Ernährungsunterstützung von Erwachsenen im Krankenhaus mit Risiko für Unterernährung

Fragestellung

Wir untersuchten den Nutzen und die Schäden von Ernährungsunterstützung für erwachsene Patienten mit Risiko zur Unterernährung im Krankenhaus. Zur Einschätzung von Unterernährung wurden verschiedene Methoden genutzt, die von formal validierten Methoden bis hin zu Meinungen der Untersucher reichten.

Hintergrund

Personen, die bei der Aufnahme ins Krankenhaus eine Unterernährung aufweisen, könnten ein erhöhtes Sterberisiko haben oder mit höherer Wahrscheinlichkeit schwerwiegende Komplikationen entwickeln. Ernährungsunterstützung könnte helfen, allerdings kann eine Unterernährung auch im Zusammenhang mit einer zugrundeliegenden schweren Erkrankung stehen. In diesem Fall würden spezielle Interventionen zur Verbesserung des Ernährungszustandes nicht helfen, da nicht der schlechte Ernährungszustand selbst die Ursache für ein erhöhtes Sterbe- oder Komplikationsrisiko ist.

Datum der Suche
Februar 2016.

Studienmerkmale

Es wurden insgesamt 244 Studien mit 28.619 Teilnehmern in den Review eingeschlossen. Die eingeschlossenen Studien untersuchten die Wirkungen unterschiedlicher Arten von Ernährungsunterstützung (z.B. Ernährungsberatung, Anreicherung der Nahrung mit zusätzlichen Proteinen und Kalorien, Proteinshakes, Ernährung per Katheter direkt in eine Vene oder per Sonde in den Magen oder Darm). Die Ernährungsunterstützung erhielten Personen mit unterschiedlichen Grunderkrankungen und Behandlungen. Bei allen Teilnehmern wurde ein Risiko für eine Unterernährung durch mindestens ein Instrument festgestellt, inklusive der klinischen Einschätzung der Untersucher.

Hauptergebnisse

Wir fanden keinen Unterschied zwischen der Ernährungsunterstützung und den Kontrollgruppen für das Sterberisiko. In den Kontrollgruppen starben bei kurzer Beobachtungsdauer 8,3% der Teilnehmer und 7,8% in der Gruppe mit Ernährungsunterstützung (niedrige Qualität der Evidenz). Nach der längsten Beobachtungsdauer waren in den Kontrollgruppen 13,2 % und in der Gruppe mit Ernährungsunterstützung 12,2 % der Teilnehmer verstorben (niedrige Qualität der Evidenz). Wir fanden keinen Unterschied zwischen Ernährungsunterstützung und Kontrollgruppen für das Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei kurzer Beobachtungsdauer. In den Kontrollgruppen hatten 9,9% und in den Gruppen mit Ernährungsunterstützung 9,2% schwerwiegende Komplikationen (niedrige Qualität der Evidenz). Bei längerer Beobachtungsdauer zeigte sich in den Kontrollgruppen bei 15,2% und in den Gruppen mit Ernährungsunterstützung bei 13,8% der Teilnehmer schwerwiegende Komplikationen (niedrige Qualität der Evidenz). Die Ergebnisse beruhen auf Daten von über 21.000 Teilnehmern. Im Vergleich zu den Kontrollgruppen erhöhte sich durch Ernährungsunterstützung das Gewicht der Teilnehmer im Schnitt um 1,32 Kilogramm. Der klinische Nutzen dieser durchschnittlichen Gewichtszunahme von 1,32 Kilogramm ist unklar. Die Wirkung auf die Lebensqualität konnte nicht verlässlich eingeschätzt werden, da diese in den Studien unterschiedlich berichtet wurde. Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Arten von Ernährungsunterstützung zeigte sich in einer Sekundäranalyse, dass die Ernährung mittels Ernährungssonde vorteilhaft sein könnte, da sie unter maximaler Beobachtungsdauer schwerwiegende Komplikationen reduziert hatte. Die Aussagekraft dieses Ergebnisses ist jedoch gering.

Qualität der Evidenz

Die Evidenz hinsichtlich des Sterberisikos und des Risikos für schwere Komplikationen ist von niedriger Qualität und die Evidenz bzgl. des Gewichts von sehr niedriger Qualität. Alle Studien hatten ein hohes Risiko für Bias (z. B. wurden alle Studien auf eine Art durchgeführt, die den Nutzen möglicherweise überschätzt und die Schäden von Ernährungsunterstützung unterschätzt). Die Ergebnisse hinsichtlich des Sterberisiko und des Risikos für schwerwiegende Komplikationen stimmten überein. Hinsichtlich des Gewichts zeigten sich unterschiedliche Wirkungen in den Studien.

Übersetzung: 

C. Meinhart, M. Fischill, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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