Die Rolle eines aeroben körperlichen Trainings für Erwachsene mit malignen hämatologischen Erkrankungen (bösartige Blutkrankheiten)

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Reviewfrage (Fragestellung der Arbeit)

Wir haben die verfügbare Evidenz (den wissenschaftlichen Beleg) hinsichtlich des Effektes eines aeroben (sauerstoffabhängigen) körperlichen Trainings plus Regelversorgung (übliche Versorgung) verglichen mit der Regelversorgung allein für Erwachsene mit malignen hämatologischen Erkrankungen begutachtet. Wir haben neun randomisierte kontrollierte Studien (Studien, in denen die Teilnehmer verschiedenen Behandlungen zufällig zugeteilt werden) gefunden.

Hintergrund

Eine maligne hämatologische Erkrankung ist ein Tumor der Zellen des Knochenmarks oder des Lymphsystems. Lymphome, Leukämien, Myelome, myelodysplastische Syndrome und myeloproliferative Erkrankungen sind alle maligne hämatologische Erkrankungen. Diese Erkrankungen sind für fast 10% der neu gestellten Krebsdiagnosen in den Vereinigten Staaten verantwortlich und sind durch sehr wechselhafte und unterschiedliche klinische Verläufe und Prognosen gekennzeichnet. Verschiedene Behandlungen stehen für Menschen mit malignen hämatologischen Erkrankungen zur Verfügung, von einem "Beobachten und Abwarten"-Ansatz bis hin zu Chemotherapien mit einem oder mehreren Wirkstoffen (Kombination von Medikamenten), Strahlentherapie, Immuntherapie und der autologen (Spender und Empfänger sind dieselbe Person) oder allogenen (Spender und Empfänger sind zwei verschiedene Personen) Stammzelltransplantation. Zusätzlich erfolgt eine bestmögliche unterstützende Versorgung, damit die Patienten sich wohler fühlen und um Komplikationen oder Nebenwirkungen zu verhindern, zu kontrollieren oder zu behandeln. Obwohl Menschen mit malignen hämatologischen Erkrankungen lange Phasen von Therapie und Immobilität erdulden müssen, die ihr körperliches Leistungsniveau vermindert, ist die Empfehlung sich auszuruhen und intensive körperliche Betätigung zu vermeiden nach wie vor gängige Praxis. Diese Empfehlung steht teilweise in Zusammenhang mit der verminderten Zahl roter Blutkörperchen und -Plättchen, unter der viele Patienten leiden. Die Unfähigkeit Aktivitäten des täglichen Lebens auszuführen schränkt sie ein, mindert ihre Lebensqualität und kann die medizinische Behandlung beeinflussen.

Studienmerkmale

Wir haben mehrere medizinische Literaturdatenbanken durchsucht und neun randomisierte kontrollierte Studien (Studien, in denen die Teilnehmer zufällig zwei oder mehr unterschiedlichen Behandlungen zugeteilt werden) mit insgesamt 818 Teilnehmern eingeschlossen, die ein körperliches Trainingsprogramm mit dem Ziel der Verbesserung des Sauerstoffsystems plus Regelversorgung mit der Regelversorgung allein verglichen. Der Großteil der Patienten litt an akuter Leukämie, einem multiplen Myelom oder an Lymphomen. In fünf Studien erhielten die Teilnehmer ihre eigenen Stammzellen oder eine Stammzelltransplantation von einem Spender. Die aeroben Trainingsprogramme bestanden aus verschiedenen Walkingprogrammen unterschiedlicher Dauer und Intensität. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2014.

Hauptergebnisse

Keine der Studien betrachtete die Gesamtüberlebensdauer, obwohl drei Studien angaben, wie viele Teilnehmer während der Studienphase oder während der ersten 100 Tage starben. Es gibt keine Evidenz für Unterschiede in diesem Endpunkt zwischen der Trainingsgruppe und der Kontrollgruppe.

Vier Studien maßen die Lebensqualität (LQ). Wir schlossen eine Studie aufgrund von Ausgangsunterschieden zwischen den Gruppen von der Analyse aus. Die übrigen drei Studien ergaben LQ-Verbesserungen für die Trainingsgruppe. Vier Studien werteten Funktionsfähigkeit, Depression und Ängstlichkeit aus und wurden von uns in einer Metaanalyse (statistische Zusammenfassung der Ergebnisse) zusammengefasst. Es besteht ein Vorteil für die Trainingsgruppe in Bezug auf körperliche Funktionsfähigkeit und Depression aber keine klare Evidenz für einen Unterschied zwischen Training und Kontrollbehandlung in Bezug auf Ängstlichkeit. Sieben Studien untersuchten Erschöpfung, mit einem Vorteil für diejenigen, die trainierten.

Acht Studien untersuchten das körperliche Belastungsniveau (z.B. areobe Kapazität, Herzkreislauf-Fitness), und in sieben dieser Studien fanden wir eine Tendenz oder eine statistisch (rechnerisch) signifikante Verbesserung in der Trainingsgruppe. Drei Studien ermittelten ernsthafte unerwünschte Ereignisse und eine Studie gab unerwünschte Ereignisse (Nebenwirkungen) an, jedoch waren die Ergebnisse dieser Studien unschlüssig.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der eingeschlossenen Evidenz ist moderat für Todesfälle, körperliche Funktionsfähigkeit und Erschöpfung, gering für Gesamtlebensqualität, Depression, Ängstlichkeit, unerwünschte Ereignisse und ernsthafte unerwünschte Ereignisse und sehr gering für körperliche Leistung. Die wesentlichen Einschränkungen waren, dass Teilnehmer, Ärzte und Untersucher nicht geblindet waren (d.h. sie nicht unwissend darüber gehalten wurden, welcher Behandlungsgruppe die Teilnehmer zugeteilt waren) sowie die geringe Teilnehmerzahl der eingeschlossenen Studien, was bedeutete, dass wir die Möglichkeit nicht ausschließen konnten, dass das Training nur einen kleinen oder gar keinen Effekt hatte.

Übersetzung: 

C. Braun und T. Bossmann, Koordination durch Cochrane Schweiz

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