem Sie auf den Link "Cookie-Einstellungen" am Ende jeder Seite klicken.
Auf unserer Seite zu Cookies finden Sie weitere Informationen, wie diese Cookies funktionieren die Seite mit den Cookies.

Alle akzeptieren
Anpassen