Interventionen für Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus, die während des Ramadan fasten

Fragestellung

Welche Wirkungen haben Interventionen für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die während des Ramadans fasten?

Hintergrund

Das Fasten im Ramadan ist einer der Grundpfeiler des islamischen Glaubens und seiner Praktiken. Während dieser Zeit fasten alle gesunden muslimischen Erwachsenen von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang und nehmen die Mahlzeiten nach Sonnenuntergang zu sich (Iftar). Menschen, die krank sind oder an Krankheiten wie Typ-2-Diabetes leiden, sind vom Fasten ausgenommen. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes entscheiden sich jedoch dafür, während des Ramadans zu fasten. Das kann sich erheblich auf die Diabetes-Behandlung in der muslimischen Bevölkerung auswirken. Aufgrund ihres Stoffwechsels sind Diabetiker*innen besonders gefährdet, durch eine stark veränderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme Komplikationen zu erleiden, z.B. einen zu niedrigen Blutzuckerwert zu entwickeln (Hypoglykämie).

Wir wollten die Wirkungen von Maßnahmen, die das Fasten Erwachsener mit Typ-2-Diabetes während des Ramadans unterstützen, untersuchen. Wir interessierten uns insbesondere für die Wirkungen auf Hypoglykämien (sowohl schwerwiegende als auch nicht schwerwiegende), die Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse. Wir schlossen Studien mit Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes ein. Unser Literatursuchdatum war der 29. Juni 2022.

Studienmerkmale

Wir fanden 17 Studien mit insgesamt 5359 Teilnehmenden. Diese Studien wurden mindestens vier Wochen lang während des Ramadans durchgeführt und die Teilnehmenden wurden mindestens vier Wochen lang beobachtet. In den eingeschlossenen Studien wurde die Verwendung von Sulfonylharnstoffen mit der Verwendung von Dipeptidylpeptidase-4-Hemmern (vier Studien), Meglitiniden (zwei Studien), Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmern (eine Studie) und Glucagon-like Peptide-1-Analoga (drei Studien) während des Ramadans verglichen. Zwei Studien verglichen Insulinanaloga mit biphasischem Insulin. In anderen Studien wurde die übliche Versorgung mit Telemedizin (zwei Studien), einer auf den Ramadan ausgerichteten Patientenaufklärung (zwei Studien) und einer Reduzierung der Medikamentendosierung während des Ramadan (eine Studie) verglichen.

Hauptergebnisse

Für alle Vergleiche lagen nur wenige Daten vor. Die verfügbaren Daten zeigten keinen eindeutigen Nutzen oder Schaden von pharmakologischen oder verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zur Unterstützung von Menschen mit Typ-2-Diabetes, die während des Ramadan fasten möchten. Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Einnahme anderer Antidiabetika als Sulfonylharnstoffe das Risiko einer Hypoglykämie verringern könnten. Ebenso reduzieren möglicherweise verhaltensbezogene Maßnahmen wie Telemedizin (Fernbehandlung) oder eine reduzierte Dosis der Diabetes-Medikamente während des Ramadan das Hypoglykämie-Risiko. In den Studien, in denen über schwere Hypoglykämie-Episoden berichtet wurde, traten diese Ereignisse selten auf. Die Zahl war für alle Vergleiche ähnlich niedrig. Über die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Gesamtmortalität lagen nur wenige Informationen vor, die jedoch keine offensichtlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Interventionen erkennen ließen. Darüber hinaus zeigten die wenigen verfügbaren Daten keine klaren Unterschiede zwischen pharmakologischen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen hinsichtlich des Risikos anderer unerwünschter Ereignisse als Hypoglykämie. Das gilt auch für die Zielgrößen Blutdruck, Körpergewicht, Lipidwerte oder den Langzeitblutzucker-Wert (glykosylierte Hämoglobinwerte).

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz

Bei allen Studien in diesem Review bestehen Bedenken hinsichtlich der methodischen Qualität und damit auch der Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Die Zahl der Teilnehmenden aller Interventionen war gering. Die Evidenz unserer berichteten Ergebnisse ist sehr wenig vertrauenswürdig. Zukünftige Studien könnten unsere Forschungsergebnisse wesentlich verändern.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

T. Brugger, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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