Antiepileptische Monotherapie (Behandlung mit einem einzigen Medikament) bei Epilepsie

Hintergrund

Epilepsie ist eine häufige neurologische Erkrankung, bei der es durch abnorme elektrische Entladungen im Gehirn zu wiederkehrenden Krampfanfällen kommt. Wir untersuchten zwei Arten von epileptischen Anfällen in diesem Review: fokale Anfälle, die in einem Bereich des Gehirns beginnen und generalisierte tonisch-klonische Anfälle, die in beiden Gehirnhälften gleichzeitig starten.

Bei rund 70 % der Menschen mit epileptischen Anfällen ist es möglich, die Anfälle zu kontrollieren und bei den meisten Personen ist diese Kontrolle mit einem einzigen Antiepileptikum möglich. Momentan werden im Vereinigten Königreich, nach den Leitlinien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) für Erwachsene und Kinder als Mittel der ersten Wahl bei Personen mit neu diagnostizierten fokalen Anfällen Carbamazepin oder Lamotrigin empfohlen. Bei Personen mit neu diagnostizierten generalisierten tonisch-klonischen Anfällen wird Natriumvalproat empfohlen. Es gibt jedoch eine Reihe weiterer medikamentöser antiepileptischer Behandlungen.

Die Wahl des ersten antiepileptischen Medikaments für eine Person mit neu diagnostizierter Epilepsie ist von großer Bedeutung und sollte unter Berücksichtigung von qualitativ hochwertiger Evidenz geschehen, die beschreibt, wie wirksam die Medikamente für die Kontrolle der Anfälle sind und ob sie mit Nebenwirkungen verbunden sind. Es ist auch wichtig, dass Medikamente für verschiedene Anfallsformen miteinander verglichen werden.

Methoden

Die Antiepileptika von Interesse für diesen Review waren Carbamazepin, Phenytoin, Natriumvalproat, Phenobarbital, Oxcarbazepin, Lamotrigin, Gabapentin, Topiramat, Levetiracetam, Zonisamid. In diesem Review haben wir die Evidenz von 77 randomisierten kontrollierten klinischen Studien untersucht, die zwei oder mehr Medikamente hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Anfallskontrolle (d.h. ob Patienten erneute Anfälle oder über längere Zeit keine Anfälle hatten (Remission)) und der Verträglichkeit ihrer Nebenwirkungen verglichen. Wir konnten die Daten von 12,391 Patienten aus 36 der 77 Studien zusammenführen; die übrigen Daten von 5570 Patienten aus den anderen 41 Studien waren für diesen Review nicht verfügbar.

Wir führten zwei Arten von Analysen in diesem Review durch; zum einen kombinierten wir verfügbare Daten, wenn zwei Medikamente direkt in klinischen Studien verglichen wurden. Zum anderen führten wir eine Analyse durch, um alle Informationen aus den klinischen Studien über ein "Netzwerk" von 10 Medikamenten zusammenzuführen. Diese Analyse erlaubt uns, Medikamente im Netzwerk zu vergleichen, die nicht zuvor miteinander in klinischen Studien verglichen worden waren.

Hauptergebnisse

Von den 45 möglichen Paarvergleichen der 10 Medikamente, die von Interesse für diesen Review waren, standen Daten aus klinischen Studien für nur knapp mehr als die Hälfte dieser Vergleiche zur Verfügung. Aber für viele Vergleiche gab es nur eine einzige Studie, die die zwei Medikamente miteinander verglich und der Vergleich beinhaltete nur wenige Personen.

Unsere "Netzwerk"-Analyse zeigte, dass die ältesten Medikamente im Netzwerk (Phenobarbital und Phenytoin) bessere Möglichkeiten in Bezug auf die Anfallskontrolle als die anderen Medikamente darstellten. Diese älteren Medikamente waren allerdings am schlechtesten in Bezug auf die langfristige Therapieerhaltung (Absetzen der Behandlung) im Vergleich zu den neueren Medikamenten, wie Lamotrigin und Levetiracetam.

Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen aller Medikamente waren Benommenheit oder Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Migräne, Magen-Darm-Störungen (Magenverstimmung), Schwindel oder Ohnmacht und Hautausschlag oder Hauterkrankungen.

Qualität der Evidenz

Dieser Review bietet qualitativ hochwertige Evidenz für Personen mit fokalen Anfällen und Evidenz von moderater bis hoher Qualität für Personen mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen, da für Personen mir dieser Anfallsform weniger Informationen für einige Medikamente von Interesse vorlagen.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieses Reviews unterstützen die NICE-Leitlinien, dass Carbamazepin und Lamotrigin geeignete Optionen für die Erstbehandlung von Personen mit fokalen Anfällen darstellen und zeigen außerdem, dass Levetiracetam auch eine geeignete Behandlung wäre. Die Ergebnisse dieses Reviews unterstützen auch die Verwendung von Natriumvalproat als Mittel der ersten Wahl für Menschen mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und zeigen außerdem, dass Lamotrigin und Levetiracetam geeignete Alternativen wären - vor allem für Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch, für die Natriumvalproat möglicherweise keine geeignete Behandlungsmöglichkeit darstellt.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Review-Autoren suchten nach Studien, die bis zum 27. Juli 2016 publiziert wurden.

Übersetzung: 

N. Tittlbach, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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