Monoamniotische Zwillinge (Zwillinge, die sich dieselbe Fruchtblase teilen): Ist es besser für sie, wenn sie frühzeitig geboren werden?

Worum geht es?

Eineiige Zwillinge, die sich in der Gebärmutter dieselbe Fruchtblase teilen, werden monoamniotische Zwillinge genannt. Die Fruchtblase ist mit Flüssigkeit (Fruchtwasser) gefüllt und umgibt das Ungeborene. Monoamniotische Zwillinge unterscheiden sich von der Mehrheit eineiiger Zwillinge, die sich getrennt voneinander in ihrer eigenen Fruchtblase mit ihrem eigenen Fruchtwasser befinden.

Schwangerschaften mit monoamniotischen Zwillingen sind selten – ungefähr eine von 10.000 Schwangerschaften ist betroffen, oder ungefähr 1 % aller Fälle von eineiigen Zwillingen. Schwangerschaften mit monoamniotischen Zwillingen bergen Risiken, die über die generellen Risiken von Zwillingsschwangerschaften hinausgehen – einschließlich, dass der Tod von einem der Zwillinge oder beiden eintritt. Die höheren Risiken liegen vor allem darin, dass die Nabelschnüre gedrückt werden können. Das ist gefährlich, da dadurch die Nabelschnur gehindert wird, das Kind mit Sauerstoff zu versorgen.

Wir wollten herausfinden, was für monoamniotische Zwillinge besser ist: eine frühzeitigere Geburt durch Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt vor dem Ende der 34. Schwangerschaftswoche (geplante frühzeitige Entbindung) oder ein Abwarten bis zur 36. bis 38. Schwangerschaftswoche, beziehungsweise bis die Wehen von selbst einsetzen, und dabei die Schwangerschaft sowie die Zwillinge währenddessen genau zu überwachen (abwartendes Management).

Warum ist das wichtig?

Schwangerschaften mit monoamniotischen Zwillingen bergen höhere Risiken im Vergleich zu anderen Zwillingsschwangerschaften, darunter den Tod von einem oder von beiden Zwillingen. Wenn eine frühzeitige Geburt sichergestellt wird, vor dem Ende der 34. Schwangerschaftswoche, könnte eventuell das Risiko, dass die Nabelschnur zu stark gedrückt wird, verringert werden. Jedoch kann eine Frühgeburt ernste Folgen haben und ein längerer Krankenhausaufenthalt ist fast garantiert.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, die die Ergebnisse von geplanter frühzeitiger Geburt und abwartendem Management vergleichen (Datum der Suche: 31. März 2015). Wir suchten nach Studien in allen Sprachen und ohne zeitliche Einschränkung. Wir fanden jedoch keine einzige.

Es gibt zwar Fallstudien und klinische Expertenmeinungen, jedoch kann man sich auf diese Arten von Studien nicht stützen, um eine klare Antwort zu geben - es sei denn, diese Studien schließen eine große Anzahl an Daten ein und werden genau auf ihre Qualität hin geprüft.

Was bedeutet das?

Frauen und ihre Familien sollten mit ihren Gesundheitsfachpersonen besprechen, was die beste Wahl für sie ist. Bei diesem Gespräch sollte auch erörtert werden, ob hochwertige Neugeborenversorgung zur Verfügung stünde, falls die Entscheidung für eine frühzeitige Geburt fällt.

Da es schwierig sein dürfte, eine randomisierte kontrollierte Studie zu so einem seltenen Problem durchzuführen, können unserer Ansicht nach weitere Forschungsergebnisse dadurch entstehen, dass die Ergebnisse aus verschiedenen Krankenhäusern unter Berücksichtigung sozialer Aspekte gebündelt werden.

Übersetzung: 

N. Schranz und C. Loytved, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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