Nahrungsergänzung mit Vitamin D bei Sichelzellenanämie

Fragestellung

Wir haben die Evidenz der Wirkung von Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmitteln bei Menschen mit Sichelzellenanämie überprüft.

Hintergrund

Sichelzellanämie ist eine Erbkrankheit der roten Blutkörperchen, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Bei der Sichelzellanämie werden die roten Blutkörperchen halbmondförmig und hart, so dass sie kleine Blutgefäße blockieren, was zu einem Mangel an Sauerstoff im Gewebe und in Organen führt. Diese Blockaden verursachen Schmerzen, kurz- und langfristige Organschäden, akutes Brustsyndrom und Schlaganfall. Sichelzellanämie kann kurz- und langfristig auch zu Knochenkomplikationen führen. Schmerzen und Komplikationen des Bewegungsapparates sind die häufigsten Gründe für Menschen mit Sichelzellanämie, sich medizinisch behandeln zu lassen. Auch wenn diese nicht wesentlich zur Sterblichkeit beitragen, bleiben sie kurz- und langfristig eine wichtige Krankheitsursache.

Unabhängig von Alter und Lebensabschnitt tritt Vitamin D Mangel häufig bei Personen mit Sichelzellanämie auf. Da Vitamin D den Calciumspiegel reguliert und die Knochengesundheit unterstützt, kann sein Mangel die Gesundheitsprobleme des Bewegungsapparates verschlimmern, die bei Menschen mit Sichelzellenanämie bereits vorliegen. Deswegen wollten wir herausfinden, ob die Gabe von Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmitteln für Personen mit Sichelzellanämie besser oder schlechter ist, als die Gabe von entweder Placebo (Substanz, die keinen Wirkstoff enthält) oder keiner Vitamin-D-Nahrungsergänzung.

Suchdatum

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 15. Dezember 2016.

Studienmerkmale

Der Review schließt eine Studie ein, die 46 Personen mit Sichelzellanämie im Alter zwischen sieben und 21 Jahren umfasst. Von diesen wurden 39 Personen zufällig ausgewählt, um für sechs Wochen entweder Vitamin-D-Tabletten oder Placebotabletten einzunehmen. Die Nachbeobachtungsdauer lag bei sechs Monaten. Die Studie berichtete die Ergebnisse von 37 Personen.

Hauptergebnisse

Menschen, die eine Vitamin-D-Nahrungsergänzung bekamen, hatten bei Messungen nach acht, 16 und 24 Wochen einen höheren Vitamin D-Spiegel im Blut. In Bezug auf Nebenwirkungen gab es keine Unterschiede zwischen der Vitamin-D-Gruppe und der Placebogruppe bei der Anzahl der Personen, die z.B. über Kribbeln in den Lippen oder Händen berichteten. Die Vitamin-D-Gruppe wies weniger Tage mit Schmerzen als die Placebogruppe auf. Die Studie berichtete ebenfalls über die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Bewertung der körperlichen Funktionsfähigkeit). Nach acht Wochen hatte die Vitamin-D-Gruppe hier nur eine leicht schlechtere Bewertung als die Placebogruppe, jedoch wurden die Unterschiede nach 16 und 24 Wochen deutlich größer.

Aufgrund dieser Ergebnissen, basierend auf einer kleinen Einzelstudie mit Evidenz von moderater bis niedriger Qualität, denken wir nicht, dass die Ergebnisse unseres Reviews von ausreichender Qualität sind, um die klinische Praxis zu bestimmen. Bis weitere Evidenz verfügbar wird, sollten Kliniker die relevanten existierenden Leitlinien für Vitamin-D-Nahrungsergänzung (z.B. die Endokrine Gesellschaft für klinische Leitlinien) und die Empfehlungen für die Calcium- und Vitamin-D-Einnahme (z.B. vom Institut für Medizin der USA) berücksichtigen. Es werden Studien von hoher Qualität benötigt, die die Wirkung von Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern und Erwachsenen mit Sichelzellanämie untersuchen.

Qualität der Evidenz

Wir glauben nicht, dass es Risiko für Bias bei der Zuteilung der Menschen in die verschiedenen Gruppen gab. Wir denken nicht, dass jemand (weder der Teilnehmende noch der Arzt) wissen konnte, in welcher Gruppe sich der Teilnehmende zu Studienbeginn befand. Obwohl die unerwünschten Ereignisse im ursprünglichen Studienbericht nicht aufgeführt wurden, stellte der Autor die Informationen auf Anfrage zur Verfügung. Es sind mehr Personen aus der Placebogruppe (68,4%) aus der Studie ausgeschieden als aus der Vitamin-D-Gruppe (5%). Zwei Personen wurden der Vitamin-D-Gruppe zugeteilt, wurden jedoch nicht in die Analyse eingeschlossen. Wir waren der Meinung, dass es ein hohes Risiko für Bias in der Art und Weise gab, wie die Studienergebnisse berichtet wurden. Die Evidenz gilt nur für Menschen mit Sichelzellenanämie, die sich in einem stabilen Zustand befinden, d.h. mindestens 30 Tage nach einer Bluttransfusion und mindestens 14 Tage ohne akute Komplikation durch die Erkrankung. Die Qualität der Evidenz der Endpunkte reichte von moderat bis niedrig. Wir bewerteten die Qualität der Evidenz für Vitamin-D-Spiegel als moderat und die Qualität der Evidenz für unerwünschte Ereignisse, für Tage mit Schmerzen und für die gesundheitsbezogene Lebensqualität als niedrig.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben für Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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