Antibiotische Präparate zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen nach einer Blasenspiegelung.

Fragestellung

Wir haben die Evidenz zu den Vor- und Nachteilen der Verwendung von Antibiotika bei Zystoskopie (eine Untersuchung der Innenauskleidung der Blase) zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen überprüft.

Hintergrund

Eine Zystoskopie kann Harnwegsinfektionen verursachen. Das kann lästige Symptome auslösen, wie z. B. Brennen beim Wasserlassen aufgrund einer, auf die Blase beschränkten, Infektion oder Fieber und Schüttelfrost durch eine ernstere Infektion, die sich auf den Blutkreislauf ausweitet, oder eine Kombination von Brennen, Fieber und Schüttelfrost. Antibiotika können möglicherweise Infektionen vorbeugen und diese Symptome lindern, aber auch unerwünschte Wirkungen verursachen. Ob Menschen vor diesem Eingriff (präventiv) Antibiotika erhalten sollten, ist ungewiss.

Studienmerkmale

Wir fanden 22 Studien mit 7711 Teilnehmern. Diese Studien wurden im Zeitraum von 1971 bis 2017 veröffentlicht. In diesen Studien wurde per Zufall entschieden, wer ein Antibiotikum oder ein Placebo/ keine Behandlung erhielt. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 4. Februar 2019.

Hauptergebnisse

Wurden Antibiotika vor einer Zystoskopie gegeben, um Harnwegsinfektionen vorzubeugen, nahm dies möglichweise wenig oder keinen Einfluss auf das Risiko, eine schwerwiegende Infektion zu entwickeln, die in den Blutkreislauf gelangt ist.

Das Risiko für Infektionen könnte sich dadurch vermindert haben, wenn sowohl schwere Infektionen, die in den Blutkreislauf gelangt sind als auch auf die Blase beschränkte Infektionen, zusammen betrachtet wurden.

Keiner der eingeschlossen Studienteilnehmer erlitt schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Wir kamen daher zu dem Schluss, dass zur Prävention von Harnwegsinfektionen verabreichte Antibiotika möglicherweise keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auslösen, wir sind uns bei diesem Ergebnis jedoch sehr unsicher.

Möglicherweise wirkt sich die Verabreichung von Antibiotika wenig oder gar nicht auf geringfügig unerwünschte Ereignisse aus. Sie könnten auch wenig oder keine Auswirkung auf Infektionen, die sich nur auf die Blase beschränken, haben. Allerdings sind wir uns bei diesem Ergebnis sehr unsicher. Für Personen, die mit Antibiotika behandelt wurden ist die Wahrscheinlichkeit möglicherweise größer, Bakterien zu haben, die widerstandfähiger gegen Antibiotika sind. Bei diesem Ergebnis sind wir uns jedoch sehr unsicher.

Qualität der Evidenz

Wir stuften die Qualität der Evidenz als niedrig oder sehr niedrig ein, was bedeutet, dass unser Vertrauen in die Ergebnisse begrenzt oder sehr begrenzt ist. Die wirkliche Auswirkung von Antibiotika auf Harnwegsinfektionen vor einer Zystoskopie könnte sich deutlich von den in diesem Review gefundenen Ergebnissen unterscheiden.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Eine Antibiotika-Prophylaxe könnte das Risiko einer symptomatischen Harnwegsinfektion, nicht aber einer systemischen Harnwegsinfektion verringern. Schwerwiegende und geringfügige unerwünschte Ereignisse könnten nicht mit Antibiotika-Prophylaxe verringert werden. Die Ergebnisse bezüglich aller untersuchten Endpunkte basieren auf Evidenz von niedriger und sehr niedriger Qualität.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Die Zystoskopie wird häufig zu diagnostischen Zwecken durchgeführt, um die Innenauskleidung der Harnblase zu untersuchen. Ein Nachteil der Zystoskopie ist das Risiko der Entstehung einer symptomatischen Harnwegsinfektion (urinary tract infection, UTI) aufgrund einer bereits bestehenden Kolonisation oder durch das Einbringen von Bakterien zum Zeitpunkt des Eingriffs. Die Inzidenz symptomatischer Harnwegsinfektionen nach einer Zystoskopie ist jedoch niedrig. Derzeit gibt es keinen Konsens darüber, ob antimikrobielle Wirkstoffe zur Vorbeugung symptomatischer Harnwegsinfektionen bei der Zystoskopie eingesetzt werden sollten.

Zielsetzungen: 

Ziel des Reviews ist die Untersuchung der Wirksamkeit antimikrobieller Wirkstoffe im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen, die sich einer Zystoskopie unterziehen.

