Grippeimpfstoffe zur Vorbeugung akuter Mittelohrentzündung

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Review-Frage
Wir haben die Wirkung von Grippeimpfstoffen zur Vorbeugung von akuten Mittelohrentzündungen bei Säuglingen und Kindern überprüft. Wir fanden 10 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit 16.707 Kindern im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren beider Geschlechter und jeglicher ethnischen Zugehörigkeit mit und ohne rezidivierende Mittelohrentzündungen.

Hintergrund
Die Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Säuglingen und Vorschulkindern. Zu den Symptomen gehören Ohrenschmerzen und Fieber; die Krankheit kann aber auch zu Gehörverlust aufgrund einer Trommelfellperforation oder Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr führen. Mittelohrentzündungen sind in der Regel bakteriellen Ursprungs und werden häufig mit Antibiotika behandelt, die jedoch eigene Nebenwirkungen haben. Ferner besteht das Risiko einer Antibiotika-Resistenz. Dennoch geht einer Mittelohrentzündung häufig eine Virusinfektion voraus, wie z. B. durch den Grippevirus. Virusinfektionen vorzubeugen, könnte auch eine vorbeugende Wirkung gegen Mittelohrentzündungen haben. Daher haben wir untersucht, ob Grippeimpfstoffe das Auftreten von Mittelohrentzündungen bei Säuglingen und Kindern verringern könnten.

Studienmerkmale
Die Evidenz ist auf dem Stand von Juli 2014. Wir wählten randomisierte kontrollierte Studien (RCT) aus, in denen Grippeimpfstoffe mit Placebo oder ohne Behandlung bei Säuglingen und Kindern unter sechs Jahren beider Geschlechter und jeglicher ethnischen Zugehörigkeit, mit oder ohne früheren Episoden akuter Mittelohrentzündungen verglichen wurden. Neun von zehn Studien (und alle fünf Studien, die zu dem primären Endpunkt beitrugen) wurden von den Herstellern der Impfstoffe finanziert.

Hauptergebnisse
Der Review fand eine Verringerung von akuten Mittelohrentzündungen von 4% (möglicherweise zwischen 2% und 7%). Ferner zeigte sich eine Verringerung bei den Verschreibungen von Antibiotika von 15% (möglicherweise zwischen 0% und 30%). Zwischen den geimpften und nicht geimpften Versuchspersonen gab es keine Unterschiede bei der Anzahl der Dosen, Verläufe, Settings, Jahreszeiten oder Arten der verabreichten Impfstoffe. Zu den Nebenwirkungen der Grippeimpfstoffe gehörten erhöhtes Fieber und eine laufende Nase. Unklar bleibt, ob sich dadurch die Anzahl der Besuche in Gesundheitseinrichtungen oder der Krankenhausaufnahmen verringerte. Auch gab es keine ausreichenden Daten, um aufzuzeigen, ob dieser Nutzen eventuell durch schwerere oder seltenere Nebenwirkungen des Impfstoffs aufgehoben würde.

Im Review wurden Subgruppenanalysen für Episoden akuter Mittelohrentzündungen nach Jahreszeiten aufgenommen, die wir nicht im Protokoll (dem Plan für den Review) einschlossen. „Erkältungszeit“ ist die Jahreszeit, in der Viren, grippale Infekte oder andere Atemwegserkrankungen verursachen, häufiger auftreten. Akute Mittelohrentzündungen treten im Allgemeinen in der Erkältungszeit auf. In gemäßigten Klimazonen ist die Erkältungszeit im Herbst und Winter, in den Tropen während der Regenzeit. Am Äquatorgürtel kann das ganze Jahr über Erkältungszeit sein. Die Erkältungszeit stimmt nicht unbedingt mit der Grippesaison überein, die im Winter und Frühjahr auftreten kann. Sie kann jedoch abhängig von Grippeepidemien variieren.

Zwar konnten wir eine Verringerung der Einnahme von Antibiotika beobachten, jedoch ist diese Wirkung unsicher, da übermäßiger Gebrauch von Antibiotika in der gängigen Praxis vermieden wird. Unter Berücksichtigung der Bedenken zu Sicherheit anderer Impfungen ist die Verwendung von Grippeimpfungen zur Verringerung von akuten Mittelohrentzündungen noch nicht gerechtfertigt, und es wird weitere Forschung benötigt.

Qualität der Evidenz
Die Gesamtqualität der Evidenz war hoch bis moderat.

Übersetzung: 

Koordination durch Cochrane Schweiz.

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