Botulinumtoxin-Injektionen zur Vorbeugung von Migräne bei Erwachsenen

Fazit

Menschen mit chronischer (anhaltender) Migräne, die mit Botulinumtoxin-Injektionen behandelt wurden, hatten zwei Tage mit Migräne pro Monat weniger als Menschen, die mit Placebo (Scheinbehandlung) behandelt wurden. Es ist unklar, ob diese Verbesserung groß genug war, um eine bedeutende Veränderung in ihrem Leben auszumachen. Weitere Forschung ist notwendig, um zu zeigen, ob Botulinumtoxin zur Vorbeugung von Migräne besser ist als Medikamente zur oralen Behandlung (Medikamente, die geschluckt werden). Die Evidenz für Botulinumtoxin bei Personen mit episodischer (gelegentlich auftretender) Migräne war unsicher. Behandlungen mit Botulinumtoxin führten nicht zu vielen Nebenwirkungen.

Hintergrund

Migräne tritt bei drei von 20 Erwachsenen auf, und drei von vier Betroffenen sind Frauen. Menschen, welche für 15 oder mehr Tage im Monat Kopfschmerzen haben, von denen acht oder mehr Tage Migräne sind, haben chronische Migräne. Menschen, die an weniger als 15 Tagen im Monat an Kopfschmerzen leiden, haben episodische Migräne. Wir haben Studien eingeschlossen, die Botulinumtoxin-Behandlungen mit Placebo-Injektionen von Salzwasser, verschiedenen Dosen von Botulinumtoxin, oder anderen Medikamenten zur oralen Behandlung zur Vorbeugung von Migräne verglichen haben. Wir haben Daten zu den folgenden Endpunkten erhoben: Anzahl der Migräne-Tage in einem Monat (unser bevorzugtes Maß); Schwere der Migräne; Einnahme von Medikamenten gegen Migräne-Symptome; Krankheitsbeurteilungsmaße; Lebensqualität; Nebenwirkungen; und Wirtschaftlichkeit der Behandlung.

Studienmerkmale

Wir haben 28 klinische Studien mit 4.190 Teilnehmern gefunden. Das Durchschnittsalter betrug 42 Jahre und acht von 10 Teilnehmern waren weiblich. Es ist wahrscheinlich, dass wir alle relevanten Studien gefunden haben, die vor Dezember 2017 veröffentlicht wurden. Die Studien waren kurz, die längste dauerte neun Monate. Rund die Hälfte der Teilnehmer hatte chronische und die andere Hälfte episodische Migräne-Symptome. Die Dosen in den Studien reichten von 6 bis 300 Einheiten. Die Dosis, die in Großbritannien und den USA bei chronischer Migräne empfohlen wird, beträgt 155-195 Einheiten. Sechzehn Studien, d.h. das betraf 8 von 10 Teilnehmer, wurden von Botulinumtoxin-Herstellern finanziert.

Hauptergebnisse

Leider wurden in den Publikationen der Studien viele Details zu wichtigen Krankheitsmaßen nicht ausreichend berichtet, so dass wir diese nicht beurteilen konnten.

Menschen mit chronischer Migräne, die mit der empfohlenen Dosis Botulinumtoxin behandelt wurden, hatten zwei Migräne-Tage weniger im Monat als Menschen, die mit Placebo behandelt wurden. Sechs Studien bei chronischer und episodischer Migräne berichteten auch die Anzahl der Migräne-Attacken pro Monat. Botulinumtoxin erwies sich nicht besser als Placebo bezüglich einer Verringerung der Anzahl der Migräne-Attacken pro Monat. Botulinumtoxin könnte die Schwere der Migräne verringern, aber wir brauchen größere Studien, um Vertrauen in dieses Ergebnis zu haben.

Drei Studien verglichen auch Botulinumtoxin (mindestens 100 Einheiten) mit Medikamenten zur oralen Behandlung (Natriumvalproat und Topiramat). Es gab keinen Unterschied in der Verbesserung der Anzahl der Migräne-Tage; dieses Ergebnis beruhte auf Daten aus einer Studie. Botulinumtoxin war nicht besser oder schlechter als Medikamente zur oralen Behandlung, um die Werte auf einem Fragebogen zur Beeinträchtigung durch Migräne (Migraine Disability Assessment, MIDAS) bei Menschen mit chronischer Migräne zu verringern. Da die Ergebnisse für den Vergleich mit Medikamenten zur oralen Behandlung nur auf ein paar kleinen Studien beruhten, ist es wahrscheinlich, dass weitere große Studien diese Ergebnisse ändern würden. Deshalb können wir diesen Ergebnissen nicht sicher vertrauen.

Von den Teilnehmern, welche mit Botulinumtoxin behandelt wurden, berichteten 60 von 100 von Nebenwirkungen (die häufigsten waren herabhängende Augenlider oder Muskelschwäche). Das waren etwas mehr als bei Personen, die mit Placebo behandelt wurden (47 von 100). Zwischen Botulinumtoxin und Medikamenten zur oralen Behandlung wurden keine Unterschiede im Risiko für Nebenwirkungen gefunden. Teilnehmer aus zwei kleinen Studien haben fast viermal weniger wahrscheinlich ihre Behandlung abgebrochen, wenn sie mit Botulinumtoxin statt Medikamenten zur oralen Behandlung behandelt wurden. Informationen zu Nebenwirkungen wurden für 8 von 10 Teilnehmern berichtet.

Qualität der Evidenz

Wir bewerten die Qualität der Evidenz aus den Studien anhand von vier Abstufungen: sehr niedrig, niedrig, moderat oder hoch. Evidenz von sehr niedriger Qualität bedeutet, dass wir hinsichtlich der Ergebnisse sehr unsicher sind. Evidenz von hoher Qualität bedeutet, dass wir großes Vertrauen in die Ergebnissen haben. Die Ergebnisse für die Änderung der Anzahl der Migräne-Tage für Menschen mit chronischer Migräne und die Anzahl der erfahrenen Nebenwirkungen beruhten auf Evidenz von moderater Qualität. Alle anderen Ergebnisse welche in dieser Zusammenfassung diskutiert wurden, waren von niedriger oder sehr niedriger Qualität, so dass sich die tatsächliche Wirkung wahrscheinlich von diesen Ergebnissen unterscheidet.

Übersetzung: 

R. Lauche, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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