Yoga versus medizinischer Regelversorgung bei Schizophrenie

Reviewfrage

Ist Yoga als Zusatzbehandlung für Menschen mit Schizophrenie wirksam?

Hintergrund

Yoga stammt aus dem alten Indien und beinhaltet Körperhaltungen und Atemübungen, die die Balance zwischen Körper und Geist fördern sollen. Yoga wird heute weithin als Methode zur Entspannung und Bewegung eingesetzt, die die Körperkraft, Flexibilität, Koordination, Ausdauer, Atemkontrolle und Konzentration verbessern soll. Yoga reduziert nachweislich Stress und verbessert die Gesundheit und das Wohlbefinden. Yoga wird auch als ergänzende Therapie bei vielen Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise der Verbesserung der Blutdruckkontrolle und bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.

Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass Yoga auch als Zusatzbehandlung bei komplexen Symptomen von Schizophrenie hilfreich sein könnte (beispielsweise Hören von Stimmen, Sehen von nicht-existenten Dingen, mangelndes Interesse an Menschen und Aktivitäten, Müdigkeit, Verlust von Emotionen und Rückzug) sowie zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Schizophrenie. Die Anwendung von Yoga insbesondere bei Menschen mit Schizophrenie ist bislang nur wenig erforscht.

Studienmerkmale

Wir schlossen acht Kurzzeitstudien ein (weniger als sechs Monate), in denen Personen mit Schizophrenie zufällig zugeteilt entweder die medizinische Regelversorgung erhielten oder Yoga machten. Die beschriebenen Yogaprogramme dauerten zwischen 45 und 60 Minuten pro Sitzung und beinhalteten acht bis maximal 36 Sitzungen. Wir fanden diese Studien durch eine elektronische Suche im Cochrane Schizophrenia Group's Register im Januar 2015. In allen einbezogenen Studien folgten die Teilnehmer weiterhin ihrer bereits verschriebenen antipsychotischen Behandlung.

Hauptergebnisse

Einige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Yoga für Menschen mit Schizophrenie hilfreich sein kann. Yoga kann möglicherweise den geistigen Zustand, die soziale Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität verbessern, allerdings sind die vorliegenden Untersuchungsergebnisse schwach und müssen mit Vorsicht betrachtet werden. Studien, die unerwünschte Ergebnisse als Endpunkt berichteten, fanden keine entsprechenden Ereignisse. Mehrere andere wichtige Endpunkte wurden in den Studien nicht adressiert, beispielsweise Änderungen im Denkvermögen (Kognition), in wirtschaftlichen Aspekten oder in Aktivitäten des täglichen Lebens. In diesem Review liegt nicht genügend qualitativ hochwertige Evidenz vor, um zu fordern, dass Yoga als Zusatzbehandlung bei Schizophrenie verschrieben werden sollte.

Qualität der Evidenz

Die Evidenz war begrenzt und schwach. Die Zahl der eingeschlossenen Studien war klein, und nur kurzfristige Nachsorgeergebnisse wurden berichtet. Weitere, größere und langfristigere Studien, die den Fokus auf wichtige Endpunkte legen, sind daher notwendig.

Ben Gray, Senior Peer Researcher, McPin Foundation.http://mcpin.org/

Übersetzung: 

S. Lisman-Broetje, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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