Kompressionsstrümpfe zur Vorbeugung tiefer Venenthrombosen (TVT) bei Flugpassagieren

Hintergrund

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Frage zugenommen, ob Kompressionsstrümpfe (oder "Reisestrümpfe") das Risiko einer tiefen Venenthrombose (TVT; Blutgerinnsel in den Beinen) und anderer Durchblutungsstörungen bei Flugpassagieren verringern. Die Strümpfe werden den gesamten Flug über getragen und ähneln solchen Strümpfen, wie sie Patienten tragen, die nach einer Operation noch bettlägerig sind und von denen bekannt ist, dass sie sich als wirksam erwiesen haben. Durch sanften Druck, insbesondere auf die Knöchel, fördern Kompressionsstrümpfe den Blutfluss. Dieser Druck in Kombination mit Bewegung der Beine unterstützt den Rückfluss des Bluts von den Oberflächenvenen in die tiefen Venen und zurück zum Herzen. Es ist dann weniger wahrscheinlich, dass das Blut in den tiefen Venen gerinnt, was tödlich sein könnte, wenn solch ein Gerinnsel in die Lunge gelangt.

Studienmerkmale und Hauptergebnisse

In diesen Review wurden 12 Studien (2918 Teilnehmende) eingeschlossen. Wir konnten die Daten von neun Studien mit insgesamt 2637 Teilnehmenden zusammenfassen (Stand April 2020). Knapp die Hälfte der Teilnehmenden wurde zufällig der Gruppe zugeteilt, die während eines mindestens fünfstündigen Fluges Kompressionsstrümpfe trug, während die andere Hälfte keine Strümpfe trug.

Keiner der Passagiere entwickelte eine TVT mit Symptomen (sich langsam entwickelnde Beinschmerzen, Schwellungen und erhöhte Temperatur), und es wurden keine schwerwiegenden Ereignisse (Blutgerinnsel in der Lunge, d.h. Lungenembolie, oder Tod) berichtet. Die Passagiere wurden nach dem Flug sorgfältig untersucht, um jegliche Probleme mit der Blutzirkulation in den Beinen festzustellen, auch wenn sie selbst keine Beschwerden bemerkt hatten. Im Vergleich zu jenen Fluggästen, die keine Kompressionsstrümpfe trugen, bewirkte das Tragen von Kompressionstrümpfen in der anderen Gruppe eine erhebliche Reduktion von symptomlosen TVT. Der Unterschied der symptomlosen TVT zwischen den beiden Gruppen entspricht einer Reduktion des Risikos von ein paar Dutzend Fällen auf zwei bis drei Fälle pro 1.000 Passagiere. Personen, die Strümpfe trugen, hatten weniger Schwellungen in den Beinen (Ödeme) als diejenigen, die keine trugen. Unter den Passagieren, die Kompressionsstrümpfe trugen, entwickelten weniger eine oberflächliche Venenthrombose als diejenigen, die keine Strümpfe trugen. Nicht jede Studie berichtete über mögliche Komplikationen, verursacht durch das Tragen von Strümpfen. In den Studien, die entsprechende Informationen dazu enthielten, berichteten die Wissenschaftler jedoch, dass das Tragen der Strümpfe gut und ohne Probleme vertragen wurde.

Verlässlichkeit der Evidenz

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist hoch, dass Flugpassagiere, die Kompressionsstrümpfe tragen, seltener eine symptomlose TVT entwickeln als Passagiere ohne Kompressionsstrümpfe. Für den Vergleich, dass das Tragen vs. Nicht-Tragen von Kompressionsstrümpfen Schwellungen in den Beinen vermindert, liegt Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit vor. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde durch die Art und Weise, wie die Schwellungen gemessen wurden, eingeschränkt. Es gibt Evidenz mit moderater Vertrauenswürdigkeit dafür, dass oberflächliche Venenthrombosen bei Flugpassagieren durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen reduziert werden können. Die Auswirkungen des Tragens von Strümpfen auf die Ergebnismaße Tod, Lungenembolien oder symptomatische TVT kann nicht beurteilt werden, da in den Studien keine derartigen Ereignisse auftraten. Um diese Endpunkte zu untersuchen, wären randomisierte Studien mit sehr großen Teilnehmerzahlen notwendig.

Übersetzung: 

D. Schoberer, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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