Mammographie mit anschließender Ultraschalluntersuchung im Vergleich zur alleinigen Mammographie zur Brustkrebsvorsorge bei Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko

Worum geht es?

Wir untersuchten die Evidenz für und gegen ein zusätzlich zur Mammographie durchgeführtes Ultraschallscreening bei Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko.

Warum ist das wichtig?

Es ist wichtig, die Vor- und Nachteile von Screeningmaßnahmen abzuwägen, denn die vermehrte Entdeckung von Tumoren durch das Screening bedeutet nicht unbedingt, dass weniger Frauen daran sterben. Es gibt Evidenz dafür, dass die Mammographie bei gesunden Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren Brustkrebs frühzeitig erkennen und das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, verringern kann. Die Mammographie ist jedoch kein perfektes diagnostisches Mittel zur Erkennung von Brustkrebs und kann bei einigen Frauen, insbesondere bei Frauen mit dichter Brust, Tumore übersehen. Bei diesen Frauen ist ein Tumor auf dem Mammogramm nur schwer von normalem Brustgewebe zu unterscheiden. Auch bei Frauen mit nicht verdichteter Brust wird häufig zusätzlich zur Mammographie routinemäßig eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um die Sensitivität des Screenings zu erhöhen.

Lücke in der Evidenz: keine Studie untersuchte die Wirkung eines zusätzlichen Ultraschallscreenings auf die Sterblichkeit

Um festzustellen, ob ein routinemäßiges Screening mit Mammographie und Ultraschall von Vorteil ist, ist eine Studie (idealerweise eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT), d. h. eine Studie, bei der die Teilnehmerinnen nach dem Zufallsprinzip einer von zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugewiesen werden) unerlässlich. So kann verglichen werden, ob sich die Krankheits- und Sterberaten zwischen den Diagnosemethoden unterscheiden. Keine der Studien, in denen die Frauen ein bis drei Jahre lang beobachtet wurden, dauerte lange genug, um festzustellen, ob die Krebsfälle, die beim Screening mit Mammographie und Ultraschall zusätzlich entdeckt wurden, zu weniger Krankheit und Tod führen.

Wie viele Krebsfälle mehr werden beim Mammographie-Screening mit zusätzlicher Ultraschalluntersuchung entdeckt?

Wir fanden eine RCT und sieben Kohortenstudien (eine Art von Studie, bei der Gruppen von Personen über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden) , in denen untersucht wurde, ob die Kombination von Mammographie und Ultraschall zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko und ohne Symptome wirksamer ist als die Mammographie allein.

Die Methoden der RCT waren solide, womit sie die beste derzeit verfügbare Evidenz darstellt. Die Studie umfasste 72.717 Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko, von denen 58 % dichtes Brustgewebe aufwiesen. Nach einer zweijährigen Nachbeobachtungszeit wurden bei Frauen, die einmal mit einer Kombination aus Mammographie und Ultraschall untersucht wurden, zwei Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen mehr entdeckt als bei Frauen, die nur mammographisch untersucht wurden (5,0 gegenüber 3,2 pro 1000 Frauen).

Wie wirksam ist ein zusätzliches Ultraschallscreening bei Frauen mit dichter oder nicht dichter Brust?

In einer neueren Veröffentlichung wurde eine Untergruppe der RCT mit 19 213 Frauen analysiert, wobei die Ergebnisse für Frauen mit dichter und nicht dichter Brust getrennt untersucht wurden.

Bei Frauen mit dichter Brust wurden mit Mammographie und Ultraschall drei mehr Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen entdeckt als mit Mammographie allein. Dieses Ergebnis wurde durch Evidenz aus der klinischen Praxis untermauert: Das statistisch zusammengefasste Ergebnis von drei Kohortenstudien, in denen insgesamt 50.327 Frauen mit dichter Brust untersucht wurden, ergab, dass zusätzliche Krebsfälle erkannt wurden, wenn das Mammographie-Screening durch eine Ultraschalluntersuchung ergänzt wurde. Bei Frauen mit nicht dichter Brust stimmten die Ergebnisse zweier Kohortenstudien mit den Daten von 40.636 Frauen nicht mit der RCT überein. Die Kohortenstudien ergaben keinen signifikanten Unterschied im Anteil der Krebsfälle zwischen den beiden Screeningmethoden.

Wie viele Krebsfälle waren invasiv und hatten Lymphknoten befallen?

In der RCT wurden 71 % aller beim Screening identifizierten Tumore als invasiv eingestuft, wobei es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen gab. Das Ergebnis für den Unterschied zwischen den beiden Gruppen war jedoch ungenau und unser Vertrauen in das Ergebnis ist gering. Bei Frauen mit invasivem Krebs, der im Mammographie-Screening in Kombination mit Ultraschall entdeckt wurde, waren die Lymphknoten in weniger Fällen befallen als in der Gruppe, die nur mammographisch untersucht wurde (18 % (23 von 128) gegenüber 34 % (29 von 86)).

Intervallkrebsfälle: Krebsfälle, die in der Zeit zwischen den Screening-Runden entdeckt werden

Die RCT zeigte auch, dass Krebserkrankungen, die bei den Screening-Untersuchungen nicht gefunden wurden (sondern in der Zeit zwischen den Untersuchungen), seltener auftraten, wenn das Screening mit einer Kombination aus Mammographie und Ultraschall durchgeführt wurde (5 gegenüber 10 pro 10.000) anstelle von Screening nur mit Mammographie.

Falsch-positiv- und falsch-negativ-Rate

Die Rate der falsch-negativen Ergebnisse, d. h. eines negativen Ergebnisses bei Vorliegen von Krebs, war niedriger (9 % gegenüber 23 %), wenn zusätzlich zur Mammographie eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt wurde. Allerdings führte die Kombination von Mammographie und Ultraschall bei Frauen ohne Krebs zu mehr falsch-positiven Ergebnissen als die Mammographie allein: 123 gegenüber 86 pro 1000 Frauen. Außerdem benötigten von 1000 Frauen, die mit einer Kombination aus Mammographie und Ultraschall untersucht wurden, 27 mehr eine Biopsie als bei der Mammographie allein.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben nach Studien gesucht, die bis Mai 2021 veröffentlicht wurden.

Schlussfolgerung

Es ist unklar, ob bzw. inwieweit die Ultraschalluntersuchung zusätzlich zum Mammographie-Screening das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, verringern kann. Deshalb sollte die Ultraschalluntersuchung nicht routinemäßig eingesetzt werden. Damit Frauen eine fundierte Entscheidung treffen können, muss erforscht werden, ob die wenigen zusätzlichen Tumore, die durch die Ultraschalluntersuchung entdeckt werden können, tatsächlich zu einem Rückgang von Brustkrebserkrankungen und Todesfällen führen.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

T. Brugger, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.