Intensive-Case-Management für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen

Hintergrund

Schwere psychische Erkrankungen werden durch die Diagnose, dem Schweregrad der Behinderung und dem Vorhandensein von abnormalen Verhaltensweisen definiert. Einschließlich Schizophrenie, Psychosen, starken Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsstörungen, können schwere psychische Erkrankungen erheblichen Stress verursachen, sowohl für den Patienten als auch für deren Familie und Freunde. 

Bis in die 1970er Jahre war es üblich, Patienten mit diesen Erkrankungen für den Großteil ihres Lebens in einer dauerhaften Einrichtung unterzubringen. Heute ist es in den meisten Ländern der Welt üblich, die Patienten durch eine von mehreren möglichen Maßnahmen in die Gemeinschaft zu integrieren.  Intensive-Case-Management (ICM) stellt eine dieser Maßnahmen dar. Es besteht aus dem Management des psychischen Problems und der Rehabilitation, sowie der sozialen Betreuung, die entsprechend den Bedürfnissen des Patienten angepasst ist. Die Betreuung findet über eine unbestimmte Zeit statt und wird von einem Team geleitet, das eine kleine Gruppe von Patienten betreut (weniger als 20 Personen). Es wird eine 24-Stunden Betreuung angeboten und die Patienten befinden sich dabei in einem nicht-klinischen Umfeld.

Ziele des Reviews

Qualitativ hochwertige Evidenz zu finden, die die Wirksamkeit von ICM mit nicht-ICM Behandlungen vergleicht bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen. Nicht-ICM bedeutet, dass Patienten die selbe Versorgung erhalten, jedoch die Anzahl der zu begleitenden Fälle für das Personal, mehr als 20 Patienten beträgt. Außerdem wurde dies mit der Standardversorgung verglichen (hierbei wurden die Patienten ambulant behandelt, allerdings war der Bedarf an Versorgung nicht klar definiert). 

Evidenzsuche

In den Jahren 2009, 2012 und 2015 führten wir elektronische Suchen nach randomisierten kontrollierten Studien durch, welche ICM mit nicht-ICM und der Standardversorgung verglichen.

Ergebnisse

Wir schlossen 40 Studien mit insgesamt 7524 Patienten ein. Die Studien wurden in Australien, Kanada, China, Europa und den USA durchgeführt. Wenn ICM mit der Standard-Versorgung verglichen wurde, war es wahrscheinlicher das die Patienten in der ICM-Gruppe in der Behandlung blieben. Ihre allgemeine Funktionsfähigkeit war verbessert, sie bekamen einen Job, waren nicht obdachlos und die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzte sich (insbesondere, wenn die Patienten zuvor längere Aufenthalte im Krankenhaus hatten). Wenn ICM mit nicht-ICM verglichen wurde, war der einzige Unterschied, dass die Patienten in der ICM-Gruppe wahrscheinlicher die Behandlung fortführten. 

Schlussfolgerungen

Die Evidenz für die wesentlichen, relevanten Endpunkte war nie von hoher Qualität. Bestenfalls war die Qualität der Evidenz moderat. Zudem sind die Gesundheits- und Sozialsysteme in den Ländern, wo die Studien durchgeführt worden sind, unterschiedlich, sodass es schwierig war valide Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen zu ziehen. Dazu kam, dass wir nicht alle Daten zu Lebensqualität und Zufriedenheit der Patienten und Pfleger verwenden konnten. Diese Endpunkte konnte nicht verglichen werden, da sie in den Studien mit unterschiedlichen Skalen gemessen wurden, von denen manche nicht validiert waren.  Die Entwicklung einer umfassenden Skala und deren Validierung wäre sehr vorteilhaft bei der Entwicklung von Behandlungskonzepten, die die Patienten bevorzugen würden.

(Die laienverständliche Zusammenfassung dieses Reviews wurde ursprünglich von Janey Antoniou von RETHINK, UK (rethink.org) erstellt.)

Übersetzung: 

H.Schilling, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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