Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensinterventionen zur Behandlung von übergewichtigen oder fettleibigen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren

Fragestellung

Wie effektiv sind Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensinterventionen zur Gewichtsreduktion von übergewichtigen oder fettleibigen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren?

Hintergrund

Auf der ganzen Welt werden immer mehr Jugendliche übergewichtig und fettleibig. Diese Jugendlichen werden im späteren Leben eher unter gesundheitlichen Problemen leiden. Es sind weitere Informationen darüber notwendig, was bei der Behandlung dieses Problems am besten funktioniert.

Studienmerkmale

Wir fanden 44 randomisierte kontrollierte Studien (klinische Studien, in denen Menschen nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei oder mehr Behandlungsgruppen eingeteilt werden), in denen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensinterventionen (wobei Gewohnheiten geändert oder verbessert werden) mit einer Vielzahl von Kontrollgruppen verglichen wurden. Diese wurden mit 4781 übergewichtigen oder fettleibigen Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren durchgeführt. Unser systematischer Review berichtet über die Auswirkungen multidisziplinärer Interventionen, Ernährungs- und Bewegungsinterventionen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (keine Intervention, "Standardbehandlung", "verstärkte Standardbehandlung" oder eine andere Therapie, wenn diese auch bei der Interventionsgruppe durchgeführt wurde). Die Jugendlichen in den eingeschlossenen Studien wurden zwischen sechs Monaten und zwei Jahren nachbeobachtet (sog. Follow-up).

Hauptergebnisse

Das Durchschnittsalter der Jugendlichen lag zwischen 12 und 17,5 Jahren. Die meisten Studien machten Angaben zum Body Mass Index (BMI). Der BMI ist ein Maß für das Körperfett und wird berechnet, indem das Gewicht (in Kilogramm) durch das Quadrat der Körpergröße in Metern (kg/m2) geteilt wird. Wir haben die Ergebnisse für BMI aus 28 Studien mit 2774 Jugendlichen zusammengefasst: Dieser war in den Interventionsgruppen im Vergleich zu den Kontrollgruppen durchschnittlich um 1,18 kg/m2 niedriger. Wir haben die Ergebnisse für das Gewicht aus 20 Studien mit 1993 Jugendlichen zusammengefasst. Dieses war in den Interventionsgruppen im Vergleich zu den Kontrollgruppen durchschnittlich 3,67 kg niedriger. Die Senkung des BMI konnte auch nach 18 bis 24 Monaten Follow-up (Begleitung der Teilnehmenden bis zum Studienende) aufrechterhalten werden. In der Interventionsgruppen sank der BMI, dieser war durchschnittlich 1,49 kg/m2 niedriger als in den Kontrollgruppen. Die Interventionen haben die gesundheitsbezogene Lebensqualität (ein Maß für die Zufriedenheit einer Person mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit) leicht verbessert, aber wir haben keine eindeutige Evidenz für einen Vor- oder Nachteil dieser Interventionen zur Verbesserung des Selbstwertgefühls, der körperlichen Aktivität und der Nahrungsaufnahme gefunden. Keine Studie berichtete über Todesfälle aufgrund irgendeiner Ursache, Morbidität (Krankheiten) oder sozioökonomische Auswirkungen (z.B. Fehltage in der Schule). Drei Studien berichteten über keine Nebenwirkungen, eine berichtete über keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, eine gab keine Details über Nebenwirkungen an und der Rest der Studien berichtete nicht darüber, ob Nebenwirkungen aufgetreten sind oder nicht.

Wir haben 50 laufende Studien gefunden, die wir in zukünftige Aktualisierungen unseres Reviews aufnehmen werden.

Aktualität der Evidenz

Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2016.

Qualität der Evidenz

Die Gesamtqualität der Evidenz wurde für die meisten der gemessenen Endpunkte (Ergebnisse) als niedrig eingestuft, hauptsächlich aufgrund des begrenzten Vertrauens in die Durchführung der Studien, der widersprüchlichen Ergebnisse zwischen den Studien und aufgrund der Tatsache, dass einige der gewählten Endpunkte keine direkten Ergebnisse zu Fettleibigkeit lieferten. Außerdem gab es zu manchen Endpunkten nur wenige Studien, mit einer geringen Anzahl von eingeschlossenen Jugendlichen.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben für Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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