Bieten automatische, obligatorische Boli von Epiduralmedikamenten eine bessere Linderung der Wehenschmerzen als Basalinfusionen?

Kernaussagen

- Wenn sie zur Aufrechterhaltung der epiduralen Schmerzlinderung während der Wehen eingesetzt werden, sind automatische, obligatorische Boli im Vergleich zur Basalinfusion mit einer geringeren Inzidenz von Schmerzen, die ein klinisches Eingreifen erfordern, und einem geringeren Medikamentenverbrauch verbunden.

- Die Häufigkeit von Kaiserschnittentbindungen, instrumentellen Entbindungen und die Dauer der Wehenepiduralanästhesie sind bei automatischer Bolusgabe und Basalinfusion vergleichbar.

Welche Methoden gibt es zur Aufrechterhaltung der epiduralen Schmerzlinderung während der Wehen?

Die Epiduralanästhesie wird häufig zur Schmerzlinderung während der Wehen eingesetzt. Dabei werden Medikamente zur örtlichen Betäubung in den Epiduralraum um die Wirbelsäule herum verabreicht. Im Großen und Ganzen können Medikamente über zwei Techniken verabreicht werden: Basalinfusion (BI) und automatische, obligatorische Bolusgabe (automated mandatory boluses, AMB). Bei der BI werden die Medikamente ohne Unterbrechung über einen längeren Zeitraum verabreicht, während bei der AMB die Medikamente in bestimmten Zeitabständen verabreicht werden, wobei jede Dosis innerhalb einer kurzen Zeitspanne verabreicht wird.

Die überlegene Methode der Verabreichung von Epiduralmedikamenten würde zu einer wirksameren Schmerzlinderung und einer geringeren Häufigkeit von Schmerzen führen, die ein Eingreifen des Anästhesisten erfordern (auch als Durchbruchsschmerzen bezeichnet). Außerdem würde sie mit einer geringeren Inzidenz epiduralbedingter unerwünschter Wirkungen einhergehen, einschließlich Kaiserschnitt, instrumenteller Entbindung (Verwendung einer Zange oder eines Vakuumgeräts zur Geburtshilfe), verlängerter Dauer der Wehenschmerzlinderung und erhöhtem Lokalanästhetikaverbrauch.

Was wollten wir herausfinden?

Frühere Studien lieferten widersprüchliche Daten dazu, welche Methode (AMB im Vergleich zu BI) eine bessere Schmerzlinderung während der Wehen bietet. Frühere systematische Übersichten sind nicht mehr aktuell, da mehrere neue Studien zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Die Einbeziehung neuer Daten könnte die Genauigkeit unserer Ergebnisse in Bezug auf die Wirksamkeit und die potenziellen unerwünschten Wirkungen von AMB gegenüber BI zur Aufrechterhaltung der epiduralen Schmerzlinderung während der Wehen verbessern. 

Daher wollten wir AMB mit BI in Bezug auf folgende Aspekte vergleichen:

- Häufigkeit von Durchbruchsschmerzen (Schmerzen, die während der PDA auftreten und ein Eingreifen des Anästhesisten erfordern)

- Inzidenz der Kaiserschnittentbindung

- Inzidenz der instrumentellen Entbindung

Außerdem verglichen wir AMB mit BI hinsichtlich der Dauer der Epiduralanalgesie und des Lokalanästhetikaverbrauchs.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die AMB mit BI zur epiduralen Schmerzlinderung bei Wehen verglichen haben. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse dieser Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Unsere Untersuchung umfasste 18 Studien mit 4590 Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften. Insgesamt stellten wir fest, dass die AMB im Vergleich zur BI mit einer geringeren Häufigkeit von Durchbruchsschmerzen und einem geringeren Verbrauch an Lokalanästhetika verbunden war, aber beide Methoden waren hinsichtlich der Häufigkeit von Kaiserschnitten, instrumentellen Entbindungen und der Dauer der PDA vergleichbar.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist moderat, sie wird durch zwei Hauptfaktoren eingeschränkt. Erstens unterschieden sich die Studien in ihren jeweiligen Methoden, in den verwendeten Medikamenten, im Stadium der Wehen, in dem die Epiduralanästhesie durchgeführt wurde, und in der Verwendung anderer Formen der Schmerzlinderung zusätzlich zur Wehenepiduralanästhesie. Diese Unterschiede zwischen den einbezogenen Studien könnten zu den beobachteten Unterschieden zwischen AMB und BI beigetragen haben. Zweitens basierten einige unserer Ergebnisse auf Daten, die von einer kleinen Anzahl von Frauen erhoben wurden, was die Genauigkeit unserer Ergebnisse eingeschränkt haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist eine Aktualisierung unseres vorherigen Review. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 31. Dezember 2022.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

E. Lesta, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.