Physiotherapie mit positivem Ausatmungsdruck zur Reinigung der Atemwege von Menschen mit Zystischer Fibrose (Mukoviszidose)

Reviewfrage

Wir haben die Evidenz (den wissenschaftlichen Beleg) für die Wirkung einer Physiotherapie mit positivem Ausatmungsdruck (Englisch 'positive expiratory pressure', kurz PEP) zur Reinigung der Atemwege von Menschen mit Zystischer Fibrose (Mukoviszidose) begutachtet.

Hintergrund

Die Zystische Fibrose betrifft ca. einen von 3000 hellhäutigen Menschen und verursacht häufige Infektionen, da die Atemwege durch Schleim blockiert werden. Häufig wird eine Atemphysiotherapie durchgeführt, um dabei zu helfen, den Schleim aus den Lungen zu befördern. Wir wollten herausfinden, ob die Verwendung eines PEP-Gerätes, eine Form von Atemphysiotherapie, für die Beförderung des Schleims aus der Lunge bei Menschen mit Zystischer Fibrose besser oder schlechter ist als andere Formen der Atemphysiotherapie. Ein PEP-Gerät erzeugt einen positiven Druck hinter dem Schleim, um diesen aus der Lunge zu drücken. Dies ist eine Aktualisierung eines zuvor veröffentlichten Reviews.

Recherchedatum

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 2. Dezember 2014.

Studienmerkmale

Der Review umfasst 26 Studien mit 733 Personen mit Zystischer Fibrose im Alter zwischen sechs und 47 Jahren und mit milder bis schwerer Lungenerkrankung. Die Studien verglichen PEP mit anderen Methoden der Atemphysiotherapie; die Behandlungsdauer reichte von einer einzelnen physiotherapeutischen Behandlungseinheit bis zu zwei Jahren Behandlung.

Hauptergebnisse

Insgesamt ist die Wirkung von PEP vergleichbar mit der Wirkung anderer Formen von Atemphysiotherapie wie beispielsweise Posturale (Lagerungs-) Drainage mit Klopfungen, Active Cycle of Breathing Techniques (ACBT, eine Form sekretlösender Atemtechniken), Autogene Drainage, oszillierende (schwingende) PEP-Geräte wie Flutter und Acapella oder oszillierende Geräte für die Anwendung am Brustkorb wie beispielsweise 'Vest' und BiPaP, eine Art PEP-System, das sowohl einen positiven Einatmungs- als auch Ausatmungsdruck erzeugt. Wir fanden keine Unterschiede zwischen PEP und anderen Formen der Atemphysiotherapie in der Lungenfunktion, der Menge des aus den Atemwegen beförderten Schleims oder damit verbundenen Wirkungen auf die Gesundheit von Menschen mit Zystischer Fibrose. Es gab jedoch eine Abnahme der Zahl sich verschlimmernder Atemwegsymptome (Symptomschübe) bei Personen, die PEP anwendeten, verglichen mit anderen Formen von Physiotherapie wie beispielsweise einem vibrierenden PEP-Gerät oder einer vibrierenden Weste. Es gab etwas Evidenz dafür, dass Menschen mit Zystischer Fibrose möglicherweise PEP anderen Formen von Atemphysiotherapie vorziehen. Es gab keine Evidenz für eine schädliche Wirkung von PEP, außer in einer Studie mit Kleinkindern, in der bei Kleinkindern, die entweder mit PEP oder Klopfungen in verschiedenen Stellungen, die die Schwerkraft zur Sekretableitung nutzen, behandelt wurden, ein gastro-ösophagaler Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) auftrat. Dieser war ausgeprägter in der Gruppe, die mit Posturaler Drainage mit Klopfungen behandelt wurde.

In zehn der 26 Studien wurden die Wirkungen von PEP nur während einer einzelnen Behandlung untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien sind sehr begrenzt, da sie keine Angaben zur Zahl von Atemwegsinfektionen machen konnten und die Lungenfunktion sich durch nur eine Behandlung nicht veränderte. Zwei Studien, die beide ein Jahr dauerten, verglichen PEP mit Posturaler Drainage und Klopfungen; in der Studie mit Kindern verbesserte PEP deren Lungenfunktion, während sich in der Erwachsenenstudie die Lungenfunktion sowohl mit PEP als auch Posturaler Drainage und Klopfungen geringfügig abschwächte. Zudem unterschied sich die Methode der Durchführung von PEP in den beiden Altersgruppen.

Wir schließen daraus, dass, auch wenn die Verwendung von PEP (auf der Basis der statistisch zusammengefassten Ergebnisse einiger Studien) einen Vorteil für die Verringerung sich verschlimmernder Symptome zu haben scheint, verschiedene physiotherapeutische Techniken und Geräte zu unterschiedlichen Zeiten und bei unterschiedlichen Personen bei stabiler Lungenfunktion und sich verschlimmernden Atemwegssymptomen mehr oder weniger wirksam sein könnten. Jeder Patient sollte die verschiedenen Methoden der Atemwegsbefreiung mit seinem Behandler besprechen, um die für ihn beste Methode auszuwählen, die er dauerhaft durchführen wird, um die bestmögliche Lebensqualität sowie Langzeitergebnisse zu erreichen.

Qualität der Evidenz

Einige Studien waren von geringer Qualität. Diese Studien heben die Schwierigkeit des Vergleichs von Studien mit Anwendung von PEP verglichen mit anderen Formen der Atemphysiotherapie hervor. Faktoren wie das Alter und der Schweregrad der Lungenerkrankung der Teilnehmer könnte ebenso wie die Methode der Durchführung der jeweiligen Behandlung die Ergebnisse beeinflussen.

Übersetzung: 

C. Braun, T. Bossmann, N. Jahnke; Koordination durch Cochrane Schweiz

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