Mikrowellen-Thermotherapie ist eine wirksame Behandlung um Beschwerden beim Wasserlassen und Harnfluss-Probleme, die durch eine vergrößerte Prostata entstehen, zu lindern.

Die benigne (gutartige) Prostatahyperplasie, sprich eine Vergrößerung der Prostata, (BPH) kann zu beschwerlichen Symptomen beim Wasserlassen führen, besonders bei älteren Männern. Transurethrale (durch die Harnröhre) Resektion (Entfernung eines Organs oder Gewebeabschnitts) der Prostata (TURP) wird als massgebliche Behandlung für BPH erachtet. Jedoch ist TURP mit Komplikationen verbunden. Aufgrund dessen wurden weniger invasive Verfahren entwickelt. Darunter zu zählen ist die Mikrowellen-Thermotherapie, bei der Energie (Wärme) angewandt wird um vergrößertes Prostatagewebe zu verkleinern. Wir konnten feststellen, dass Mikrowellen-Thermotherapie eine relativ sichere und wirksame Behandlungsmöglichkeit darstellt. Mikrowellen-Thermotherapie kann als ambulantes Verfahren durchgeführt werden und hat geringere und weniger akute Nebenwirkungen als TURP. Jedoch bringt TURP grössere Verbesserungen der Harnsymptome und des Urinflusses mit sich und weniger Männer benötigten eine erneute Behandlung. Weitere Studien sind von Nöten um die langfristigen Ergebnisse von Mikrowellen-Thermotherapie zu bestimmen und um die effektivsten Mikrowellen-Thermotherapie-Geräte und Energieeinstellungen zu identifizieren.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Mikrowellen-Thermotherapie-Techniken sind wirksame Alternativen zur TURP und Alpha-Blockern für die Behandlung der symptomatischen BPH bei Männern mit einem Prostatavolumen von 30 bis 100 ml und ohne Harnverhalt oder Operationen an der Prostata in der Vorgeschichte. Dennoch erzielte die TURP größere Verbesserungen bei Symptomscore und Harnfluss und verminderte die Notwendigkeit weiterer BPH-Behandlungen im Vergleich zu TUMT. Kleine Patientenzahlen und Unterschiede im Studiendesign schränken Vergleiche zwischen Apparaturen mit unterschiedlichen Ausführungen und Energieleveln ein. Die Auswirkungen auf Symptomdauer, Patientenmerkmale oder Prostatavolumen sind unbekannt.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) ist der Goldstandard zur Linderung von Miktionsbeschwerden und zur Verbesserung des Harnflusses bei Männern mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie (BPH). Allerdings beträgt die Morbiditätsrate der TURP bis zu 20% und es wurden weniger invasive Techniken zur Behandlung der BPH entwickelt. Vorläufige Daten lassen vermuten, dass die Mikrowellen-Thermotherapie (TUMT) eine sichere und wirksame Methode zur Behandlung der BPH darstellt. Dabei wird Mikrowellenenergie in das Prostatagewebe eingebracht, um eine Koagulationsnekrose zu erzeugen.

Zielsetzungen: 

Ziel des Reviews ist die Beurteilung der therapeutischen Wirksamkeit und der Sicherheit von Techniken der Mikrowellenthermotherapie für die Behandlung von Männern mit symptomatischer benigner Prostataobstruktion.

Suchstrategie: 

Es wurden randomisierte kontrollierte Studien aus der Cochrane Library, MEDLINE und EMBASE sowie aus Referenzlisten von abgerufenen Artikeln, Reviews und technischen Berichten identifiziert. Weiterhin wurden relevante Experten und Herstellern kontaktiert.

Auswahlkriterien: 

Alle randomisierten kontrollierten Studien, welche die transurethrale Mikrowellen-Thermotherapie (TUMT) für Männer mit symptomatischer BPH untersuchen, wurden eingeschlossen. Als Vergleichsgruppe wurde die transurethrale Resektion der Prostata, minimal-invasive Prostatektomie- bzw. Resektions-/Enukleations-Techniken, Schein-Thermotherapie und medikamentöse Therapien berücksichtigt. Endpunkte waren die Miktionssymptome, die Miktionsfunktion, das Prostatavolumen, die Mortalität und Morbidität sowie die Wiederbehandlungsraten. Zwei Autoren identifizierten unabhängig voneinander mögliche relevante Abstracts und prüften dann die Einschlussfähigkeit der Volltexte.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Autoren extrahierten unabhängig voneinander das Studiendesign, die Baseline- Parameter sowie Daten zu den Endpunkten und bestimmten die methodische Qualität der Studien. Wir versuchten, fehlende Daten von Autoren und/oder Sponsoren zu erhalten.

Hauptergebnisse: 

In dieser Aktualisierung identifizierten wir keine neuen randomisierten Studien zu TUMT mit verwertbaren Daten zur Wirksamkeit. Fünfzehn Studien mit 1.585 Patienten entsprachen den Einschlusskriterien, davon waren sechs Vergleiche zwischen Mikrowellen-Thermotherapie und TURP, acht Vergleiche zwischen Schein-Thermotherapie und ein Vergleich mit einem Alpha-Blocker. Die Studiendauer betrug zwischen 3 und 60 Monate. Das mittlere Alter der Patienten betrug 66,8 Jahre. Die Symptomscores und Harnflussmessungen waren zu Beginn in den Gruppen gleich und zeigten moderat ausgeprägte Harntraktsymptome. Die gepoolten mittleren Symptomscores zu Miktion sanken um 65 % bei TUMT und um 77 % bei der TURP. Die gewichtete Mittelwertdifferenz mit 95 % Konfidenzintervall für den Internationalen Prostata-Symptom Score (IPSS) betrug -1,00 (95 % KI -2,03 bis -0,03) zugunsten der TURP. Der gepoolte mittlere maximale Harnfluss steigerte sich mit TUMT um 70 % und bei der TURP um 119 %. Die gewichtete Mittelwertdifferenz für den maximalen Harnfluss betrug 5,08 ml/s (95 % KI 3,88 bis 6,28 ml/s) zugunsten der TURP. Verglichen mit TURP zeigte sich für TUMT ein niedrigeres Risiko für retrograde Ejakulation, Nachbehandlung aufgrund von Strikturen, Hämaturie, Bluttransfusionen und TUR-Syndrom, aber ein höheres Risiko für Dysurie, Harnverhalt und Wiederbehandlung aufgrund von BPH-Symptomen. Die Mikrowellen-Thermotherapie verbesserte den IPSS (gewichtete Mittelwertdifferenz -5,15, 95 % KI -4,26 bis - 6.04) und maximalen Harnfluss (gewichtete Mittelwertdifferenz2,01 ml/s, 95 % KI 0,85 bis 3,16), verglichen mit Scheinbehandlungen. Auch in einem Vergleich mit der Alpha-Blocker-Therapie verbesserte die Mikrowellen-Thermotherapie IPSS (gewichtete Mittelwertdifferenz-4,20, 95% KI -3,15 bis -5,25) und maximalen Harnfluss (gewichtete Mittelwertdifferenz2,30 ml/s, 95 % KI 1,47 bis 3,13). Keine Studien untersuchten die Auswirkungen der Behandlung auf Symptomdauer, Patientenmerkmale, PSA-Level (prostataspezifisches Antigen) und Prostatavolumen.

Übersetzung: 

S. Schmidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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