Bewegungsbeobachtung in der Arm-Rehabilitation nach Schlaganfall

Reviewfrage
Unser Ziel war es, die Wirkungen von Bewegungsbeobachtung auf die Arm- und Handfunktion nach einem Schlaganfall mit einer anderen Therapiemaßnahme oder keiner Behandlung zu vergleichen.

Hintergrund
Der Schlaganfall zählt zu den weltweit häufigsten Ursachen von Tod und Behinderung. Von einem Schlaganfall betroffene Menschen haben häufig Schwierigkeiten mit der Bewegung ihrer Arme, was zu Schwierigkeiten bei der Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens und zu Einschränkungen der Teilhabe an alltäglichen Situationen führen kann. Die Bewegungsbeobachtung ist ein Ansatz in der Arm-Rehabilitation, bei dem der Schlaganfall-Patient eine gesunde Person bei der Durchführung einer Aktivität beobachtet, entweder in einem Video oder durch direkte Beobachtung. Dieser Beobachtung kann die eigenständige Durchführung derselben Aufgabe durch den Patienten folgen Diese ungefährliche Methode kann ohne teure oder komplizierte Ausrüstung durchgeführt werden und erfordert nur eine minimale therapeutische Betreuung. Studien haben gezeigt, dass die Bewegungsbeobachtung ähnliche Bereiche des Gehirns aktiviert, wie sie bei der tatsächlichen Durchführung derselben Aktivität aktiviert werden, und dass sie möglicherweise die Verbesserung der Bewegungsfähigkeit nach einem Schlaganfall fördert.

Studienmerkmale
Wir identifizierten zwölf Studien mit 478 Personen nach einem Schlaganfall. Die meisten nutzten Videosequenzen mit Bewegungsbeobachtung gefolgt von der Durchführung einer körperlichen Aktivität. Es wurden verschiedene Aktivitäten durchgeführt, mit Steigerung der Komplexität im Verlauf des Trainings oder wenn die Durchführung für den Patienten zu einfach wurde. Die Evidenz (der wissenschaftliche Beleg) ist auf dem Stand von Oktober 2017.

Hauptergebnisse
In den Studien wurde untersucht, ob der Einsatz von Bewegungsbeobachtung im Vergleich zu einer anderen Therapiemaßnahme oder keiner Behandlung bei den Teilnehmern eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Arms und der Hand bewirkte. Sie ermittelten, dass die Bewegungsbeobachtung zu einer besseren Arm- (acht Studien) und Handfunktion (drei Studien) führte.

Qualität der Evidenz
Wir bewerteten die Qualität der Evidenz als moderat für die Handfunktion, niedrig für die Armfunktion und die Abhängigkeit bei Alltagsaktivitäten und sehr niedrig für die motorische Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Die Anwendung von Bewegungsbeobachtung war für die Teilnehmer gefahrlos, da es zu keinen unerwünschten Ereignissen in nennenswertem Ausmaß kam. Die Qualität der Evidenz für die einzelnen Ergebniskriterien war aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl, niedriger Studienqualität und unzureichender Berichterstattung der Studiendetails beschränkt.

Übersetzung: 

T. Bossmann, C. Braun, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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