Organisation von Gesundheitsdienstleistungen zur Prävention und Therapie von Druckgeschwüren

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die Evidenz für den Einfluss der Organisation von Gesundheitsdienstleistungen zur Prävention und Behandlung von Druckgeschwüren bleibt unklar. Insgesamt ergaben die GRADE-Bewertungen der Evidenz das Urteil einer sehr niedrigen Vertrauenswürdigkeit. Die Studien zeigten ein hohes Risiko für Bias, und die Ergebnismessungen waren aufgrund breiter Konfidenzintervalle und kleiner Stichprobengrößen unpräzise, was bedeutet, dass weitere Forschung erforderlich ist, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Die in den Studien berichteten sekundären Endpunkte variierten zwischen den Studien, und einige wurden nicht berichtet. Wir stuften die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz der sekundären Endpunkte, die berichtet wurden (einschließlich unerwünschter Ereignisse), als sehr niedrig ein.

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Hintergrund: 

Druckgeschwüre (Dekubitus), lokale Verletzungen der Haut oder des darunter liegenden Gewebes, oder von beidem, treten auf, wenn Menschen nicht in der Lage sind, ihre Körperposition zu verändern, um Druck auf Knochenvorsprünge zu verringern. Druckgeschwüre heilen häufig schwer, sind schmerzhaft und teuer in der Behandlung und haben einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität. Während die individuelle Patientensicherheit und die Qualität der Pflege größtenteils aus der direkten Interaktion zwischen Gesundheitsfachpersonen und Patienten resultieren, kann jeder Kontakt zwischen Gesundheitsfachpersonen und Patienten bei der Wundpflege durch die Organisation der Dienstleistungen innerhalb des Gesundheitswesens eingeschränkt oder gestärkt werden. Es besteht ein Bedarf an Forschung, um die Wirksamkeit verschiedener dienstleistungsorientierter Ansätze zur Prävention und Behandlung von Druckgeschwüren zweifelsfrei aufzuzeigen.

Zielsetzungen: 

Das Ziel dieses Reviews war es, die Wirkungen unterschiedlicher, auf die Organisation von Gesundheitsdienstleistungen ausgerichteter Interventionen, auf die Prävention und Behandlung von Druckgeschwüren zu bewerten.

Suchstrategie: 

Für diese erste Aktualisierung des Reviews durchsuchten wir im April 2018 das Cochrane Wounds Specialised Register, das Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), Ovid MEDLINE (einschließlich In-Process & Other Non-Indexed Citations), Ovid Embase und EBSCO CINAHL Plus. Wir durchsuchten außerdem drei Register für laufende und unveröffentlichte klinische Studien und prüften die Literaturlisten von relevanten eingeschlossenen Studien, Reviews, Meta-Analysen und Health Technology Assessments zur Identifizierung weiterer Studien. Es gab keine Einschränkungen hinsichtlich der Sprache, des Publikationsdatums oder des Settings der Studien.

Auswahlkriterien: 

Der Einschluss in den Review umfasste randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), Cluster-RCTs, nicht-kontrollierte Interventionsstudien (non-RCTs), kontrollierte Vorher-Nachher-Studien und unterbrochene Zeitreihen-Studien, in denen Menschen mit einem Risiko für Druckgeschwüre oder Menschen mit bestehenden Druckgeschwüren einschlossen wurden.

Datensammlung und ‐analyse: 

Zwei Review-Autoren führten unabhängig voneinander die Studienauswahl, die Bewertung des Risikos für Bias, die Datenextraktion und die Bewertung der Vertrauenswürdigkeit mit GRADE durch.

Hauptergebnisse: 

Die Suche ergab insgesamt 3172 Treffer. Nach dem Screening und der Anwendung der Ein- und Ausschlusskriterien wurden vier Studien als für den Einschluss geeignet eingestuft. Diese Studien berichteten als primären Endpunkt die Inzidenz von Druckgeschwüren, ihre Heilung, oder beides.

