Ernährungsinterventionen bei ehemaligen Krebspatienten

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die Evidenz zeigte keine Auswirkungen von Ernährungsinterventionen auf die Gesamtmortalität und sekundäre Krebserkrankungen. Für Komorbiditäten wurde keine Evidenz gefunden. Bei den ernährungsbezogenen Endpunkten gab es wahrscheinlich geringen oder gar keinen Effekt auf die Energiezufuhr, obwohl die Zufuhr von Obst und Gemüse und der Diet Quality Index sich wahrscheinlich leicht verbesserten. Die Ergebnisse für Ballaststoffe waren uneinheitlich. Bei den anthropometrischen Endpunkten konnte ein leicht reduzierter Body-Mass Index (BMI) festgestellt werden, aber wahrscheinlich kein Einfluss auf das Taillen-Hüft-Verhältnis. Für die Lebensqualität waren die Ergebnisse sehr uneinheitlich. Weitere qualitativ hochwertige Forschungsarbeiten sind erforderlich, um die Auswirkungen von Ernährungsinterventionen auf verschiedene Krebsarten zu untersuchen und wichtige Endpunkte, wie u.a. Komorbiditäten und Körperzusammensetzung zu bewerten. Die Evidenz für neue Technologien zur Durchführung von Ernährungsinterventionen war begrenzt.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Internationale Ernährungsempfehlungen umfassen Leitlinien für eine gesunde Ernährung und Gewichtsmanagement für Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben. Es gibt allerdings keine Standard-Ernährungsinterventionen für diese Menschen.

Zielsetzungen: 

Es sollten die Auswirkungen von Ernährungsinterventionen für erwachsene Krebsüberlebende auf Morbidität und Mortalität, Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten, Körperzusammensetzung, gesundheitsbezogene Lebensqualität und klinische Messwerte beurteilt werden.

Suchstrategie: 

Wir führten am 18. September 2019 Suchen in folgenden Datenbanken durch: Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), Cochrane Library, MEDLINE via Ovid, Embase via Ovid, Allied and Complementary Medicine Database (AMED), Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature (CINAHL) und Database of Abstracts of Reviews of Effects (DARE). Ebenso durchsuchten wir die Referenzlisten der identifizierten Artikel, andere Reviews zu diesem Thema, das International Trials Registry for ongoing trials, MetaRegister, Physicians Data Query und auf geeigneten Webseiten nach laufenden Interventionsstudien. Wir durchsuchten Konferenz-Abstracts und WorldCat nach Dissertationen .

Auswahlkriterien: 

Wir nahmen randomisierte kontrollierte Studien (randomized controlled trials = RCTs) auf, die Erwachsene ehemalige Krebspatienten einschlossen (sogenannte „cancer survivors“). Die Interventionen beinhalteten jede Art von Ernährungsberatung, unabhängig von der Methode, darunter Gruppensitzungen, telefonische Beratung, schriftliches Material oder ein webbasierter Ansatz. Wir schlossen Vergleiche ein wie zum Beispiel Standardbehandlung oder schriftliche Informationen. Die gemessenen Endpunkte umfassten Gesamtüberleben, Morbidität, sekundäre Malignome, Ernährungsumstellungen, Anthropometrie, Lebensqualität (QoL) und biochemische Parameter.

Datensammlung und ‐analyse: 

Wir verwendeten die Standardmethoden von Cochrane. Zwei Personen bewerteten unabhängig voneinander Titel und Volltext-Artikel, extrahierten Daten und bewerteten das Risiko für Bias. Für die Analyse verwendeten wir ein statistisches Random-Effects-Modell für alle Meta-Analysen und den GRADE-Ansatz, um die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz unter Berücksichtigung von von Risiko für Bias, Indirektheit, Inkonsistent, unzureichende Präzision und Publikationsbias zu bewerten

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen 25 RCTs mit 7259 Teilnehmern ein, darunter 977 (13,5%) Männer und 6282 (86,5%) Frauen. Das durchschnittliche berichtete Alter reichte von 52,6 bis 71 Jahren, die eingeschlossenen Teilnehmer waren zwischen 23 und 85 Jahren alt. Die Studien berichteten über 27 Vergleiche und schlossen Teilnehmer ein, die Brustkrebs (17 Studien), Darmkrebs (2 Studien), gynäkologischen Krebs (1 Studie) und Krebs, der an unterschiedlichen Stellen auftritt (5 Studien) überlebt hatten.

Für den Endpunkt Gesamtmortalität zeigten Ernährungsinterventionen keinen Unterschied zu den Kontrollgruppen (Hazard Ratio (HR) 0,98, 95% Konfidenzintervall (CI) 0,77 bis 1,23; 1 Studie; 3107 Teilnehmer; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). . Für sekundäre Krebserkrankungen zeigten Ernährungsinterventionen im Vergleich zu Kontrollstudien keinen Unterschied (Risk Ratio (RR) 0,99, 95% CI 0,84 bis 1,15; 1 Studie; 3107 Teilnehmer; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Komorbiditäten wurden in keiner der eingeschlossenen Studien untersucht.

Nachfolgende Endpunkte, die nach 12 Monaten berichtet wurden, zeigten, dass Ernährungsinterventionen im Vergleich zur Kontrolle wahrscheinlich geringen oder gar keinen Unterschied bei der Energieaufnahme nach 12 Monaten hatten (mittlere Differenz (MD) -59,13 kcal, 95% CI -159,05 bis 37,79; 5 Studien; 3283 Teilnehmer; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit). Ernährungsinterventionen führten im Vergleich zur Kontrolle wahrscheinlich zu einem leichten Anstieg des Konsums von Obst und Gemüse (MD 0,41 Portionen, 95% CI 0,10 bis 0,71; 5 Studien; 834 Teilnehmer; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit); geringfügige Erhöhung der Ballaststoffaufnahme (MD 5,12 g, 95% CI 0,66 bis 10,9; 2 Studien; 3127 Teilnehmer; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit); und eine wahrscheinliche Verbesserung des Diet Quality Index (MD 3,46, 95% CI 1,54 bis 5,38; 747 Teilnehmer; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).

Für anthropometrische Endpunkte führte die Ernährungsintervention im Vergleich zur Kontrolle wahrscheinlich zu einem leicht geringeren Body-Mass-Index (BMI) (MD -0,79 kg/m², 95% CI -1,50 bis -0,07; 4 Studien; 777 Teilnehmer; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit). Ernährungsinterventionen im Vergleich zur Kontrolle hatten wahrscheinlich wenig oder gar keinen Einfluss auf das Taillen-Hüft-Verhältnis (MD -0,01, 95% CI -0,04 bis 0,02; 2 Studien; 106 Teilnehmer; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).

Für die Lebensqualität gab es unterschiedliche Ergebnisse; es wurden mehrere verschiedene Instrumente zur Qualitätsbewertung eingesetzt und die Evidenz war von niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit. Unerwünschte Ereignisse wurden in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet.

Übersetzung: 

G. Rüschemeyer, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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