Vermeidung der Flaschenfütterung während der Stillgewöhnung von Frühgeborenen

Fragestellung: Beeinträchtigt bei Frühgeborenen, deren Mütter stillen möchten, die Verwendung von Säuglingsflaschen den Stillerfolg?

Hintergrund:
Frühgeborene Säuglinge erhalten ihre Milchmahlzeiten zunächst über eine Sonde; wenn sie reifer werden, kann allmählich auf Saugmahlzeiten umgestellt werden. Die Anzahl der Saugmahlzeiten pro Tag wird mit zunehmender Reifung des Kindes nach und nach erhöht. Frauen, die ihr Frühgeborenes gern stillen möchten, können unter Umständen nicht jedes Mal anwesend sein, wenn das Kind eine Saugmahlzeit braucht. Üblicherweise werden in diesem Fall Säuglingsflaschen mit Muttermilch oder Flaschennahrung verwendet. Es wurde behauptet, dass Säuglingsflaschen den Stillerfolg beeinträchtigen könnten.

Studienmerkmale:
In der Literatur fanden wir bis Juli 2016 sieben einschlussfähige Studien mit 1152 Frühgeborenen. Diese Studien waren von geringer bis mittlerer Größe und bei den meisten bestanden Probleme mit Studienaufbau oder -durchführung.

Hauptergebnisse:
In fünf der Studien (darunter zwei der größten Studien) wurden die Kinder aus Bechern gefüttert, in einer über eine Sonde. In einer Studie wurde ein spezieller Sauger verwendet, mit dem die Flaschenfütterung stärker dem Stillen nachempfunden sein sollte als mit herkömmlichen Saugern. Die meisten Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, nur zwei in Ländern mit mittlerem Einkommen und keine in Ländern mit niedrigem Einkommen. Insgesamt kamen die Studien zu folgendem Ergebnis: Wenn keine Säuglingsflaschen (mit herkömmlichem Sauger) gegeben wurden, bestand für die Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit, später voll gestillt zu werden oder bei der Entlassung und drei bzw. sechs Monate danach wenigstens einige Stillmahlzeiten pro Tag zu bekommen. Die Studie mit dem speziellen Sauger zeigte keinen Unterschied bei den Stillergebnissen; nur die ausschließliche Becher- oder Sondenfütterung verbesserte die Stillraten. Wegen der schlechten Qualität der Studie, in der ausschließlich mit der Sonde gefüttert wurde, können wir eine Sondenfütterung jedoch nicht empfehlen, bis es weitere hochwertige Studien gibt. Wir fanden keine Evidenz für einen Nutzen oder Schaden im Hinblick auf einen der Endpunkte, über die berichtet wurde, einschließlich Dauer des Krankenhausaufenthalts und Gewichtszunahme.

Schlussfolgerungen: Die Verwendung eines Bechers anstelle einer Säuglingsflasche erhöht Umfang und Dauer des Stillens bei frühgeborenen Säuglingen. Es sind zusätzliche Studien erforderlich, bevor die ausschließliche Sondenfütterung empfohlen werden kann.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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