Verbesserung der Implementierung schulischer Richtlinien und Praktiken für eine verbesserte Gesundheit der Schüler

Fragestellung des Reviews: In dem Review sollte bestimmt werden, wie wirksam Strategien zur Unterstützung der Implementierung von schulischen Richtlinien und Praktiken sind, welche auf die Ernährung, Bewegung, eine übermäßige Gewichtszunahme, den Tabak- oder den Alkoholkonsum von Schülern eingehen. Wir untersuchten zudem, ob diese Strategien zu einer Verbesserung des Gesundheitsverhaltens oder des Gewichtsstatus der Schüler führten, die Einstellung oder das Wissen hinsichtlich der Implementierung beim Schulpersonal verbesserten, unerwünschte Ereignisse auftraten und die Strategien kosteneffektiv waren.

Hintergrund: Die bisherige Forschung konnte eine Reihe von schulischen Richtlinien und Praktiken ermitteln, die sich als potenziell wirksam hinsichtlich der Verbesserung des Gesundheitsverhaltens der Schüler herausstellten. Trotzdem werden solche Richtlinien und Praktiken in den Schulen oft nicht umgesetzt, selbst dann nicht, wenn diese eigentlich vorgeschrieben sind. Solange keine evidenzbasierten Richtlinien und Praktiken umgesetzt werden, können diese der Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung nicht zugutekommen.

Studienmerkmale: Wir schlossen 27 Studien ein, davon 18, die in den USA durchgeführt wurden. In 15 Studien wurden Strategien hinsichtlich der Implementierung von Richtlinien, Praktiken oder Programmen für gesunde Ernährung untersucht; in sechs Studien wurden Strategien hinsichtlich Richtlinien oder Praktiken im Bereich körperliche Bewegung untersucht; und drei Studien zielten auf Richtlinien oder Praktiken im Bereich des Tabakkonsums ab. Drei Studien zielten auf eine Kombination unterschiedlicher Bereiche des Gesundheitsverhaltens ab. Keine der eingeschlossenen Studien versuchte Maßnahmen einzuführen, um den ersten Alkoholkonsum zeitlich zu verzögern oder den Alkoholkonsum zu reduzieren. Im Rahmen der Studien wurden eine Reihe von unterstützenden Strategien zur Umsetzung getestet, darunter Schulungsmaterialien, Schulungssitzungen, der Einsatz von Multiplikatoren, externe Finanzierung, lokale Konsensprozesse und maßgeschneiderte Interventionen.

Datum der letzten Suche: Die Evidenz des Reviews ist auf dem Stand vom 31. August 2016.

Hauptergebnisse: Es ist unklar, ob die untersuchten Strategien die Umsetzung der zielgerichteten Richtlinien oder Praktiken an Schulen verbessern, ob sie das Gesundheitsverhalten der Schüler verbessern oder das Wissen oder die Einstellungen des Schulpersonals verbessern. Zudem ist unklar, ob die untersuchten Strategien zu unerwünschten Ereignissen führen oder ob sie kosteneffektiv sind.

Limitationen: Die Heterogenität der Studien und das Fehlen einer konsistenten Terminologie zur Beschreibung der Implementationsstrategien sind als wichtige Limitationen dieses Reviews zu nennen.

Qualität der Evidenz: Wir bewerteten die Qualität der Evidenz insgesamt als sehr niedrig für alle Endpunkte, bei denen in Studien Effekte berichtet wurden.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Angesichts der sehr niedrigen Qualität der verfügbaren Evidenz ist es unklar, ob die untersuchten Strategien - zur Implementierung der in den Fokus genommenen schulischen Richtlinien oder Praktiken - das Gesundheitsverhalten der Schüler oder das Wissen oder die Einstellungen des Schulpersonals verbessern. Es bleibt zudem unklar, ob Strategien zur Verbesserung der Implementierung kosteneffizient sind oder ob sie zu unbeabsichtigten negativen Folgen führen. Es ist weitere Forschung erforderlich, um die Bemühungen hinsichtlich einer leichteren Übertragbarkeit der Evidenz in die Praxis in diesem Setting positiv zu gestalten.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Es hat sich gezeigt, dass eine Reihe von schulischen Richtlinien oder Praktiken wirksam sind, um die Ernährung und Bewegung von Kindern zu verbessern und übermäßige Gewichtszunahme sowie Tabak- oder schädlichen Alkoholkonsum zu vermeiden. Schulen versäumen es jedoch häufig, solche evidenzbasierten Interventionen umzusetzen.