Eine kontrollierte Vorher-Nachher-Studie untersuchte den Einfluss einer sektorenübergreifenden Versorgung (eines Versorgungsmodells, das Aktivitäten zur Unterstützung der Patienten und ihrer Familie/Partner sowie Aktivitäten zur Förderung der Kontinuität der Pflege beinhaltet) bei 62 Teilnehmern mit Rückenmarksverletzungen. Es ist unklar, ob die sektorenübergreifenden Versorgung zu einem Unterschied in der Inzidenz von Druckgeschwüren im Vergleich zur üblichen Pflege führt (Risikoverhältnis (RR) 0,93, 95 % Konfidenzintervall (KI) 0,53 bis 1,64; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweimal herabgestuft für sehr schwerwiegende Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision).

Ein RCT untersuchte den Einfluss einer medizinischen Versorgung im häuslichen Umfeld („hospital-in-the-home care“) bei 100 älteren Erwachsenen. Es ist unklar, ob die medizinische Versorgung im häuslichen Umfeld im Vergleich zur üblichen Pflege einen Unterschied in der Inzidenz von Druckgeschwüren bewirkt (Risikoverhältnis (RR) 0,32, 95 % Konfidenzintervall (KI) 0,03 bis 2,98; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweifach herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine schwerwiegend unzureichende Präzision).

Eine dritte Studie (eine Cluster-randomisierte Studie im Stepped-wedge-Design) untersuchte den Einfluss der Versorgung durch ein erweitertes multidisziplinäres Team (EMDT) bei 161 Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen. Für die Analysen des primären Endpunkts wurden Erhebungen zu 201 Druckgeschwüren bei 119 Bewohnern genutzt. Es ist unklar, ob die Versorgung durch ein erweitertes multidisziplinäres Team (EMDT) im Vergleich zur Regelversorgung einen Unterschied in der Inzidenz von Druckgeschwüren bewirkt (Risikoverhältnis (RR) 1,12, 95 % Konfidenzintervall (KI) 0,74 bis 1,68; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweifach herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision). Es ist unklar, ob es einen Unterschied in der Anzahl der geheilten Wunden gibt (RR 1,69, 95% KI 1,00 bis 2,87; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweimal herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision). Es ist unklar, ob es einen Unterschied in der Reduktion der Wundoberfläche mit und ohne EMDT gibt (Heilungsrate 1,006; 95% KI 0,99 bis 1,03; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweifach herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision). Es ist unklar, ob eine EMDT einen Unterschied in der Zeitspanne bis zur vollständigen Heilung bewirkt (HR 1,48, 95% KI 0,79 bis 2,78, sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweifach herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision).

Die letzte Studie (eine quasi-experimentelle Cluster-Studie) untersuchte den Einfluss einer multidisziplinären Wundversorgung bei 176 Pflegeheimbewohnern. Es ist unklar, ob es zwischen der multidisziplinären Versorgung und der üblichen Versorgung einen Unterschied in der Anzahl der abgeheilten Druckgeschwüre gibt (RR 1,18, 95% KI 0,98 bis 1,42; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, zweifach herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision). Es ist unklar, ob diese Art der Versorgung im Vergleich zur üblichen Versorgung einen Unterschied in der Zeitspanne bis zur vollständigen Heilung bewirkt (HR 1,73, 95% KI 1,20 bis 2,50; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz; zweifach herabgestuft für sehr schwerwiegende methodische Limitationen der Studien und zweifach für eine sehr schwerwiegend unzureichende Präzision).

In allen Studien ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wegen eines hohen Risikos für Bias und unzureichender Präzision sehr niedrig. Wir stuften die Evidenz aufgrund von methodischen Einschränkungen der Studien, die Selektions- und Attritionsbias und die Stichprobengröße umfassten, herab. Sekundäre Endpunkte, wie z. B. unerwünschte Ereignisse, wurden nicht in allen Studien berichtet. Sofern sie berichtet wurden, war unklar, ob es einen Unterschied gab, da die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz sehr niedrig war.

Übersetzung: 

E.-M. Panfil, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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