Welche Evidenz gibt es dafür, dass Care Bundles die Ergebnisse von Patienten mit COVID-19 in der intensivmedizinischen Versorgung verbessern?

Was sind Care Bundles?

Bei Care Bundles (Maßnahmenbündel) handelt es sich um eine Zusammenstellung von Versorgungsmaßnahmen, die im Rahmen der Versorgung von Patienten mit derselben Erkrankung oder in demselben medizinischen Bereich zusammen (als Bündel) angewandt werden. In der Regel umfasst ein Bündel drei bis fünf Maßnahmen. Die Maßnahmen können jeglichen Aspekt der Patientenversorgung umfassen. Ein Bündel könnte beispielsweise Anleitungen zum Einführen von Beatmungsschläuchen, zu den Einstellungen von Beatmungsgeräten und zur Pflege beatmeter Patienten umfassen. Alle Maßnahmen sind „evidenzbasiert“, das bedeutet, dass sie auf Evidenz beruhen, die zeigt, dass sie nützlich sind.

Warum könnten Care Bundles helfen?

Einige Menschen mit COVID-19 können schwer erkranken und eine intensivmedizinische Versorgung benötigen. Sie benötigen dann Unterstützung bei der Atmung und müssen möglicherweise an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Neueste Informationen deuten darauf hin, dass etwa 26 % der Menschen mit COVID-19 weltweit auf eine Intensivstation aufgenommen worden sind und fast ein Drittel dieser Menschen gestorben ist.

Für Personen mit COVID-19 und ähnlichen Erkrankungen (wie z.B. viral bedingten Lungenentzündungen, die ebenfalls zu schweren Atembeschwerden führen) bedeutet die Anwendung von Care Bundles, dass die versorgenden Gesundheitsfachpersonen jede Versorgungsmaßnahme des Bündels jedes Mal durchführen. Die Anwendung der Maßnahmen zusammen, anstatt einzeln, sollte für die Patienten zu besseren Ergebnissen führen. Die Anwendung von Care Bundles sollte auch Unterschiede in der Art und Weise, wie die Versorgung erbracht wird, verringern und kann die Teamarbeit verbessern, die für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung erforderlich ist. Dies führt ebenfalls zu besseren Patientenergebnissen.

Ziel des Reviews

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diesen „Scoping“ Review in Auftrag gegeben, um zu ermitteln, wie viel und welche Art von Evidenz zum Einsatz von Care Bundles für Patienten in der intensivmedizinischen Versorgung, die an COVID-19, dem Akuten Atemnotsyndrom (ARDS) oder einer viral bedingten Lungenentzündung erkrankt sind, verfügbar ist. Wir wollten die verfügbaren Studien identifizieren und beschreiben, was in ihnen untersucht wurde. Wir wollten jedoch nicht ihre Qualität bewerten oder ihre Ergebnisse analysieren, wie wir es normalerweise in einem Standard-Review tun würden. Die WHO wollte diesen Review für die Entwicklung ihrer Leitlinien nutzen. Aus diesem Grund haben wir ihn innerhalb kurzer Zeit erstellt, über einen Zeitraum von drei Wochen vom 26. Oktober bis 18. November 2020.

Wie identifizierten wir die Evidenz und wie arbeiteten wir sie auf?

Wir suchten nach allen Arten von Studien, die über Patienten in der intensivmedizinischen Versorgung berichteten, die schwer an COVID-19, dem ARDS oder einer viral bedingten Lungenentzündung erkrankt waren und bei denen ein Care Bundle angewandt wurde. Die Teilnehmenden an den Studien konnten jeglichen Alters sein. Die Care Bundles konnten jegliche Maßnahmen umfassen, jedoch mussten mindestens drei in einem Bündel enthalten sein. Sie mussten evidenzbasiert sein und jedes Mal auf die gleiche Art und Weise zusammen angewandt werden.

Wir fassten die Studien entsprechend des Krankheitsbildes der Teilnehmenden in Gruppen zusammen: bestätigte oder vermutete COVID-19-Infektion; ARDS; viral bedingte Lungenentzündung; schweres Lungenversagen; und Patienten mit mehreren dieser Erkrankungen.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 21 Studien ein und fanden drei laufende Studien. Die Studien wurden in acht Ländern durchgeführt, am häufigsten in China und den USA, und wurden zwischen 1999 und 2020 veröffentlicht. Insgesamt nahmen über 2.000 Personen an diesen Studien teil. Sieben Studien schlossen Patienten mit COVID-19 ein, sieben Patienten mit ARDS ein, fünf Patienten mit einer viral bedingten Lungenentzündung, eine Patienten mit schwerem Lungenversagen und eine Patienten mit einer Mischung von Erkrankungen ein.

Die Beschreibungen der Care Bundles unterschieden sich voneinander, aber die meisten beinhalteten Versorgungsmaßnahmen, die sich auf die Atemunterstützung, Einstellungen des Beatmungsgeräts oder die Lagerung eines Patienten (z.B. mit dem Gesicht nach unten) für ARDS und COVID-19 bezogen. Die COVID-19-spezifischen Studien konzentrierten sich auch auf die Infektionskontrolle und die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Einige Care Bundles waren spezifisch für bestimmte Körperteile wie die Versorgung der Augen oder der Haut.

Bei einigen der „Evidenzlücken“, die wir ermittelten, handelte es sich um das Fehlen von Care Bundles mit dem Fokus auf der Vorbereitung von Patienten auf das Verlassen der Intensivstation, der Vermeidung von Infektionen durch die intravenöse Verabreichung von Medikamenten (per Tropf) sowie der langfristigen Auswirkungen von COVID-19. Keine der Studien betrachtete die Erfahrungen von Gesundheitsfachpersonen mit der Anwendung der Care Bundles.

Schlussfolgerungen der Autoren

Spezifische Informationen zu Patienten mit COVID-19, die Patienten mit und ohne Care Bundles vergleichen, sind begrenzt. In diesem Bereich ist weitere Forschung notwendig. Außerdem benötigen wir Informationen darüber, wie Care Bundles in der Praxis am besten umgesetzt werden können und welche Schwierigkeiten damit verbunden sein könnten. Ein eigenständiger Review ist erforderlich, der die Qualität der Evidenz, die wir in diesem Review gefunden haben, bewertet sowie die Daten analysiert und zusammenfasst.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

M. Davia, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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