Arbeitspausenpläne zur Vorbeugung von Beschwerden und Störungen des Bewegungsapparates bei gesunden Arbeitnehmern

Die Zahl der Arbeitnehmer, die an arbeitsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden, wird für 2017/2018 in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden auf 21 % bis 28 % aller Krankheitstage im Beruf geschätzt. Diese Zahlen weisen darauf hin, dass arbeitsbedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates sowohl für die Gesellschaft als auch für die Arbeitgeber ein großes Problem darstellen. Interventionen könnten diesem Problem entgegenwirken, zum Beispiel durch Veränderungen am Arbeitsplatz oder an der Arbeitsorganisation. Viele Interventionen wurden untersucht, wie zum Beispiel Schulung in ergonomischen Prinzipien (Arbeitsgestaltung zur Steigerung der Produktivität und des Komforts am Arbeitsplatz), Information und Beratung, Arbeitsplatzanpassung, Anpassung der Arbeitspausenpläne und Jobrotation. Der aktuelle Review konzentrierte sich auf die Auswirkungen verschiedener Arbeitspausenpläne auf Endpunkte im Zusammenhang mit arbeitsbedingten Beschwerden am Bewegungsapparat, da ein systematischer Überblick über diese spezielle Intervention derzeit fehlt. Unterschiedliche Arbeitspausenpläne könnten zu einer Unterbrechung oder Verringerung langer Zeiträume mit sich wiederholenden oder monotonen Arbeitsbelastungen führen. Sie könnten auch zu einer Unterbrechung längerer Zeiträume führen, in denen die Arbeitnehmer statische oder unangenehme Körperhaltungen einnehmen müssen - Faktoren, die als Risikofaktoren für die Entwicklung arbeitsbedingter Erkrankungen des Bewegungsapparates anerkannt sind.

Ziel

Wir wollten herausfinden, ob unterschiedliche Häufigkeit, Dauer und Art der Arbeitspausen arbeitsbedingte Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungsapparates bei gesunden Arbeitnehmern verhindern können. Wir erachteten Arbeitnehmer als gesund, wenn sie bei Studienbeginn frei von Beschwerden seitens des Bewegungsapparates waren.

Studien

Wir wählten mehrere Messungen primärer Endpunkte aus, darunter neu diagnostizierte Erkrankungen des Bewegungsapparates, von Teilnehmern gemeldete muskuloskelettale Symptome wie Schmerzen, Beschwerden und Müdigkeit sowie Produktivität und Arbeitsleistung. Letztgenannte Messung ist nicht direkt für den Arbeitnehmer, sondern für den Arbeitgeber relevant, wenn es darum geht, die Unternehmensleistung aufrechtzuerhalten. Wir wählten Änderungen der Arbeitsbelastung als Messung eines sekundären Endpunkts aus, welche Änderungen der Kraftausgabe, elektromyographische ( Aufzeichnung der elektrischen Aktivität der Muskeln mit Hilfe von Elektroden) Manifestationen von Muskelermüdung oder subjektive Veränderungen der Arbeitsbelastung (NASA-TLX) beinhalten können. Keine der eingeschlossenen Studien berichtete über neu diagnostizierte Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Veränderungen der Arbeitsbelastung.

Wir suchten bis zum 2. Mai 2019 in der Literatur nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), Quasi-RCTs, Cluster-RCTs und Crossover-RCTs zu Arbeitspauseninterventionen, die darauf abzielten, arbeitsbedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates am Arbeitsplatz zu verhindern. Wir analysierten alle relevanten Studien, um die Forschungsfrage zu beantworten und fanden sechs Studien mit 373 Arbeitnehmern, von denen die meisten weiblich waren (≥ 78%), mit einer Nachbeobachtungszeit von zwei bis zehn Wochen.

Hauptergebnisse

Wirkung unterschiedlicher Arbeitspausenfrequenzen

Fünf der sechs Studien beurteilten unterschiedliche Arbeitspausenfrequenzen. Die Einführung zusätzlicher Arbeitspausen (drei Studien) hat möglicherweise keinen Einfluss auf Schmerzen, Beschwerden oder Müdigkeit des Bewegungsapparates im Vergleich zu keinen zusätzlichen Arbeitspausen oder Arbeitspausen bei Bedarf. Zusätzliche Arbeitspausen (drei Studien) könnten sich im Vergleich zu einem herkömmlichen Arbeitspausenplan positiv auf die Produktivität und Arbeitsleistung auswirken. Zusätzliche höherfrequente Arbeitspausen wurden in einer Studie mit zusätzlichen niederfrequenten Arbeitspausen verglichen, was zu keinen Unterschieden bei den von den Teilnehmern gemeldeten Schmerzen, Beschwerden und Müdigkeit des Bewegungsapparats oder bei Produktivität und Arbeitsleistung führte.

Wirkung unterschiedlicher Arbeitspausendauer

Keine der Studien beurteilte die Wirkung der Dauer der Arbeitspausen.

Wirkung unterschiedlicher Arbeitspausentypen

Zwei der sechs Studien beurteilten unterschiedliche Arbeitspausentypen. Aktive Arbeitspausen (eine Studie) könnten die Häufigkeit der von Teilnehmern berichteten Schmerzen, Beschwerden und Müdigkeit des Bewegungsapparat, sowie die Produktivität und Arbeitsleistung der Teilnehmer weder verringern noch erhöhen. Ebenso wurden unterschiedliche aktive Arbeitspausen miteinander verglichen (eine Studie), beispielsweise Entspannung und körperlich aktive Arbeitspausen, bei denen sich keine Unterschiede bezüglich der von den Teilnehmern gemeldeten Schmerzen, Beschwerden und Müdigkeit des Bewegungsapparat oder bei Produktivität und Arbeitsleistung zeigte.

Schlussfolgerungen

Gegenwärtig kommen wir zum Schluss, dass es Evidenz von sehr niedriger bis niedriger Qualität dafür gibt, dass verschiedene Arbeitspausenfrequenzen und -typen die Häufigkeit von Erkrankungen des Bewegungsapparates nicht wesentlich reduzieren könnten. Obwohl die Ergebnisse darauf hindeuten, dass sich unterschiedliche Arbeitspausenfrequenzen positiv auf die Produktivität und Arbeitsleistung auswirken könnten, sind Studien von hoher Qualität mit einem genügend großen Stichprobenumfang erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Arbeitspausenmaßnahmen zu beurteilen. Darüber hinaus sollten Arbeitspauseninterventionen dahingehend überdacht werden, andere Arbeitnehmergruppen als Büroangestellte zu berücksichtigen und der Möglichkeit, Interventionen bezüglich Arbeitspausen mit anderen Interventionen wie ergonomischem Training oder Beratung zu kombinieren, die Erkrankungen des Bewegungsapparates möglicherweise vorbeugen können.

Übersetzung: 

L. Konrad, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information
Share/Save

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.