Computergestütztes kognitives Training zur Aufrechterhaltung der kognitiven Funktion bei kognitiv gesunden Menschen im Spätalter

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Wir fanden in den eingeschlossenen Studien wenig Evidenz die darauf hindeutet, dass 12 oder mehr Wochen CCT die Kognition bei gesunden älteren Erwachsenen verbessert. Unser eingeschränktes Vertrauen in die Ergebnisse spiegelt jedoch die Gesamtqualität der Evidenz wider. Inkonsistenzen zwischen den Studien war eine große Limitation. In fünf der acht Studien betrug die Interventionsdauer nur drei Monate. Die Möglichkeit, dass Trainings über längere Zeiträume vorteilhaft sein könnten, muss noch genauer untersucht werden.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Das zunehmende Alter ist mit einem natürlichen Rückgang der kognitiven Funktion verbunden und stellt auch den größten Risikofaktor für Demenz dar. Kognitiver Rückgang und Demenz sind erhebliche Bedrohungen für die Unabhängigkeit und Lebensqualität älterer Erwachsener. Daher ist es ein Forschungsschwerpunkt, Interventionen zu identifizieren, die dazu beitragen die kognitive Funktion bei älteren Erwachsenen aufrechtzuerhalten oder das Risiko einer Demenz zu verringern. Das kognitive Training verwendet wiederholte Übungen in standardisierten Trainings, die auf einen oder mehrere kognitive Bereiche ausgerichtet sind, und soll die optimale kognitive Funktion erhalten. Dieser Review untersucht die Wirkung von computergestützten kognitiven Trainingsinterventionen mit einer Dauer von mindestens 12 Wochen, auf die kognitive Funktion von gesunden Erwachsenen ab 65 Jahren.

Zielsetzungen: 

Es sollten die Auswirkungen von computergestützten kognitiven Trainingsinterventionen mit einer Dauer von mindestens 12 Wochen, auf die Aufrechterhaltung oder Verbesserung der kognitiven Funktion bei kognitiv gesunden Menschen im Spätalter bewertet werden.

Suchstrategie: 

Wir durchsuchten bis 31. März 2018 ALOIS (www.medicine.ox.ac.uk/alois) und führten zusätzliche Suchen in MEDLINE, Embase, PsycINFO, CINAHL, ClinicalTrials.gov, und dem WHO-Portal/ICTRP (www.apps.who.int/trialsearch) durch, um sicherzustellen, dass die Suche so umfassend und aktuell wie möglich war und um veröffentlichte, unveröffentlichte und laufende Studien zu identifizieren.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und quasi-RCTs, veröffentlicht oder unveröffentlicht, in jeder Sprache ein. Die Teilnehmer waren kognitiv gesunde Menschen und mindestens 80% der Studienpopulation mussten 65 Jahre oder älter sein. Experimentelle Interventionen entsprachen den folgenden Kriterien: Eine Intervention war jede Form der interaktiven, computergestützten kognitiven Intervention - dazu gehören Computerübungen, Computerspiele, mobile Geräte, Spielkonsolen und virtuelle Realität - bei der wiederholte Übungen in standardisierten Trainings für bestimmte kognitive Bereiche durchgeführt werden, um die kognitive Funktion zu verbessern. Die Dauer der Intervention betrug mindestens 12 Wochen, kognitive Endpunkte wurden gemessen; und kognitive Trainingsinterventionen wurden mit aktiven oder inaktiven Kontrollinterventionen verglichen.

Datensammlung und -analyse: 

Wir führten ein vorläufiges Screening der Suchergebnisse mit Hilfe einer „Crowdsourcing-Methode“ durch, um RCTs zu identifizieren. Mindestens zwei Review-Autoren screenten unabhängig voneinander die übrigen Studien hinsichtlich der Einschlusskriterien. Mindestens zwei Review-Autoren extrahierten außerdem unabhängig voneinander die Daten und schätzten das Risiko für Bias der eingeschlossenen RCTs ein. Wo immer möglich, synthetisierten wir die Daten in Metaanalysen mit dem Random-Effects-Modell und verglichen computergestütztes kognitives Training (computerised cognitive training, CCT) getrennt mit aktiven und inaktiven Kontrollen. Wir drückten die Wirksamkeit der Behandlung als standardisierte Mittelwertdifferenz (standardised mean difference, SMD) mit einem 95% Konfidenzintervall (KI) aus. Wir verwendeten Methoden nach GRADE um die Gesamtqualität der Evidenz für jeden Endpunkt zu beschreiben.

Hauptergebnisse: 

Wir identifizierten acht RCTs mit insgesamt 1.183 Teilnehmern. Die Forscher stellten die Interventionen 12 bis 26 Wochen zur Verfügung. In fünf Studien betrug die Dauer der Intervention 12 oder 13 Wochen. Die eingeschlossenen Studien hatten ein moderates Risiko für Bias. Die Review-Autoren stellten viele Inkonsistenzen zwischen den Studienergebnissen fest. Die Gesamtqualität der Evidenz war für alle Endpunkte niedrig oder sehr niedrig.

Wir verglichen zuerst CCT mit aktiven Kontrollinterventionen, wie z.B. dem Anschauen von Lehrvideos. Aufgrund der sehr niedrigen Qualität der Evidenz konnten wir keine Wirkung von CCT auf den primären Endpunkt der allgemeinen kognitiven Funktion oder auf den sekundären Endpunkt des episodischen Gedächtnisses, der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der Ausführungsfunktion, und des Arbeitsgedächtnisses feststellen.

Wir verglichen außerdem CCT mit inaktiven Kontrollen (keine Interventionen). Negative SMDs begünstigen CCT gegenüber der Kontrolle. Wir fanden keine Studien über unseren primären Endpunkt der allgemeinen kognitiven Funktion. In Bezug auf unsere sekundären Endpunkte deuten die Studienergebnisse auf eine leichte Verbesserung des episodischen Gedächtnisses (Mittelwertdifferenz (MD) -0,90, 95% Konfidenzintervall (KI) -1,73 bis -0,07; 150 Teilnehmer; 1 Studie; niedrige Qualität der Evidenz) und auf keine Wirkung auf die Ausführungsfunktion (SMD -0,08, 95% KI -0,31 bis 0,15; 292 Teilnehmer; 2 Studien; niedrige Qualität der Evidenz), auf das Arbeitsgedächtnis (MD -0,08, 95% KI -0,43 bis 0,27; 60 Teilnehmer; 1 Studie; niedrige Qualität der Evidenz), und auf die verbale Flüssigkeit (MD -0,11, 95% KI -1,58 bis 1,36; 150 Teilnehmer; 1 Studie; niedrige Qualität der Evidenz) hin. Wir konnten keine Wirkungen auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit in den Studienendpunkten feststellen, da die Evidenz von sehr niedriger Qualität war.

Wir fanden in keinem Vergleich Evidenz für Lebensqualität, Aktivitäten des täglichen Lebens oder unerwünschte Wirkungen.

Übersetzung: 

J. Meichlinger, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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