Maßnahmen bei Beinkrämpfen in der Schwangerschaft

Beinkrämpfe sind plötzliche, intensive unwillkürliche Kontraktionen der Beinmuskulatur. Sie sind ein häufiges Problem in der Schwangerschaft, vor allem im letzten Drittel. Beinkrämpfe sind schmerzhaft und können alltägliche Tätigkeiten stören, den Schlaf unterbrechen und die Lebensqualität mindern. In der Schwangerschaft werden Beinkrämpfe mit verschiedenen Maßnahmen behandelt, darunter Medikamenten-, Elektrolyte- (Magnesium, Calcium, Natrium) und Vitamintherapien sowie nicht medikamentöse Therapien, zum Beispiel Muskeldehnung. Durch diesen Review wollten wir herausfinden, welche Maßnahmen wirksam und unbedenklich gegen Beinkrämpfe in der Schwangerschaft eingesetzt werden können.

Wir schlossen 6 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 390 Frauen in der 15. bis 37. Schwangerschaftswoche ein. Es wurden entweder Magnesium, Calcium oder Vitamin B mit Placebo oder keiner Behandlung verglichen oder aber Vitamin C mit Calcium. Alle Behandlungen wurden in Form von Tabletten zum Kauen oder Schlucken verabreicht.

Magnesium-Ergänzungspräparate verringerten im Vergleich mit Placebos oder keiner Behandlung die Anzahl der Beinkrämpfe nicht immer. Studien erfassten dies auf verschiedene Arten, wobei sie manchmal zeigten, dass Magnesium dabei half, die Anzahl von Beinkrämpfen zu verringern, manchmal aber auch, dass es keinen Unterschied gab. Ebenso war die Evidenz zu der Frage, ob Magnesium die Intensität der Schmerzen verringerte, nicht schlüssig; eine Studie zeigte einen Rückgang, andere keinen Unterschied. Es gab keinen Unterschied im Auftreten von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall.

Von den Frauen, die Calcium einnahmen, hatte im Vergleich zu den Frauen ohne Behandlung ein größerer Prozentsatz nach der Behandlung keine Beinkrämpfe; ein anderes Endpunktmaß zeigte jedoch keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

Von den Frauen, die Vitamin-B-Ergänzungspräparate einnahmen, erholten sich im Vergleich zu den Frauen ohne Behandlung ein größerer Anteil vollständig; diese Ergebnisse stammen jedoch aus einer kleinen Stichprobe innerhalb einer Studie mit konzeptionellen Einschränkungen.

Hinsichtlich der Häufigkeit von Beinkrämpfen gab es keine Unterschiede zwischen Frauen, die Calcium oder Vitamin C einnahmen.

Die Qualität der Evidenz wurde als niedrig oder sehr niedrig bewertet. Dies ließ sich hauptsächlich auf die geringe Stichprobengröße und auf das schlechte Studiendesign zurückführen. 2 Studien waren gut durchgeführt und dokumentiert. Die anderen 4 wiesen konzeptionelle Einschränkungen auf: In mehreren Studien wurden die Frauen nicht auf die beste Weise den unterschiedlichen Behandlungsgruppen zugewiesen und in 2 Studien wussten die Frauen, ob sie eine Behandlung bekamen oder nicht. Über unerwünschte Wirkungen wie zum Beispiel jegliche Wirkungen auf Schwangerschaftskomplikationen, Wehen und das Baby wurde nicht berichtet. Mehrere Studien konzentrierten sich hauptsächlich auf den Calcium- und Magnesium-Serumspiegel. Die Häufigkeit und Intensität von Krämpfen und die Dauer der Schmerzen wurden nicht einheitlich dokumentiert und häufig fehlten Informationen dazu, wie sie gemessen wurden, und zwar entweder während der Behandlung, bei Behandlungsende oder nach dem Ende der Behandlung.

Aus der geprüften Evidenz wird nicht ersichtlich, ob eine der Maßnahmen in Tablettenform (Magnesium, Calcium, Vitamin B oder Vitamin C) eine wirksame und unbedenkliche Behandlung von Beinkrämpfen in der Schwangerschaft bietet. Nahrungsergänzungsmittel können je nach der Dosis, die die jeweilige Teilnehmerin üblicherweise einnimmt, unterschiedliche Wirkungen zeigen. Keine der Studien berücksichtigte Therapien wie Muskeldehnung, Massage, Entspannung oder Wärmetherapie.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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