Suchstrategie: 

Wir durchsuchten die elektronischen Datenbanken der Cochrane Library, PubMed, Embase, LILACS und CINAHL. Zusätzlich durchsuchten wir WHO ICTRP und ClinicalTrials.gov nach laufenden Studien. Bei der elektronischen Suche verwendeten wir keine Sprach- oder Datumsbeschränkungen. Wir durchsuchten die Referenzlisten identifizierter Artikel und kontaktierten die Autoren bezüglich zusätzlicher Informationen. Die letzte Suche in elektronischen Datenbanken erfolgte am 4. Februar 2019.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) oder Quasi-RCTs ein, die jegliches prophylaktische Antibiotikum mit Placebo, keiner Behandlung oder anderer nicht-antibiotischer Prophylaxe bei Erwachsenen, die sich einer Zystoskopie unterziehen, verglichen. Es gab keine Beschränkung hinsichtlich der Dosis, Häufigkeit, Formulierung, Dauer oder Art der Antibiotika-Verabreichung.

Datensammlung und -analyse: 

Wir verwendeten das standardisierte methodische Verfahren der Cochrane Collboration zur Review-Erstellung. Unsere primären Endpunkte waren systemische Harnwegsinfektionen, symptomatische Harnwegsinfektionen (Kombination aus systemischer und/oder lokalisierter Harnwegsinfektion) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Sekundäre Endpunkte waren geringfügige unerwünschte Ereignisse, lokalisierte Harnwegsinfektionen, asymptomatische Bakteriurie und bakterielle Resistenz. Wir bewerteten die Qualität der Evidenz mit GRADE.

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen 20 RCTs und zwei Quasi-RCTs mit insgesamt 7711 Teilnehmern ein, die alle die Antibiotika-Prophylaxe mit Placebo oder keiner Behandlung verglichen. Wir haben keine Studien gefunden, die die Antibiotika-Prophylaxe mit einer nicht-antibiotischen Prophylaxe verglichen.

Primäre Endpunkte

Systemische Harnwegsinfektionen: Die Antibiotika-Prophylaxe könnte im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung wenig oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko einer systemischen Harnwegsinfektion haben (relatives Risiko (RR) 1,12, 95%-Konfidenzintervall (KI) 0,38 bis 3,32; 5 RCTs; 504 Teilnehmer; niedrige Qualität der Evidenz); dies entspricht zwei weiteren Personen (95%-KI 12 weniger bis 46 mehr) pro 1000 Menschen, die eine systemische Harnwegsinfektion entwickeln. Wir stuften die Qualität der Evidenz wegen Studienlimitationen und unzureichender Präzision herab.

Symptomatische Harnwegsinfektionen: Antibiotika-Prophylaxe könnte das Risiko einer symptomatischen Harnwegsinfektion reduzieren (RR 0,49, 95%-KI 0,28 bis 0,86; 11 RCTs; 5441 Teilnehmer; niedrige Qualität der Evidenz); dies entspricht 30 Personen weniger (95%-KI 42 weniger bis 8 weniger) pro 1000 Personen, die eine symptomatische Harnwegsinfektion entwickeln, wenn sie mit einer Antibiotika-Prophylaxe versorgt werden. Wir stuften die Qualität der Evidenz wegen Studienlimitationen und möglichem Publikationsbias herab.

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse: Die Studien berichteten weder in der Interventionsgruppe noch in der Kontrollgruppe über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und es konnte keine Effektgröße berechnet werden. Die Antibiotika-Prophylaxe könnte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse nur wenig oder gar nicht beeinflussen (4 RCTs, 630 Teilnehmer; sehr niedrige Qualität der Evidenz), wir sind jedoch sehr unsicher bezügliche dieses Ergebnisses. Wir stuften die Qualität der Evidenz wegen Studienlimitationen und sehr schwerwiegender unzureichender Präzision herab.

Sekundäre Endpunkte

Geringfügige unerwünschte Ereignisse: Prophylaktische Antibiotika könnten im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung eine geringe oder keine Auswirkung auf geringfügige unerwünschte Ereignisse haben (RR 2,82, 95%-KI 0,54 bis 14,80; 4 RCTs; 630 Teilnehmer; niedrige Qualität der Evidenz). Wir stuften die Qualität der Evidenz wegen Studienlimitationen und unzureichender Präzision herab.

Lokalisierte Harnwegsinfektionen: Prophylaktische Antibiotika haben möglicherweise einen geringen oder keinen Einfluss auf das Risiko von lokalisierten Harnwegsinfektionen (RR 1,0, 95%-KI 0,06 bis 15,77; 1 RCT; 200 Teilnehmer; sehr niedrige Qualität der Evidenz); wir sind bezüglich dieses Ergebnisses jedoch sehr unsicher. Wir stuften die Qualität der Evidenz wegen Studienlimitationen und sehr schwerwiegender unzureichender Präzision herab.

Bakterielle Resistenz: Prophylaktische Antibiotika könnten die bakterielle Resistenz erhöhen (RR 1,73, 95%-KI 1,04 bis 2,87; 38 Teilnehmer; 2 RCTs; sehr niedrige Qualität der Evidenz), wir sind bezüglich dieses Ergebnisses jedoch sehr unsicher. Wir stuften die Qualität der Evidenz wegen Studienlimitationen, Indirektheit und unzureichender Präzision herab.

Wir konnten nur wenige Sekundäranalysen durchführen, diese ließen keine Subgruppeneffekte vermuten.

Übersetzung: 

PLS: S. Schneider, Abstract: J. Kranz, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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