Peer-Unterstützung bei Schizophrenie und anderen schweren psychischen Erkrankungen

Hintergrund

Schizophrenie und andere schwere psychische Erkrankungen sind chronische disruptive psychische Störungen mit unangenehmen psychotischen, affektiven und kognitiven Symptomen wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Depression, Angstgefühle, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Misstrauen und sozialer Rückzug. In erster Linie werden antipsychotische Medikamente eingesetzt, die allerdings nicht immer voll wirksam sind.

Peer-Unterstützung (Unterstützung durch andere Betroffene) bietet sowohl Angebotsnutzern wie auch den Personen, die betreuen, die Möglichkeit zum Wissensaustausch, unmittelbarer Krankheitserfahrung und gegenseitiger Hilfe auf dem Weg zur Genesung. Die Unterstützung erfolgt begleitend zu antipsychotischer Behandlung. Unterstützende Strategien wie zwischenmenschliche Kommunikation, Modellierung und Hilfestellungen innerhalb oder außerhalb von Gruppensitzungen sollen dazu beitragen, krankheitsbedingte Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Verhaltensprobleme zu bekämpfen und die Patienten in die Lage versetzen, ihre Behandlung fortzusetzen und wichtige Rollen im echten Leben wieder einzunehmen. Die Forschungsergebnisse in Bezug auf die Wirksamkeit der Peer-Unterstützung bei Menschen mit Schizophrenie und anderen schweren psychischen Erkrankungen waren jedoch nicht eindeutig.

Ziele des Reviews

Dieser Review zielte darauf ab, hochwertige Evidenz aus relevanten randomisierten klinischen Studien (Studien, in denen Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei oder mehr Behandlungsgruppen eingeteilt werden) zu finden, so dass wir die Auswirkungen von Peer-Unterstützungsinterventionen bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen im Vergleich zur Standardversorgung oder anderen unterstützenden oder psychosozialen Interventionen, die nicht von anderen Betroffenen stammen, beurteilen konnten. Wir waren an klinisch aussagekräftigen Daten interessiert, die Aufschluss über die Auswirkungen der Peer-Unterstützung auf Krankenhauseinweisungen, Rückfälle, Allgemeinzustand, Lebensqualität, Todesfälle und gesellschaftliche Kosten bei Menschen mit Schizophrenie geben konnten.

Recherche

Wir durchsuchten das spezialisierte Studienregister von Cochrane Schizophrenia (bis 2017) und fanden 13 Studien, in denen 2.479 Menschen mit Schizophrenie oder anderen ähnlichen schweren psychischen Erkrankungen randomisiert wurden, um entweder Peer-Unterstützung plus Standardversorgung, ärztlich geleitete Unterstützung plus Standardversorgung oder Standardversorgung allein zu erhalten.

Hauptergebnisse

Dreizehn Studien waren verfügbar, allerdings war die Evidenz von sehr niedriger Qualität. Verwertbare Daten wurden nur für zwei unserer vorab bestimmten wichtigen Endpunkte berichtet. Sie zeigten, dass das Hinzufügen von Peer-Unterstützung zur Standardversorgung wenige oder gar keine eindeutigen Auswirkungen auf Krankenhauseinweisungen oder Todesfälle bei Menschen mit Schizophrenie und anderen schweren psychischen Erkrankungen hatte. In einer dieser Studien (Teilnehmer = 156) wurde außerdem die Peer-Unterstützung mit der ärztlich geleiteten Unterstützung verglichen. In Hinblick auf die wichtigsten Endpunkte wurden allerdings keine verwertbaren Daten für diesen Vergleich berichtet.

Schlussfolgerungen

Wir haben wenig Vertrauen in die oben genannten Ergebnisse. Derzeit gibt es keine Evidenz von hoher Qualität, die die Wirksamkeit von Peer-Unterstützungsinterventionen bei Menschen mit Schizophrenie oder anderen schweren psychischen Erkrankungen unterstützt oder widerlegt.

Übersetzung: 

K. Jones, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information
Share/Save

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.