Erektile Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie: Strategien der Penisrehabilitation

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Möglicherweise wirkt sich die geplante PDE5I-Gabe zur Penisrehabilitation nach radikaler Prostatektomie im Vergleich zu einer bedarfsbasierten Gabe nicht positiv auf die selbst berichtete Potenz und erektile Funktion aus. Die Bewertung der Qualität der Evidenz hierfür wurde größtenteils als sehr niedrig und in einigen Fällen als niedrig eingestuft.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Trotz der Bemühungen, die neurovaskulären Bündel durch eine nervenschonende Operation zu erhalten, bleibt nach einer radikalen Prostatektomie häufig eine erektile Dysfunktion bestehen. Die Ergebnisse zur Wiederherstellung der erektilen Funktion mittels einer postoperativen Penisrehabilitation sind jedoch widersprüchlich.

Zielsetzungen: 

Ziel des Reviews war die Bewertung der Wirkungen von Penisrehabilitationsstrategien auf die Wiederherstellung der erektilen Funktion nach radikaler Prostatektomie bei Prostatakrebs.

Suchstrategie: 

Wir führten eine umfassende Suche in mehreren Datenbanken (CENTRAL, MEDLINE, Embase), in der Cochrane Library, im Web of Science, in klinischen Studienregistern (ClinicalTrials.gov, International Clinical Trials Registry Platform) und in einer Quelle für graue Literatur (Gray Literature Report), von der Gründung der Datenbanken bis zum 3. Januar 2018, durch. Wir durchsuchten zudem die Referenzlisten weiterer relevanter Publikationen und Kongressberichte. Wir nahmen keine Einschränkungen hinsichtlich der Publikationssprache vor.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen randomisierte oder quasi-randomisierte Studien mit parallelem oder Cross-Over-Design ein.

Datensammlung und ‐analyse: 

Wir verwendeten die Standardmethoden von Cochrane. Zwei Autoren durchsuchten unabhängig voneinander die Literatur, extrahierten Daten, bewerteten das Risiko für Bias und beurteilten die Qualität der Evidenz nach GRADE für jeden Endpunkt. Die primären Endpunkte waren die selbstberichtete Potenz, die anhand validierter Fragebögen gemessene erektile Funktion und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Potenz wurde als ein IIEF-EF-Wert (internationaler Index der erektilen Funktion) von 19 oder höher bzw. als ein IIEF-5-Wert von 17 oder höher definiert. Bei allen Bewertungen der Lebensqualität auf einer fortlaufenden (kontinuierlichen) Skala wiesen höhere Werte auf eine bessere Lebensqualität hin.

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen acht randomisierte kontrollierte Studien mit 1699 Teilnehmern zu drei Vergleichen ein. Schwerpunkt dieser Zusammenfassung sind die Ergebnisse der primären Endpunkte dieses Reviews.

Die geplante Gabe von Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitoren (PDE5I) im Vergleich zu einem Placebo oder keiner Behandlung

Die geplante Gabe von PDE5I hat möglicherweise nur einen geringen oder keinen Einfluss auf die kurzfristige (bis zu 12 Monate) selbstberichtete Potenz (Risikoverhältnis (RR) 1,13, 95% -Konfidenzintervall (KI) 0,91 bis 1,41; Evidenz von sehr niedriger Qualität), was in etwa 47 mehr Männern mit selbstberichteter Potenz pro 1000 Patienten (95% KI 33 weniger bis 149 Männer mehr) entspricht. Darüber hinaus hat die geplante Gabe von PDE5I möglicherweise nur einen geringen oder keinen Einfluss auf die kurzfristige erektile Funktion, wie sie durch ein validiertes Instrument bewertet wurde (RR 1,11, 95% KI 0,80 bis 1,55; Evidenz von sehr geringer Qualität); dies entspricht 28 mehr Männern pro 1000 (95% KI 50 weniger bis 138 Männer mehr), jedoch sind wir uns bei beiden Ergebnisse sehr unsicher. Die geplante Gabe von PDE5I führt möglicherweise im Vergleich zu einem Placebo zu weniger schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (RR 0,32, 95% KI 0,11 bis 0,94; niedrige Qualität der Evidenz), obwohl dies biologisch nicht plausibel erscheint und möglicherweise einen zufälligen Befund darstellt. Auch bei diesem Ergebnis sind wir uns sehr unsicher. Wir fanden keine Langzeitdaten (länger als 12 Monate) für die drei primären Endpunkte.

