Computergestütztes kognitives Training zur Vorbeugung von Demenz bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung

Hintergrund

Die Begriffe „Kognition“ und "kognitive Funktion“ beschreiben alle mentalen Aktivitäten, die mit dem Denken, Lernen, Erinnern und Kommunizieren zusammenhängen. Es gibt altersbedingt normale Veränderungen in der Kognition. Es gibt aber auch Krankheiten, die sich auf die Kognition auswirken. Dies gilt vor allem für Demenz. Bei dieser Krankheit ist die Kognition so stark beeinträchtigt, dass die Fähigkeit einer Person, Alltagsaktivitäten durchzuführen, davon betroffen ist. Häufiger noch als Demenz ist ein Zustand, der oft als leichte kognitive Störung (mild cognitive impairment, MCI) bezeichnet wird. Dabei können leichte Einschränkungen der Kognition über das altersbedingt zu erwartende Ausmaß hinaus im Rahmen von Testungen entdeckt werden. Die Funktionsfähigkeit im Alltag ist hier aber weitestgehend unbeeinflusst. Bei einigen Menschen ist MCI ein Stadium auf dem Weg zur Entwicklung einer Demenz. Es gibt ein großes Interesse an allem, was möglicherweise dem weiteren Abbau der Kognition bei Menschen mit MCI vorbeugen kann. Computergestütztes kognitives Training (computerised cognitive training, CCT) ist eine Methode, die dazu vorgeschlagen wird. Kognitives Training umfasst eine Reihe von standardisierten Aufgaben, die dazu gedacht sind, das Gehirn auf verschiedene Arten zu "trainieren". Kognitive Trainingsübungen werden heutzutage häufig per Computer oder mittels mobiler Technologien durchgeführt, sodass die Betroffenen sie zu Hause selbstständig durchführen können. Die Review-Autoren wollten herausfinden, ob CCT eine wirksame Methode für Menschen mit MCI ist, um ihre kognitiven Funktionen zu erhalten und ihr Risiko, eine Demenz zu entwickeln, verringert wird.

Vorgehensweise der Review-Autoren

Die Review-Autoren suchten in der medizinischen Literatur nach Studien bis einschließlich 15. März 2018, in denen eine Gruppe Menschen mit MCI für mindestens 12 Wochen an CCT teilgenommen hatten und mit einer anderen Gruppe verglichen wurde, die keinerlei CCT erhalten hatten. Diese „Kontrollgruppe" konnte stattdessen an alternativen Aktivitäten teilgenommen haben oder die Gruppenmitglieder konnten auch gar keine Intervention erhalten haben. Für einen möglichst fairen Vergleich sollte die Zuteilung, ob Personen der CCT- oder der Kontrollgruppe angehören, zufällig erfolgen. Die Review-Autoren waren in erster Linie daran interessiert, ob die Studienteilnehmer eine Demenz entwickelten und an ihrer generellen kognitiven Funktion. Sie suchten aber auch nach Evidenz für bestimmte kognitive Fähigkeiten, alltägliche Aktivitäten, Lebensqualität, Stimmung oder geistiges Wohlbefinden und jegliche schädliche Auswirkungen.

Was die Review-Autoren herausgefunden haben

Sie fanden acht Studien mit 660 Teilnehmern, die in den Review eingeschlossen wurden. Sieben dieser Studien (623 Teilnehmer) verglichen CCT mit einer alternativen Aktivität. Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte die Entwicklung einer Demenz. Dieser Review liefert also keine Evidenz dafür, ob die Teilnahme an CCT hilft, Demenz vorzubeugen. Die Haupterkenntnis in Bezug auf alle anderen Endpunkte, an denen die Review-Autoren interessiert waren, war, dass die Qualität der Evidenz insgesamt sehr niedrig war. Diese sehr niedrige Qualität war hauptsächlich auf kleine Fallzahlen, Problemen mit der Studienmethodik und Unterschieden zwischen den Studien zurückzuführen. Daher sind die Review-Autoren, obwohl sie etwas Evidenz für einen geringen Nutzen von CCT in Bezug auf die Kognition fanden, äußerst unsicher bezüglich der Studienergebnisse und halten es für möglich, dass künftige Forschung zu anderen Ergebnissen führen könnte.

Schlussfolgerungen der Autoren

Leider ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, die Fragestellung des Reviews mit einer gewissen Verlässlichkeit zu beantworten. Aus der Sicht der Review-Autoren wird dies ein wichtiger Bereich für weitere Studien bleiben. Sie wünschen sich größere Studien, die die Wirkungen von CCT besser nachweisen könnten. Die Studien sollten über einen längeren Zeitraum andauern, um zu zeigen, ob es überhaupt einen Nutzen gibt, ob dieser Nutzen langanhaltend ist und ob es eine Möglichkeit gibt, der Entwicklung einer Demenz vorzubeugen oder diese zu verzögern.

Übersetzung: 

B. Hucke, C. Meiling, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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