Medikamentenfreier Umgang mit Atemproblemen bei Kindern mit schweren körperlichen und intellektuellen Beeinträchtigungen

Hintergrund Aus verschiedenen Gründen leben manche Kinder mit sehr schweren intellektuellen und körperlichen Problemen: Sie können weder laufen noch sprechen und brauchen sehr viel Pflege. In dieser Studie bezeichnen wir sie als Kinder mit schwerer globaler Entwicklungsverzögerung; dabei handelt es sich nicht um eine spezifische Diagnose, sondern eher um einen „Sammelbegriff" für eine Gruppe von Kindern mit ähnlichen Problemen. Diese Kinder können schwache oder steife Muskeln und Verformungen am Skelett aufweisen; häufig haben sie Probleme beim Schlucken, was dazu führt, dass Nahrung oder Speichel in ihre Lunge gelangt. Oft ist ihr Hustenreflex schwach ausgebildet und es fehlt ihnen an Kraft, dabei Sekrete auszuhusten. Wenn wir schlafen, atmen wir flacher; einige Kinder mit einer schweren globalen Entwicklungsverzögerung, deren Atmung bereits im Wachzustand flach ist, atmen im Schlaf daher nicht tief genug, um ausreichend Sauerstoff aufzunehmen und ausreichend Kohlendioxid auszuatmen. Infolge dieser Probleme ist ihr Atmungssystem geschwächt; sie entwickeln mit größerer Wahrscheinlichkeit Infektionen im Brustkorb und relativ leichte Infektionen können ihr Befinden stark beeinträchtigen. Das kann dazu führen, dass sie viel Zeit im Krankenhaus verbringen, was die Lebensqualität dieser Kinder und ihrer Familien beeinflusst und hohe Kosten verursacht. Viele Arten von Behandlung könnten helfen, aber bisher wurde keine gute Übersicht über Studien aufgestellt, anhand derer Gesundheitsfachleute sehen können, welche Behandlungen am besten geeignet sind und wann sie eingesetzt werden sollten; dies ist der Grund für diesen Review.

Fragestellung Das Ziel unseres Reviews bestand darin herauszufinden, wie wirksam die einzelnen Arten der Behandlung beim Umgang mit Atemproblemen bei Kindern mit schwerer globaler Entwicklungsverzögerung sind. Da eine immense Anzahl von Behandlungen zur Verfügung steht, entschlossen wir uns, nur Behandlungen ohne Medikamente zu untersuchen.

Studienmerkmale In einer umfassenden Datenbanksuche suchten wir nach Studien zu Maßnahmen für den Umgang mit Atemproblemen bei Kindern mit schwerer neurologischer Beeinträchtigung. Wir fanden 15 relevante Studien, die eine Reihe unterschiedlicher Behandlungsarten umfassten.

Hauptergebnisse Die Ergebnisse zeigten, dass mehrere unterschiedliche Behandlungen einen möglichen Nutzen boten; für die meisten Maßnahmen wurde von keinen schweren unerwünschten Ereignissen berichtet. Die Qualität der Studien war jedoch nicht gut genug, um Vertrauen in die Ergebnisse aufzubauen. Für Positionierungshilfen für die Nacht und das Anlegen einer Wirbelsäulenorthese ließ sich eine möglicherweise negative Wirkung bei einigen Patienten nachweisen. Zwar beschäftigten sich einige Studien mit derselben Art von Behandlung, jedoch wurde diese Behandlung auf unterschiedliche Weise angewandt oder die Alltagswirksamkeit wurde unterschiedlich gemessen, sodass wir die Ergebnisse nicht zusammenführen konnten.

Qualität der Evidenz Von den hier eingeschlossenen 15 Studien wandten nur vier den Studienaufbau an, der den „Goldstandard“ für Gesundheitsmaßnahmen darstellt. Die restlichen Studien waren weniger robust aufgebaut, was die Aussagekraft ihrer Ergebnisse einschränkt. Weitere gut durchdachte randomisierte Studien mit einer größeren Anzahl von Teilnehmern sind erforderlich, um Gesundheitsfachleuten bei der Wahl der wirksamsten Behandlungsmethoden eine Orientierungshilfe zu bieten.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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