Geplante Gabe von PDE5I im Vergleich zu On-Demand-PDE5I

Die tägliche Gabe von PDE5I scheint sowohl in der kurz- als auch in der langfristigen (mehr als 12 Monate) selbstberichteten Potenz zu einem lediglich geringen bis keinem Unterschied zu führen (kurzfristig: RR 0,97, 95% KI 0,62 bis 1,53; langfristig: RR 1,00, 95 % KI 0,60 bis 1,67); sehr niedrige Qualität der Evidenz für beide Ergebnisse); dies entspricht neun weniger Männern mit selbst gemeldeter kurzfristiger Potenz pro 1000 (95% KI 119 weniger bis 166 Männer mehr) und null weniger Männern mit selbst gemeldeter langfristiger Potenz pro 1000 (95% KI 153 weniger bis 257 Männer mehr). Bezüglich dieser Ergebnisse sind wir sehr unsicher. Die tägliche Gabe von PDE5I scheint zu einem geringen bis keinem Unterschied in der kurzfristigen und langfristigen erektilen Funktion zu führen (kurzfristig: RR 1,00, 95% KI 0,65 bis 1,55; langfristig; RR 0,74, 95% KI 0,48 bis 1,14; sehr niedrige Qualität der Evidenz für beide Ergebnisse), was null Männern mit kurzfristiger erektiler Dysfunktion pro 1000 (95% KI 80 weniger bis 125 Männern mehr) und 119 weniger Männern mit langfristiger erektiler Dysfunktion pro 1000 (95% KI 239 weniger bis 64 Männern mehr) entspricht. Bezüglich dieser Ergebnisse sind wir sehr unsicher. Die geplante Gabe von PDE5I kann zu geringen oder keinen Auswirkungen auf kurzfristige unerwünschte Ereignisse führen (RR 0,69 95% KI 0,12 bis 4,04; sehr niedrige Qualität der Evidenz), was sieben Männern weniger mit kurzfristigen schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen entspricht (95% KI 18 weniger bis 64 Männern mehr), jedoch sind wir uns bezüglich dieser Ergebnisse sehr unsicher. Wir fanden keine Langzeitdaten für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse.

Geplante Gabe von PDE5I versus geplante intraurethrale Verabreichung von Prostaglandin E1

Bei der kurzfristigen Nachuntersuchung kann die tägliche Gabe von PDE5I zu einem geringen oder keinem Einfluss auf die selbstberichtete Potenz führen (RR 1,10, 95% KI 0,79 bis 1,52; sehr niedrige Qualität der Evidenz), was 46 mehr Männern pro 1000 entspricht (95 % KI 97 weniger bis 241 Männern mehr). Die tägliche Gabe von PDE5I kann zu einer geringfügigen Verbesserung der erektilen Funktion führen (RR 1,64, 95% KI 0,84 bis 3,20; sehr niedrige Qualität der Evidenz), was 92 mehr Männern pro 1000 entspricht (95% KI 23 weniger bis 318 Männer mehr), aber wir sind sehr unsicher bezüglich dieser beiden Ergebnisse. Wir fanden keine Langzeitdaten (länger als 12 Monate) für die drei primären Endpunkte.

Für andere Vergleiche fanden wir keine Evidenz und konnten keine der vorgeplanten Untergruppenanalysen durchführen, die auf der nervenschonenden Technik, dem Alter oder der erektilen Funktion bei Studienbeginn basierten.

Übersetzung: 

I. Sokolakis, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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