Zielsetzungen: 

Das Hauptziel des Reviews bildet die Untersuchung der Wirksamkeit von Strategien, die darauf abzielen, die Implementierung von Richtlinien, Programmen oder Praktiken an Schulen zu verbessern, welche auf Ernährung, Bewegung, Adipositas, Tabak- oder Alkoholkonsum bei Kindern abzielen.

Sekundäre Ziele des Reviews sind: Überprüfung der Wirksamkeit von Implementationsstrategien auf das Gesundheitsverhalten (z.B. Obst- und Gemüsekonsum) und anthropometrische Endpunkte (z.B. BMI, Gewicht); Beschreibung der Auswirkungen solcher Strategien auf das Wissen, die Fähigkeiten oder die Einstellungen des Schulpersonals, das an der Implementierung gesundheitsfördernder Richtlinien, Programme oder Praktiken beteiligt ist; Darstellung der Kosten oder der Kosteneffektivität solcher Strategien; sowie die Wiedergabe unerwünschter Ereignisse von Strategien auf Schulen, Schulpersonal oder Kinder.

Suchstrategie: 

Alle von uns eingeschlossenen elektronischen Datenbanken wurden am 16. Juli 2017 nach Studien durchsucht, die bis zum 31. August 2016 veröffentlicht wurden. Wir führten Suchen in den folgenden elektronischen Datenbanken durch: Cochrane Library einschließlich des Cochrane Central Registers of Controlled Trials (CENTRAL); MEDLINE; MEDLINE In-Process & Other Non-Indexed Citations; Embase Classic und Embase; PsycINFO; Education Resource Information Center (ERIC); Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature (CINAHL); Dissertations and Theses; und SCOPUS. Wir durchsuchten die Referenzlisten aller eingeschlossenen Studien nach Zitaten, die auf andere potenziell relevante Studien verwiesen. Wir führten Handsuchen in zwei Fachzeitschriften (Implementation Science und Journal of Translational Behavioral Medicine) für Publikationen des Zeitraums von 2011 und 2016 durch und durchsuchten zudem die International Clinical Trials Registry Platform (ICTRP) der WHO (http://apps.who.int/trialsearch/) sowie das US National Institutes of Health Register (https://clinicaltrials.gov). Wir tauschten uns mit Experten auf diesem Forschungsgebiet aus, um weitere relevante Forschungsarbeiten zu identifizieren.

Auswahlkriterien: 

„Implementation" wurde definiert als der Einsatz von Strategien zur Anwendung und Integration evidenzbasierter Gesundheitsmaßnahmen und zur Änderung von praxisbezogenen Handlungsmustern innerhalb bestimmter Settings. Wir schlossen unabhängig von der Studiengröße jede randomisierte oder nicht randomisierte Studie ein, die mit einer parallelen Kontrollgruppe durchgeführt wurde, welche eine Strategie zur Implementation von Richtlinien oder Praktiken durch das Schulpersonal bezüglich Ernährung, körperlicher Aktivität, Adipositas, Tabak- oder Alkoholkonsum mit „keiner Intervention“, der „gängigen“ Praxis oder einer anderen Implementationsstrategie verglich.

Datensammlung und ‐analyse: 

Das Screening von Referenzen, die Datenextraktion und die Bewertung des Risikos für Bias wurden von den Review-Autoren paarweise durchgeführt. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Review-Autoren wurden durch Konsens oder, falls erforderlich, durch einen dritten Autor gelöst. Aufgrund der erheblichen Heterogenität zwischen den Studien konnte keine Meta-Analyse durchgeführt werden. Wir stellten die Ergebnisse der Studie in einer narrativen Synthese dar, indem wir die Effektgröße des primären Endpunktes für die Implementierung einer Richtlinie oder Praktik beschrieben (oder den Median eines solchen Maßes, wenn nicht ein einzelner primärer Endpunkt berichtet wurde).

