Entzündungshemmende Arzneimittel zur Linderung von Dammschmerzen nach der Geburt

Worum geht es?

Nach der Geburt haben viele Frauen Schmerzen im Dammbereich, der Region zwischen Anus und Vagina. In diesem Cochrane-Review wird untersucht, ob diese Schmerzen durch eine Dosis eines nicht-steroidalen entzündungshemmenden Arzneimittels (nicht-steroidales Antirheumatikum, NSAR) wie Aspirin oder Ibuprofen verringert werden können.

Warum ist das wichtig?

Der Schmerz, den manche Frauen nach der Geburt am Damm verspüren, kann besonders intensiv sein, wenn das Dammgewebe unter der Geburt reißt oder eingeschnitten werden muss (dieses Verfahren wird Dammschnitt genannt). Selbst Frauen ohne Dammriss oder Schnitt haben häufig Dammbeschwerden, welche ihre Beweglichkeit sowie ihre Fähigkeit, für das Neugeborene zu sorgen, beeinträchtigen können. Dieser Review gehört zu einer Reihe von Reviews, welche die Wirksamkeit verschiedener Arzneimittel zur Schmerzlinderung bei Dammschmerzen direkt nach der Geburt untersucht. Dabei geht es speziell um NSAR, wie Aspirin und Ibuprofen.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir fanden 35 Studien mit 5136 Frauen, die 16 unterschiedliche NSAR (Aspirin, Ibuprofen etc.) untersuchten. Wir haben Studien bis zum 9. Dezember 2019 berücksichtigt. Die Studien, die wir fanden, schlossen nur Frauen, die eine Dammverletzung erlitten hatten und nicht stillten, ein. Die Studien wurden zwischen 1967 und 2013 durchgeführt und haben nur wenige Frauen eingeschlossen.

Die Studien zeigten, dass eine Einzeldosis eines NSAR vier Stunden nach der Einnahme des Medikaments bei nicht stillenden Frauen, die während der Geburt ein Dammverletzung erlitten hatten, im Vergleich zu einem Placebo (Scheinmedikament) oder keiner Behandlung, stärkere Schmerzlinderung bewirken kann (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Wir sind uns unsicher, ob es einen Unterschied zwischen NSAR und Placebo gibt, bezüglich einer angemessene Schmerzlinderung nach sechs Stunden.

Bei Frauen, die eine Einzeldosis eines NSAR erhalten haben, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie vier Stunden nach der Einnahme des Medikaments zusätzliche Schmerzmittel benötigen (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz), als bei Frauen, die ein Placebo oder keine Behandlung erhalten haben. Wir sind uns unsicher, ob es bei Frauen, die nach sechs Stunden nach initialer NSAR oder Placebo Gabe einen Unterschied bezüglich dem Wunsch nach zusätzlicher Schmerzlinderung (sehr geringer Vertrauenswürdigkeit der Evidenz) gibt. Nicht alle Studien untersuchten die unerwünschten Wirkungen der Arzneimittel aber einige Studien berichteten über unerwünschte Wirkungen bei den Müttern, wie Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit und Magenbeschwerden. Die Evidenz ist sehr unsicher, was den Unterschied zwischen NSAR und Placebo in Bezug auf das Auftreten unerwünschter Wirkungen bei Müttern sechs Stunden nach der Verabreichung betrifft (sehr geringe Evidenz). Eine kleine Studie (mit 90 Frauen) berichtete, dass es bei den Müttern vier Stunden nach der Verabreichung keine unerwünschten Wirkungen gab. In keiner der Studien wurden mögliche unerwünschte Auswirkungen auf das Neugeborene gemessen.

Ein NSAR bietet möglicherweise eine besser Schmerzlinderung, vier Stunden nach der Verabreichung, als Paracetamol. Es ist nicht sicher, ob es einen Unterschied zwischen NSAR und Paracetamol gibt, was das Erreichen einer angemessenen Schmerzlinderung nach sechs Stunden oder die Anzahl der Frauen, die vier Stunden nach der Verabreichung eine zusätzliche Schmerzlinderung benötigen, betrifft. Bei Frauen, die NSAR erhalten haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach sechs Stunden zusätzliche Schmerzmittel benötigen, geringer als bei Frauen, die Paracetamol erhalten haben. In einer Studie wurde berichtet, dass nach vier Stunden keine unerwünschten Wirkungen bei den Müttern (210 Frauen) beobachtet wurde. Drei kleine Studien berichteten von unerwünschten Wirkungen bei den Müttern sechs Stunden nach Verabreichung. Jedoch gab es zwischen den Behandlungsgruppen keine eindeutigen Unterschiede. Von unerwünschten Wirkungen auf das Neugeborene wurden in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet und alle Studien schlossen Frauen aus, die stillten.

Vergleiche verschiedener nicht-steroidaler entzündungshemmender Arzneimittel und verschiedener Dosen desselben NSAR zeigten keine eindeutigen Unterschiede in ihrer Wirksamkeit bei den wichtigsten Endpunkten, die in diesem Review untersucht wurden. Für einige NSAR lagen jedoch nur wenige Informationen vor.

Keine der eingeschlossenen Studien berichtete zu sekundären Endpunktes dieser Review, wie verlängerter Krankenhausaufenthalt oder Wiederaufnahme ins Krankenhaus aufgrund von Dammschmerzen, Stillen, Dammschmerzen sechs Wochen nach der Geburt, Sicht der Frauen, postpartale Depression oder Ausmaß der Einschränkung durch Dammschmerzen.

Was bedeutet das?

Bei Frauen, die nicht stillen, kann eine Einzeldosis eines NSAR besser sein als Placebo oder Paracetamol für die Dammschmerzen nach vier Stunden. Es wurde von keinen schweren Nebenwirkungen berichtet, jedoch wurden diese nicht von allen Studien untersucht. Für stillende Frauen liegen keine Daten vor. Diese Frauen sollten ärztlichen oder weiteren fachlichen Rat einholen, da einige NSAR nicht für stillende Frauen empfohlen werden.

Übersetzung: 

S.A. Genier, A. Walther, freigegeben durch Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA (www.fondation-sana.ch)

Tools
Information

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.