Behandlungsmöglichkeiten für neu diagnostizierte Glioblastome bei älteren Menschen

Worum geht es?
Ein Glioblastom ist ein tödlicher Hirntumor. Die Standardbehandlung bei neu diagnostizierten Glioblastomen ist die weitestmögliche operative Entfernung des Tumors mit anschließender Chemotherapie (einer Behandlung mit einem Krebsmedikament namens Temozolomid (TMZ)) und Strahlentherapie (Radiotherapie, RT). TMZ wird in der Regel gleichzeitig mit der Strahlentherapie (begleitende Chemotherapie) und zudem über ungefähr sechs Monate nach der Strahlentherapie verabreicht (adjuvante Chemotherapie). Beide Behandlungen zusammen werden als Radiochemotherapie (RCT) bezeichnet. Allerdings sind nicht alle Menschen, insbesondere ältere Menschen, in körperlich ausreichender Form für eine RCT, die schwerwiegende Nebenwirkungen haben kann. Für diesen Review begutachteten wir die Evidenz zu verschiedenen Behandlungen, die bei älteren Menschen mit neu diagnostizierten Glioblastomen untersucht worden sind, um herauszufinden, welche Behandlungen möglicherweise helfen.

Wie wir den Review durchführten
Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungen bei älteren Menschen mit neu diagnostizierten Glioblastomen verglichen wurden, und suchten zudem nach Studien zur Kosteneffektivität (dem Verhältnis zwischen dem Nutzen und den Kosten der Behandlung). Wir definierten "ältere Menschen" als 70 Jahre alt und älter, schlossen jedoch auch Daten von Patienten im Alter von 65 Jahren und älter ein, wenn Studien keine Ergebnisse für die Altersgruppe über 70 Jahre lieferten. Für die Bewertung der Studien und die Datenerhebung wandten wir Standard-Cochrane-Methoden an. Wir verglichen die Behandlungen in einer Netzwerk-Metaanalyse (NMA), die es uns ermöglichte, verschiedenen Behandlungsoptionen in eine Rangfolge zu bringen.

Was wir fanden
Wir fanden 12 Studien, in denen verschiedene Optionen untersucht wurden, darunter Strahlentherapie, Chemotherapie, unterstützende (palliative) Versorgung, Kombinationen von Behandlungen, und ein Medizinprodukt, das am Kopf getragen wird und elektrische Wechselfelder (so genannte Tumortherapiefelder) abgibt. Die meisten Personen, die an diesen Studien teilnahmen, hatten keine schwerwiegenden Beeinträchtigungen. In der NMA verglichen wir die Wirkungen von sieben Behandlungen auf das Gesamtüberleben (die Zeitspanne ab Beginn der Studie bzw. Behandlung in der Studie bis zum Tod) der Patienten. Alle in der NMA untersuchten Behandlungen, mit Ausnahme einer, bei der ein Wirkstoff namens Bevacizumab (BEV) mit einer Strahlentherapie kombiniert wurde, führten im Vergleich zu einer alleinigen unterstützenden Versorgung eindeutig zu einer Verlängerung der Überlebenszeit. Die stärkste Evidenz, die wir fanden, zeigte, dass eine RCT zu einer längeren Überlebenszeit führt als eine alleinige Kurzzeit-Strahlentherapie. Schwächere Evidenz deutete jedoch darauf hin, dass eine RCT auch im Vergleich zu einer alleinigen TMZ das Überleben verlängert. Bei der Einordnung aller Behandlungen in eine Rangfolge hinsichtlich ihrer Wirksamkeit in der Verlängerung der Überlebenszeit nahm die RCT einen höheren Rang als die Behandlung mit TMZ, die RT und die rein unterstützende Versorgung ein, wobei letztere den letzten Rang einnahm.

Eine Studie zu Tumortherapiefeldern konnte nicht in die NMA eingeschlossen werden, da sie mit älteren Patienten in körperlich besserer Verfassung durchgeführt wurde, die bereits einen Teil ihrer RCT erhalten hatten. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass eine ergänzende Behandlung mit Tumortherapiefeldern nach der Strahlentherapie das Überleben bei dieser Patientengruppe in besserer körperlicher Verfassung wahrscheinlich verbessert.

Was die Lebensqualität betrifft, deutet die Evidenz darauf hin, dass sich die Wirkung einer Behandlung mit TMZ oder einer alleinigen Strahlentherapie wahrscheinlich nicht sehr voneinander unterscheidet, abgesehen von größeren Beschwerden durch Kommunikationsdefizite durch die Strahlentherapie. Die Evidenz zur Lebensqualität war für andere Behandlungsoptionen schwer zu interpretieren, da sie tendenziell durch hohe Studien-Abbruchraten begrenzt war, da Menschen mit Glioblastomen nicht sehr lange leben und sich möglicherweise nicht danach fühlen, Fragebögen auszufüllen, wenn es ihnen schlecht geht.

Im Hinblick auf andere Endpunkte zeigte Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit, dass eine RCT das Fortschreiten der Erkrankung im Vergleich zu einer alleinigen Strahlentherapie verzögert. Es liegt auch Evidenz dafür vor, dass die Ergänzung einer Kurzzeit-Strahlentherapie durch eine Behandlung mit BEV das Fortschreiten der Erkrankung wahrscheinlich verzögert, das Gesamtüberleben jedoch möglicherweise nicht verbessert. TMZ und BEV sind schädlicher (toxischer) für die Blutzellen als eine Strahlentherapie und gehen mit einem erhöhten Risiko von Blutgerinnseln und Blutgefäßverschlüssen (Thromboembolien) einher.

Schlussfolgerungen
Für ältere Menschen in einigermaßen guter körperlicher Verfassung mit Glioblastomen liegt Evidenz dafür vor, dass eine RCT im Vergleich zu einer alleinigen Strahlentherapie oder einer alleinigen Behandlung mit TMZ das Überleben verlängert, und dass jede dieser drei Behandlungsoptionen das Überleben im Vergleich zu einer alleinigen unterstützenden Versorgung verlängern kann. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, die Blutbestandteile betreffen, treten bei der Behandlung mit den Krebsmedikamenten TMZ und BEV häufiger auf. Es ist keine ausreichende Evidenz für die Behandlung mit BEV verfügbar, die seine Anwendung bei älteren Menschen mit Glioblastomen außerhalb eines Forschungsumfelds unterstützt. Weitere Evidenz ist erforderlich dazu, wie sich verschiedene Behandlungen auf die Lebensqualität und die Gesundheitskosten auswirken. Das Alter allein ist wahrscheinlich nicht der beste entscheidende Faktor für die optimale Behandlung von älteren Menschen mit Glioblastomen.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.