Patientengesteuerte intravenöse Schmerzbehandlung im Vergleich zu epidural verabreichter Schmerzbehandlung nach Bauchoperationen bei Erwachsenen

Fragestellung des Reviews

Dieser Review begutachtete die Schmerzbehandlung nach Bauchoperationen. Wir verglichen die Selbstverabreichung schmerzstillender Medikamente wie Morphium mithilfe eines Geräts, das an einen intravenösen Tropf (IVPCA) angeschlossen ist, mit einer Schmerzbehandlung, die in das Gewebe um das Rückenmark herum innerhalb des Spinalkanals (epidural) verabreicht wird, entweder durch Selbstverabreichung über eine programmierbare Pumpe (PCEA) oder durch eine vorprogrammierte, das Medikament fortlaufend abgebende Pumpe (CEA). Zur epiduralen Schmerzbehandlung wurden morphinartige Medikamente oder örtliche Betäubungsmittel oder beides verwendet. Wir ermittelten, wie wirksam diese Methoden zur Schmerzlinderung und zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit unerwünschter Wirkungen waren.

Hintergrund

Eine angemessene Schmerzbehandlung ist unerlässlich für einen guten Heilungsprozess nach einer Operation und hilft dabei, bald nach der Operation wieder tief durchatmen und das Bett verlassen zu können. Patienten mit unzureichend beherrschten Schmerzen haben ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Atemwegsinfektionen und Blutgerinnseln in der Lunge. Gleichzeitig kann eine Schmerzbehandlung zu Nebenwirkungen und Komplikationen führen. Zwei der häufigsten und wirksamsten Alternativen zur Schmerzlinderung sind Opioide (wie Morphium), die per Knopfdruck vom Patienten in eine intravenöse Tropfinfusion eingebracht werden (IVPCA), und die epidurale Schmerzbehandlung, bei der Medikamente in den Epiduralraum um das Rückenmark herum eingebracht werden. Frühere systematische Reviews haben angedeutet, dass eine epidurale Technik eine bessere Schmerzlinderung bieten könnte als eine IVPCA.

Datum der Suche

Wir durchsuchten die wichtigsten elektronischen Datenbanken und Studienregister gründlich nach randomisierten Studien (ein Studientyp, bei dem die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungsgruppe zugeteilt werden), in denen eine IVPCA mit epiduralen Techniken verglichen wurde. Wir durchsuchten auch die Literaturlisten relevanter Studien nach weiteren einschlussfähigen Studien. Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2017.

Merkmale des Reviews

Wir schlossen 32 Studien ein (1716 Teilnehmer). Insgesamt erhielten 869 Teilnehmer eine epidurale Schmerzbehandlung und 847 eine intravenöse Schmerzbehandlung. Die Studien zur epiduralen Schmerzbehandlung umfassten 16 Studien mit einer vorprogrammierten, das Medikament fortlaufend abgebenden Pumpe (CEA) (418 Teilnehmer) und 16 Studien mit einer programmierbaren Pumpe (PCEA) (451 Teilnehmer). Alle Teilnehmer waren Erwachsene, die sich in einem Krankenhaus einer Operation innerhalb des Bauchraums unterziehen mussten.

Hauptergebnisse

Unser Review weist darauf hin, dass eine epidurale Technik eine bessere Schmerzlinderung bietet als eine IVPCA; in Ruhe ist der Unterschied jedoch gering (zwischen 5 und 9 Punkten auf einer 100-Punkte-Skala) und für die Patienten möglicherweise nicht von Bedeutung. In Bewegung war der Unterschied größer und ist er möglicherweise bedeutsam. Jedoch war die Wahrscheinlichkeit größer, dass die epidurale schmerzlindernde Technik nicht erfolgreich eingerichtet werden konnte, und dass bei der epiduralen Schmerzbehandlung behandlungsbedürftige Episoden niedrigen Blutdrucks und Juckreiz auftraten. Die Sterberate war in den eingeschlossenen Studien so niedrig, dass wir nicht schlussfolgern konnten, ob der Tod durch eines der beiden Verfahren wahrscheinlicher ist.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien insgesamt als moderat oder niedrig, was zum Teil darauf zurückzuführen war, dass in den meisten Studien kein Versuch unternommen wurde, die verwendete Technik vor den Teilnehmern und Wissenschaftlern zu verbergen, und zum Teil darauf, dass viele der Studien klein und die Ergebnisse ungenau waren.

Schlussfolgerung

Es gibt einen kleinen zusätzlichen Nutzen in Bezug auf die Schmerzlinderung bei der Anwendung einer epiduralen Technik. Der relativ geringe Nutzen muss gegen die potenziellen Risiken des Einführens eines epiduralen Katheters abgewogen werden, das heißt insbesondere gegen das Fehlschlagen einer korrekten Positionierung des Katheters zum Erzielen einer guten Schmerzlinderung sowie das Auftreten von niedrigem Blutdruck und behandlungsbedürftigem Juckreiz.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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