Hoher versus niedriger positiver endexspiratorischer Druck bei Patienten mit akuter Lungenschädigung und akutem Atemnotsyndrom

Akute Lungenschädigung und akutes Atemnotsyndrom sind akute und schwere Erkrankungen, die die Struktur und Funktion der Lunge beeinträchtigen und durch eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Luft-Schranke verursacht werden, die zu einer entzündlichen Schädigung führt. Die Sterblichkeitsrate von akuter Lungenschädigung und akutem Atemnotsyndrom ist im Laufe der Zeit zurückgegangen und wird derzeit mit 43% angegeben. Patienten mit akuter Lungenschädigung und akutem Atemnotsyndrom benötigen maschinelle Beatmung, aber diese Maßnahme kann zu beatmungsinduzierter Lungenschädigung führen. Aus diesem Grund basiert das Therapieziel für diese Patienten auf einer lungenschonenden Beatmung. Die Verwendung eines hohen positiven endexspiratorischen Drucks (engl. positive end-expiratory pressure, PEEP) ist Teil der Strategie, die darauf abzielt, beatmungsinduzierte Lungenschädigung zu vermindern. PEEP ist ein mechanisches Manöver, das einen positiven Druck in der Lunge ausübt und hauptsächlich zur Korrektur der durch die alveoläre Hypoventilation verursachten Hypoxämie eingesetzt wird. In diesem Cochrane Review bewerten wir Nutzen und Schäden hoher gegenüber niedriger PEEP bei Patienten mit akuter Lungenschädigung und akutem Atemnotsyndrom. Die Durchführung dieses Reviews war sowohl relevant als auch notwendig, da der optimale PEEP bei diesen Patienten immer noch umstritten ist und die verfügbare Evidenz auf keinen Unterschied in der Sterblichkeit hinweist. Wir schlossen sieben Studien mit insgesamt 2565 Teilnehmern ein und fanden heraus, dass hoher PEEP im Vergleich zu niedrigem PEEP keine Verringerung der Sterblichkeit im Krankenhaus bewirkt, obwohl wir einen Trend zur Verringerung der Sterblichkeit sahen. Wir fanden auch klinische Heterogenität unter den eingeschlossenen Studien (klinische Heterogenität betrifft Unterschiede hinsichtlich der Teilnehmer, Interventionen und Endpunkten, die sich auf die Ergebnisse der Verwendung von PEEP auswirken könnten). Die eingeschlossenen Studien waren von moderater bis guter Qualität. Wir fanden keinen signifikanten Unterschied in Bezug auf ein Barotrauma - definiert als das Vorhandensein eines Pneumothorax auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs oder das Einführen einer Thoraxdrainage bei bekanntem oder vermutetem Pneumothorax. Außerdem stellten wir fest, dass hoher PEEP die Sauerstoffversorgung der Teilnehmer bis zum ersten, dritten und siebten Tag verbesserte. Die Anzahl der beatmungsfreien Tage zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (der Begriff beatmungsfreie Tage bezieht sich auf die Anzahl der Tage zwischen dem erfolgreichen Entwöhnen von der maschinellen Beatmung und dem 28. Tag nach Aufnahme in die Studie), und die verfügbaren Daten waren nicht ausreichend, um eine zusammenfassende Auswertung der Angaben zur Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation zu ermöglichen. Es sind zusätzliche Studien erforderlich, um zu bestimmen, welche Patienten hohen PEEP erhalten sollten und welche die besten Mittel zur Anwendung dieser Intervention sind.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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