Psychologische Behandlung posttraumatischer Belastungsstörung und komorbiden Substanzmissbrauchs

An wen ist dieser Review gerichtet?

• Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) und Substanzmissbrauch (SUD) sowie deren Familie und Freunde.

• Gesundheitsfachpersonal für Personen mit PTSD und SUD

Warum ist dieser Review wichtig?

Viele Menschen haben PTSD oder SUD und beide Erkrankungen können die Funktionsfähigkeit im Alltag beeinflussen. Eine Vielzahl verschiedener psychologischer Behandlungen sind erfolgreich in der Behandlung dieser Störungen, wenn sie getrennt voneinander auftreten. Doch häufig treten sie gemeinsam auf, was die Therapie der Personen mit PTSD und SUD erschweren kann. Eine Vielzahl von psychologischen Behandlungen wurden speziell für diese Patienten entwickelt, jedoch ist nicht sicher wie wirksam diese Therapien sind.

Welche Fragen versucht dieser Review zu beantworten?

Wir versuchten herauszufinden, inwieweit Psychotherapien wirksam in der Behandlung von Patienten mit PTSD und SUD im Vergleich zu Kontrollinterventionen und anderen psychologischen Therapien sind.

Welche Studien wurden in diesen Review eingeschlossen?

Wir durchsuchten wissenschaftliche Datenbanken nach veröffentlichten und unveröffentlichten Studien zur psychologischen Therapie von Menschen mit PTSD und SUD bis zum 11. März 2015. Es wurden insgesamt 14 Studien mit insgesamt 1506 Teilnehmern eingeschlossen.

Was besagt die Evidenz aus diesem Review?

Die Evidenz zeigt, dass eine individuelle traumafokussierte Psychotherapie zusammen mit einer Therapie für SUD wirksamer in der Reduktion von PTSD ist als die Regelversorgung. Dieses Ergebnis wurde sowohl direkt nach der Behandlung wie auch nach Langzeit- Follow-Up-Untersuchungen gefunden. Ein Abfallen der Schwere der SUD zeigte sich jedoch erst bei den Langzeit- Follow-Up-Untersuchungen. Zudem haben mehr Patienten die traumafokussierte Therapie abgebrochen als die Regelversorgung. Insgesamt ist der Nutzen der traumafokussierten Behandlung gering.

Wir fanden nur wenig Evidenz für den Nutzen von nicht-traumafokussierten Einzel- oder Gruppentherapien. Im Falle der Gruppentherapien fanden wir heraus, dass es nach der Behandlung zu einer Reduktion des Substanzkonsumes kam, falls die komplette, 25 stündige Gruppentherapie "Seeking Safety" angeboten wurde. Jedoch hielt dieser positive Effekt nicht bis zu späteren Follow-Up-Untersuchungen an. Die Anzahl der Abbrecher war in allen Studien hoch.

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz als niedrig oder sehr niedrig. Dieser Review beinhaltet eine kleine Anzahl von Studien, von denen einige schlecht geplant und die meisten klein waren. Es gab außerdem einen beachtlichen Unterschied in der Art wie Therapien und die Kontrolltherapien angeboten wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Patienten in den Studien neben der Therapie noch weitere stabilisierende Maßnahmen erhielten. Zudem fanden wir keine Evidenz, die die alleinige Durchführung einer traumafokussierten Therapie ohne Behandlung der SUD unterstützt. Es ist somit möglich, dass sich unsere Ergebnisse ändern, je mehr Evidenz höherer Qualität gesammelt wird. Gesundheitsfachpersonal sollte Vorsicht walten lassen, wenn sie darüber nachdenken, Therapien, die in diesem Review beschrieben worden sind, durchzuführen.

Übersetzung: 

D. Kindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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