Vitamin A zur Vorbeugung von Erblindung bei Kindern mit Maserninfektionen

Hintergrund

Jedes Jahr erblinden weltweit 500.000 Kinder; 75% der Fälle sind in Ländern mit geringem Einkommen. Die Hauptgründe für Blindheit im Kindesalter sind regional stark unterschiedlich und hängen vom Lebensstandard der Bevölkerung ab. Durch Masern verursachte Vernarbung der Augen, Vitamin-A-Mangel, die Anwendung schädlicher traditioneller Augenheilmittel sowie Augenentzündungen bei Neugeborenen sind die Hauptursachen für Erblindungen in Ländern mit geringem Einkommen. Vitamin A ist ein wichtiger Nährstoff im Körper, der für das normale Funktionieren der Augen notwendig ist. Liegt ein Mangel vor, wird das Sehvermögen gemindert.

Maserninfektionen bei Kindern stehen im Zusammenhang mit Vitamin-A-Mangel und Erblindung. Der Eindämmung der Kinderblindheit wird im Programm der Weltgesundheitsorganisation VISION 2020 The Right to Sight hohe Priorität eingeräumt. Studien belegen die positive Wirkung von Vitamin A zur Reduktion der Krankheitslast und der Sterberate bei Kindern mit Maserninfektionen. In diesem Review wurde die Gabe von Vitamin A zur Vorbeugung der Erblindung bei Kindern mit Maserninfektionen ohne Anzeichen eines Vitamin-A-Mangels untersucht.

Studienmerkmale

Es wurden zwei randomisierte kontrollierte Studien von moderater Qualität mit 260 maserninfizierten Kindern berücksichtigt. In diesen Studien wurden Kinder, denen Vitamin A gegeben wurde mit Kindern, denen kein Vitamin A gegeben wurde, verglichen.

Hauptergebnisse

Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2015. Die Verabreichung von zwei Vitamin-A-Dosen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bei Kindern im Krankenhaus mit Maserninfektionen führte nach einer Woche zu einem Anstieg der Vitamin-A-Konzentration im Blut. Beide Studien wiesen jedoch die Einschränkung auf, dass Blindheit oder andere Augenerkrankungen nicht als Endpunkte bei Kindern mit Maserninfektionen untersucht wurden. Auch wurden keine Nebenwirkungen der Behandlung in den eingeschlossenen Studien berichtet. Die Evidenz ist nicht ausreichend, um eine positive oder anderweitige Wirkung von Vitamin A zur Vorbeugung der Erblindung bei Kindern mit Maserninfektionen zu belegen.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz und der Methodik war in beiden Studien moderat. Die Stichprobengröße war bei den eingeschlossenen Studien relativ klein, was sich auf die Genauigkeit der Ergebnisse auswirken könnte.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

I. Noack, I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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