Interventionen zum Selbstmanagement von Typ II Diabetes bei Erwachsenen mit schweren psychischen Erkrankungen

Reviewfrage

Wie ist die Wirkung von Interventionen zum Selbstmanagement von Diabates, die gezielt an Erwachsene mit Typ II Diabetes und mit schweren psychischen Erkrankungen gerichtet sind?

Hintergrund

Diabetes ist eine der häufigsten Langzeit-Erkrankungen, die rund 415 Millionen Menschen weltweit betrifft. Personen mir schweren psychischen Erkrankungen unterliegen einer doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit Diabetes zu entwickeln, als diejenigen ohne psychische Gesundheitsprobleme. Dies liegt an vielen Faktoren, wie Nebenwirkungen von Antipsychotika oder einem unangemessenem "Lebensstil", wie schlechte Ernährung und einem geringen Level an körperlicher Aktivität. Einmal diagnostiziert, wird Typ II Diabetes mithilfe einer Kombination aus Medikamenten und Verhaltensänderungen behandelt. Wird Diabetes schlecht behandelt, können betroffene Personen schwere und lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln. Anbieter von Gesundheitsversorgung haben ein Programm zu Patientenschulungen entwickelt, das Personen unterstützen soll, ihren Diabetes selbst zu managen und die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen zu senken. Auch wenn viele Programme für Typ II Diabetes als wirksam befunden wurden, ist wenig über die Programme bekannt, die gezielt an die Bedürfnisse von Personen mit schweren psychischen Erkrankungen angepasst sind.

Studienmerkmale

Wir haben eine Studie identifiziert, die 64 Erwachsene mit Typ II Diabetes und Schizophrenie oder schizophrenen Störungen umfasst. Wissenschaftler verglichen die Regelversorgung plus Informationsbroschüren mit einem 24-wöchigen Schulungsprogramm, welches einmal die Woche für 90 Minuten angeboten wird (Diabeteswahrnehmungs- und Rehabilitationstraining). Dieses Programm bot eine Diabetesbasisschulung und Informationen zu Ernährung und Bewegung. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 54 Jahren. Durchschnittlich hatten die Teilnehmer bereits neun Jahre mit Diabetes gelebt und waren im Durchschnitt 28 Jahre alt, als sie die psychiatrische Diagnose erhielten. Die in die Studie eingeschlossenen Personen wurden bis sechs Monate nach Beendigung des Programms beobachtet.

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 07. März 2016.

Hauptergebnisse

Zusammenfassend haben wenige Studien die Wirkung von Programmen zum Diabetes-Selbstmanagement für Erwachsene mit schweren psychischen Erkrankungen ausgewertet. Die Autoren der einen eingeschlossenen Studie berichteten weder über diabetesbezogene Komplikationen, Tod durch jegliche Ursache, unerwünschte Ereignisse, gesundheitsbezogene Lebensqualität noch über sozioökonomische Auswirkungen. Sie beschrieben kleine Verbesserungen im Body-Mass-Index und im Körpergewicht, sowie im Wissen über Diabetes und in der Selbstwirksamkeit. Derzeitige Evidenz ist unzureichend, um zeigen zu können, dass diese Art von Programmen Personen mit Typ II Diabetes und schweren psychischen Erkrankungen dabei unterstützen, ihren Diabetes und die Folgen besser zu handhaben.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die allgemeine Qualität der Evidenz als sehr niedrig. Dies liegt vor allem an der kleinen Zahl der eingeschlossenen Studien und der kleinen Zahl an Teilnehmern und weil die berichteten Studienergebnisse Widersprüche zeigten.

Übersetzung: 

I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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