Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Myo-Inositol in der Schwangerschaft, um Schwangerschaftsdiabetes zu vermeiden

Worum geht es?

Dieser Review untersuchte, ob Myo-Inositol ein wirksames Nahrungsergänzungsmittel vor der Geburt darstellt, um Schwangerschaftsdiabetes bei Schwangeren zu vermeiden. Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, haben ein höheres Risiko sowohl für Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt als auch für Diabetes im späteren Leben. Die Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes können größer sein als sie sein sollten. Dadurch erhöht sich das Risiko für mögliche Verletzungen der Kinder bei der Geburt. Diese Kinder sind gefährdet Diabetes zu entwickeln, sogar im Kleinkindalter oder als junge Erwachsene.

Warum ist dies wichtig?

Die Anzahl der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes steigt weltweit. Daher ist es wichtig einfache und kostengünstige Wege zu finden, Schwangerschaftsdiabetes bei Frauen zu verhindern. Myo-Inositol ist ein natürlich vorkommender „Zucker“ in Getreide, Mais, grünem Gemüse und Fleisch, der die Insulinempfindlichkeit des Körpers beeinflusst.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Am 2. November 2015 suchten wir nach Studien und schlossen vier kleine randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 567 Frauen ein. Bei Studienbeginn lag deren Schwangerschaftsdauer zwischen weniger als 11 Wochen und 24 Wochen. Die Qualität der Evidenz wurde als niedrig oder sehr niedrig bewertet. Das Gesamtrisiko eines Bias war unklar.

Myo-Inositol reduzierte die Fälle von Schwangerschaftsdiabetes (niedrige Qualität der Evidenz): von 28 % bei Frauen, die das Ergänzungsmittel nicht nahmen, zu 8 % bis 18% bei Frauen, die es nahmen. In Bezug auf die Anzahl von Frauen mit hypertensiven Störungen in der Schwangerschaft (einschließlich Präeklampsie (auch als Gestose bezeichnet, verbunden mit Entgleisung des Blutdrucks und der Eiweissausscheidung), Eklampsie (Krampfanfälle) (sehr niedrige Qualität der Evidenz). Die Studien lieferten keine Informationen über die Anzahl der Kinder, die verstarben (entweder vor der Geburt oder kurz danach) oder Kinder, die zu groß für die Dauer der Schwangerschaft waren. Es gab keine unerwünschten Wirkungen der Therapie auf die Mütter in den beiden Studien, die über diesen Endpunkt berichteten (die andern beiden Studien erwähnten dies nicht).

Dieser Review fand keine Auswirkungen auf andere Endpunkte wie das Risiko für einen Kaiserschnitt (niedrige Qualität der Evidenz), ein großes Kind, Geburtsverzögerung, wenn die Schultern des Kindes stecken bleiben (Schulterdystokie), oder ein Kind mit niedrigem Blutzuckerspiegel. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass die Studien zu klein sind, um Unterschiede für diese Endpunkte zu erkennen. Auch berichteten nicht alle Studien über die Endpunkte. Alle vier Studien waren aus Italien.

Die eingeschlossenen Studien machten keine Angaben zu vielen Endpunkten für Mutter und Kind, die in diesem Review aufgeführt wurden. Es wurden weder Angaben zu den Langzeitfolgen für Mutter und Kind noch zu den Kosten für die Gesundheitsdienste gemacht.

Was bedeutet das?

Myo-Inositol als Nahrungsergänzungsmittel während der Schwangerschaft zur Prävention von Schwangerschaftsdiabetes ist vielversprechend. Gegenwärtig gibt es jedoch nicht genügend Evidenz, um den routinemäßigen Einsatz zu unterstützen. Weitere große, gut angelegte, randomisierte kontrollierte Studien sind erforderlich, um die Wirksamkeit von Myo-Inositol bei der Prävention von Schwangerschaftsdiabetes und bei der Verbesserung anderer gesundheitlicher Ergebnisse für Mutter und Kind zu beurteilen.

Idealerweise sollten zukünftige Studien erwägen, Frauen aus unterschiedlichen Ethnien und mit unterschiedlichen Risikofaktoren für Schwangerschaftsdiabetes einzubeziehen. Zukünftige Studien sollten untersuchen, wie Myo-Inositol angewendet werden kann (unterschiedliche Dosierungen, Häufigkeit und Zeitpunkte der Einnahme). Zudem sollte die Intervention mit einem Placebo, mit Diäten oder Bewegungsübungen sowie pharmakologischen Interventionen verglichen werden. Wir empfehlen, dass zukünftige Studien die Endpunkte berücksichtigen, die in diesem Review aufgelistet sind, sowie die potentiellen Schäden untersuchen, einschließlich der unerwünschten Wirkungen.

Übersetzung: 

C. Berger, C. Loytved, freigegeben durch Cochrane Schweiz

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