Sind orale homöopathische Arzneimittel wirksam und sicher in der Vorbeugung und Behandlung akuter Atemwegsinfektionen bei Kindern?

Fragestellung

Wir untersuchten, ob orale homöopathische Arzneimittel wirksam und sicher zur Vorbeugung oder Behandlung von akuten Atemwegsinfektionen bei Kindern sind, im Vergleich zu einer inaktiven Behandlung (Placebo) oder anderen Medikamenten.

Hintergrund

Die meisten Atemwegsinfektionen heilen ohne Behandlung, aber manchmal halten die Symptome an - auch nachdem die Erstinfektion vorüber ist. Die Behandlung zielt daher auf die Linderung der Symptome ab. Infektionen der Atemwege entstehen häufig durch Viren, vor allem bei Erkältungen und Grippe, wobei einige Lungen- und Ohrinfektionen durch Bakterien verursacht werden. Es kann schwierig sein, zwischen viralen und bakteriellen Infektionen zu unterscheiden, und sie können auch zur gleichen Zeit bestehen. Antibiotika werden häufig bei Infektionen der Atemwege verschrieben, obwohl sie gegen Viren nicht wirksam sind.

Kinder haben im Durchschnitt drei bis sechs Atemwegsinfektionen im Jahr. Obwohl die meisten mild und behandelbar sind, erfordern sie manchmal Krankenhausbehandlungen und können in sehr seltenen Fällen zum Tod führen.

Homöopathie könnte Atemwegsinfektionen mit wenigen Nebenwirkungen behandeln - aber ihre Wirksamkeit und Sicherheit wurden noch nicht gut erforscht.

Wir untersuchten die Evidenz aus randomisierten, kontrollierten Studien (Studien, die Personen zufällig zu Behandlungen zuweisen) - die beste Methode, um die Sicherheit und Wirksamkeit von medikamentösen Behandlungen zu bewerten.

Recherchedatum

Unsere Evidenz ist auf dem Stand vom 27. November 2017.

Studienmerkmale

Wir schlossen acht Studien mit 1562 Kindern ein, die orale homöopathische Behandlung entweder mit Placebo oder der Standardbehandlung zur Vorbeugung oder Behandlung von Atemwegsinfektionen bei Kindern verglichen. Alle Studien untersuchten Infektionen der oberen Atemwege (von der Nase bis in die Luftröhre), aber eine Studie berichtete Infektionen der oberen und unteren Atemwege (von der Luftröhre bis in die Lunge und das Brustfell (Pleura)) zusammen. Deshalb ist die Anzahl der Kinder mit oberen oder unteren Infektionen unbekannt.

Quellen der Studienfinanzierung

Drei Studien wurden von Homöopathie-Unternehmen finanziert; eine berichtete von Unterstützung durch eine Nichtregierungsorganisation; zwei erhielten staatliche Unterstützung; eine wurde von einer Universität mitfinanziert; und eine berichtete nicht über finanzielle Unterstützung.

Hauptergebnisse

Die Studien untersuchten eine Reihe von Interventionen für verschiedene Erkrankungen und Populationen mit unterschiedlichen Ergebnismessungen, so dass nur eine kleine Anzahl für die Analysen kombiniert werden konnte. Alle Studien von moderater Qualität (niedriges Risiko für Bias) zeigten kleine oder keine nutzbringende Wirkungen von homöopathischen Arzneimitteln, egal ob individualisierte Behandlung durch einen ausgebildeten Homöopathen oder eine nicht individualisierte, kommerziell erhältliche Standardtherapie. Wenn die Ergebnisse kombiniert werden konnten, bestand wahrscheinlich ein kleiner oder kein Unterschied im Nutzen für kurz- oder langfristige Heilung, oder in der Vorbeugung von akuten Atemwegsinfektionen.

Zwei Studien von niedriger Qualität (unklares oder hohes Risiko für Bias) zeigten einen gewissen Nutzen von homöopathischen Arzneimitteln für eine begrenzte Anzahl von Endpunkten. Eine Studie zeigte eine Reduzierung der Schwere der Erkrankung für die Homöopathie-Gruppe zu einigen Zeitpunkten. Die andere Studie zeigte eine Reduzierung der Anzahl an Infektionen der Atemwege in den Behandlungsgruppen im folgenden Jahr, obwohl mehr als ein Viertel der Teilnehmer in diesen Ergebnissen nicht berücksichtigt wurden. Es gab keinen Unterschied zwischen den Homöopathie- und Placebo-Gruppen im Hinblick auf Freistellung von der Arbeit für Eltern, Einsatz von Antibiotika oder Nebenwirkungen. Folglich gibt es keine überzeugende Evidenz, dass homöopathische Arzneimittel in der Behandlung von akuten Atemwegsinfektionen bei Kindern wirksam sind. Bezüglich der Sicherheit sind wir unsicher, da die Daten zu unerwünschten Ereignissen schlecht berichtet wurden.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz für die meisten Endpunkte als moderat oder niedrig. Drei Endpunkte lieferten Evidenz von sehr niedriger Qualität, da sich die Studienpopulationen und -ergebnisse zwischen den Studien signifikant unterschieden; es gab erhebliche Einschränkungen im Studiendesign und der Berichterstattung; und die Stichprobengrößen waren klein.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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