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen 27 Studien ein, davon 18, die in den USA durchgeführt wurden. Neunzehn Studien verwendeten ein randomisiert kontrolliertes Studiendesign (RCT). In fünfzehn Studien wurden Strategien hinsichtlich der Implementierung von Richtlinien, Praktiken oder Programmen für gesunde Ernährung untersucht; in sechs Studien wurden Strategien hinsichtlich Richtlinien oder Praktiken im Bereich körperliche Bewegung untersucht; und drei Studien zielten auf Richtlinien oder Praktiken im Bereich des Tabakkonsums ab. Drei Studien waren auf die Untersuchung einer Kombination von Risikofaktoren ausgerichtet. Keine der eingeschlossenen Studien versuchte Maßnahmen einzuführen, um den ersten Alkoholkonsum zeitlich zu verzögern oder den Alkoholkonsum zu reduzieren. Alle von uns untersuchten Studien verwendeten multi-strategische Implementationsstrategien. Es untersuchten nie zwei Studien gleichzeitig jeweils die gleichen Kombinationen von Implementationsstrategien. Zu den häufigsten Implementationsstrategien gehörten Schulungsmaterialien, Bildungsanstrengungen und Schulungen. Bei allen Endpunkten war die Qualität der Evidenz insgesamt sehr niedrig. Das Risiko für Bias war bei der Mehrzahl der Studien für die verzerrte Erfassung von Endpunkten (Detection Bias) und die Verzerrung durch Unterschiede in der Interventionsumsetzung (Performance Bias) hoch.

Bei 13 Studien, die dichotome Endpunkte hinsichtlich der Implementation — Anteil der Schulen oder des Schulpersonals (z.B. in Form von Klassen), die eine spezifische Richtlinie oder Praktik umsetzen — berichteten, lag die mediane unadjustierte Effektstärke (der Verbesserung) zwischen 8,5 % und 66,6 %. Bei sieben Studien, die den Anteil hinsichtlich der Implementation einer Praktik, eines Programms oder einer Richtlinie angaben, reichte der mediane unadjustierte Effekt (der Verbesserung), relativ zur Kontrolle, bei -8 % bis 43 %. Der relativ zur Kontrolle gesehene Effekt, welcher in zwei Studien zur Bewertung der Auswirkungen von Implementationsstrategien auf die Zeit pro Woche, die die Lehrer für die Implementierung spezifischer Richtlinien oder Praktiken aufwenden, berichtet wurde, lag zwischen 26,6 und 54,9 Minuten pro Woche. Bei Studien, die über andere kontinuierliche Endpunkte bei der Implementierung berichteten, waren die Ergebnisse uneinheitlich. Vier Studien beinhalteten Strategien, die eine „breite“ Implementierung (d.h. in Stichproben von mindestens 50 Schulen) vorsahen, wobei drei Studien von Verbesserungen hinsichtlich der Implementation berichteten.

Die Auswirkungen der Interventionen auf das Gesundheitsverhalten oder den Gewichtsstatus der Schüler waren uneinheitlich. Drei der acht Studien mit Ergebnissen zu körperlicher Aktivität berichteten keine signifikanten Verbesserungen. Zwei Studien berichteten über einen Rückgang des Tabakkonsums bei den Interventionsgruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Sieben von neun Studien berichteten nicht von Gruppenunterschieden in Bezug auf Übergewicht oder Adipositas bei den Schülern. Unter den Studien, die diese Endpunkte berichteten, wurden im Allgemeinen positive Verbesserungen hinsichtlich der Ernährung von Kindern festgestellt. Drei Studien untersuchten die Auswirkungen der Implementationsstrategien auf Einstellungen des Schulpersonals. Diese stellten uneinheitliche Effekte fest. Zwei Studien beschrieben innerhalb ihrer Studienmethodik eine Untersuchung möglicher unerwünschte Ereignisse, von denen jedoch keine berichtet wurden. In einer Studie wurde berichtet, dass die Unterstützung bei der Implementierung die Einnahmen oder Ausgaben der Schule nicht signifikant erhöhte. Eine andere Studie wies eine formale ökonomische Evaluation auf, innerhalb der die Intervention als kosteneffektiv bezeichnet wurde. Heterogenität zwischen den Studien und das Fehlen einer konsistenten Terminologie zur Beschreibung der Implementationsstrategien stellten wichtige Limitationen des Reviews dar.

Übersetzung: 

T. Heise, A. Borchard, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

Tools
Information
Share/Save

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.