Wie wirksam sind Screenings auf COVID-19?

Warum ist Screening wichtig?

Screening zielt darauf ab, eine Erkrankung bei Menschen zu identifizieren, die möglicherweise keine Symptome zeigen. Einige Menschen haben möglicherweise das COVID-19-Virus, wirken aber gesund oder haben nur leichte Symptome. Es ist wichtig, infizierte Personen zu identifizieren, sodass sie sich von anderen Personen fernhalten und eine angemessene Versorgung erhalten können. Die fälschliche Identifizierung von COVID-19 bei gesunden Personen könnte zu unnötiger Selbstisolation und weiteren Tests führen. Durch die fälschliche Identifizierung keiner Infektion bei infizierten Personen könnte sich das Virus verbreiten.

Ein Screening auf COVID-19 kann Temperaturmessungen, Befragungen zu internationalen Reisen oder Kontakt mit COVID-19-Infizierten oder Schnelltests umfassen. Das Screening kann telefonisch, online oder in persönlicher Präsenz in Wohnungen, Kliniken, an Arbeitsplätzen, Flughäfen oder Schulen erfolgen.

Was hat der Review untersucht?

Was wir herausfinden wollten:

· den Nutzen und die negativen Wirkungen des Screenings von scheinbar gesunden Personen auf eine COVID-19-Infektion;

· ob das Screening diejenigen mit und ohne das Virus korrekt identifizieren kann.

Um diese Fragen schnell zu beantworten, haben wir einige Schritte des normalen Cochrane-Review-Verfahrens verkürzt. Wir sind zuversichtlich, dass diese Änderungen keinen Einfluss auf unsere Schlussfolgerungen haben.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben nach Studien gesucht, in denen Personen, die keine Maßnahmen für mögliche COVID-19-Symptome in Anspruch genommen hatten, gescreent wurden.

Dieser Review beinhaltet Evidenz, die bis Mai 2020 veröffentlicht wurde.

Hauptergebnisse

Wir fanden 22 Studien; 17 untersuchten Personen (Kohortenstudien) und bei fünf handelte es sich um computergenerierte Modelle (Modellierungsstudien). Die Studien fanden in den USA, Europa und Asien statt.

Nutzen und negative Auswirkungen
Zwei Modellierungsstudien berichteten über den Nutzen und die negativen Auswirkungen eines Screenings. Die Ergebnisse einer der Studien deuteten darauf hin, dass das Erfragen von Symptomen an Flughäfen die Einreise infizierter Personen möglicherweise geringfügig verzögert, sie jedoch nicht verhindert.

In einem anderen Modell wurde berichtet, dass ein wöchentliches oder zweiwöchentliches Screening von Gesundheitsfachkräften die Übertragung auf Patienten und andere Gesundheitsfachkräfte in Notaufnahmen möglicherweise verringert.

Keine der Studien berichtete über negative Wirkungen des Screenings.

Identifizierung von infizierten Personen
Siebzehn Kohortenstudien und drei Modellierungsstudien berichteten darüber, ob ein Screening diejenigen mit und ohne das Virus korrekt identifizieren kann. Die Studien unterschieden sich stark in Bezug auf das Ausgangsniveau von COVID-19, die Settings und die Methoden. Alle Kohortenstudien verglichen die Screening-Strategien mit einem „Goldstandard“-Test namens RT-PCR.

Kohortenstudien
Alle Screening-Strategien
(17 Studien, 17.574 Personen) identifizierten fälschlich:

· zwischen 20 und 100 von 100 infizierten Personen als gesund;

· zwischen 0 und 38 Personen von 100 gesunden Personen als infiziert

Das Erfragen von Symptomen (13 Studien, 16.762 Personen) identifizierte fälschlich:

· zwischen 40 und 100 von 100 infizierten Personen als gesund

· zwischen 0 und 34 von 100 gesunden Personen als infiziert

Temperaturmessungen, Befragungen zu internationalen Reisen, Kontakte zu bekanntermaßen infizierten Personen und Kontakte zu bekanntermaßen oder vermutlich infizierten Personen (6 Studien, 14.741 Personen) identifizierten fälschlicherweise:

· zwischen 77 und 100 von 100 infizierten Personen als gesund

· zwischen 0 und 10 von 100 gesunden Personen als infiziert

Das Erfragen von Symptomen und Temperaturmessungen (2 Studien, 779 Personen) identifizierten fälschlicherweise:

· zwischen 31 und 88 von 100 infizierten Personen als gesund

· zwischen 0 und 10 von 100 gesunden Personen als infiziert

Zwei kleine Studien zu Laborschnelltests und der wiederholten Bewertung von Symptomen lieferten unzureichende Evidenz für eine Aussage darüber, wie genau sie darin waren, gesunde und infizierte Menschen zu identifizieren.

Modellierungsstudien
Drei Studien modellierten ein Ein- und Ausreisescreening an Flughäfen. In einer Studie wurden 70 % der infizierten Reisenden übersehen. Eine weitere entdeckte 90 % der Infektionen, verwendete jedoch ein unrealistisches Szenario. Die dritte verwendete sehr unzuverlässige Methoden, so dass wir keine Evidenz aus dieser Studie verwenden konnten.

Wie viel Vertrauen haben wir in die Ergebnisse der Studien?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist begrenzt, weil die meisten Studien die in ihnen verwendeten Screening-Methoden nicht klar beschrieben, einige nur sehr wenige Infektionsfälle fanden und die Art der Teilnehmer und Settings stark variierten, sodass es schwierig ist zu beurteilen, inwieweit die Ergebnisse verallgemeinert werden können.

Schlussfolgerungen der Autoren

Bei einem einmaligen Screening scheinbar gesunder Personen ist es sehr wahrscheinlich, dass infizierte Personen übersehen werden. Es ist unklar, ob kombinierte Screenings, die wiederholte Bewertung von Symptomen oder schnelle Labortests nützlich sind.

Je mehr Menschen sich infizieren, desto mehr Fälle werden durch ein Screening identifiziert. Da beim Screening jedoch infizierte Personen übersehen werden können, sind Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit wie Gesichtsbedeckungen, körperliche Distanznahme und Quarantäne für scheinbar gesunde Personen weiterhin sehr wichtig.

Übersetzung: 

M. Davia, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

Tools
Information

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.

Share/Save