Psychologische Therapie für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer langfristigen oder lebensbedrohlichen körperlichen Erkrankung

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Hintergrund

Dies ist eine Aktualisierung eines 2012 veröffentlichten Reviews, in dem die Wirkung psychologischer Therapien auf Eltern von Kindern mit einer langfristigen oder lebensbedrohlichen körperlichen Erkrankung untersucht wurde. Diese Aktualisierung enthält Studien, die in den letzten zwei Jahren durchgeführt wurden, um einen Überblick über die Evidenz auf dem neusten Stand zu geben.

Als Elternteil ein Kind mit einer langfristigen oder lebensbedrohlichen Erkrankung zu versorgen, ist sehr schwierig und kann sich negativ auf viele Aspekte des eigenen Lebens auswirken. Eltern solcher Kinder haben oft Schwierigkeiten, die Versorgung ihres Kindes mit anderen Verantwortlichkeiten und Anforderungen zu vereinbaren. Dadurch können Eltern Stress, Sorgen, Stimmungsstörungen und Streit in der Familie erfahren und ihre Kinder können beunruhigendes oder problematisches Verhalten an den Tag legen. Eltern haben außerdem einen großen Einfluss auf Wohlbefinden und Anpassung ihres Kindes und spielen eine wichtige Rolle in dem Prozess, in dem ihr Kind sich an das Leben mit einer Krankheit gewöhnt. Behandlungen für Eltern von Kindern mit einer langfristigen Erkrankung sollen Stresszustände der Eltern, elterliches Verhalten, Familienkonflikte, Stresszustände des Kindes, Beeinträchtigungen des Kindes und die medizinischen Symptome des Kindes verbessern.

Fragestellung

In diesem Review soll die Alltagswirksamkeit psychologischer Therapien für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen wie Schmerzerkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus, Asthma, Schädel-Hirn-Trauma (SHT), chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Hauterkrankungen oder gynäkologischen Störungen ausgewertet werden. Psychologische Therapien werden dabei mit aktiver Therapie, Standardtherapie oder einer Wartelisten-Kontrollgruppe verglichen. Dabei interessierten uns zwei primäre Endpunkte: die psychische Gesundheit der Eltern und das Elternverhalten. Wir schlossen außerdem 5 sekundäre Endpunkte ein: Verhalten/Einschränkungen des Kindes, psychische Gesundheit des Kindes, Symptome des Kindes, Funktionstüchtigkeit der Familie und unerwünschte Ereignisse.

Studienmerkmale

Die Suche wurde im Juli 2014 beendet. Es wurden 47 Studien mit 3778 Teilnehmern gefunden. Das Durchschnittsalter der Kinder betrug 14,6 Jahre. Die Studien beschäftigten sich mit 6 chronischen Erkrankungen (Schmerzerkrankungen, Krebs, Diabetes, Asthma, Schädel-Hirn-Trauma und Ekzem) und werteten 4 Arten von psychologischen Therapien aus (kognitive Verhaltenstherapie, Familientherapie, Problemlösungstherapie und multisystemische Therapie). Die Endpunkte wurden zum Zeitpunkt unmittelbar nach der Behandlung und zur ersten verfügbaren Nachuntersuchung erhoben. Wir analysierten die Daten auf zwei Arten: Erst fassten wir die Studien nach den jeweiligen Erkrankungen zusammen (über alle Therapien hinweg) und dann nach Art der Therapie (über alle chronischen Erkrankungen hinweg).

Hauptergebnisse

Die psychologischen Therapien verbesserten das Elternverhalten von Eltern krebskranker Kinder unmittelbar nach der Behandlung. Auch Stresszustände der Eltern verbesserten sich bei den Eltern krebskranker Kinder. Für Kinder mit Schmerzerkrankungen und mit Diabetes-Symptomen zeigte sich unmittelbar nach der Behandlung ein Nutzen und bei Diabetes hielt der Symptomrückgang auch bei der Nachuntersuchung noch an. Bei der Analyse unterschiedlicher psychologischer Therapien kamen wir zu dem Ergebnis, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die medizinischen Symptome des Kindes verbessern kann. Eine Problemlösungstherapie kann den Stresszustand eines Elternteils und seine Fähigkeit zur Problemlösung verbessern, wobei sich die Verringerung des Stresszustands langfristig fortsetzte. 5 Studien berichteten, dass während des Studienzeitraums keine unerwünschten Ereignisse aufgetreten seien. Die restlichen Studien erwähnten unerwünschte Ereignisse entweder gar nicht oder erörterten sie nicht. Die Bewertung des Risikos für systematische Fehler (Bias) für die eingeschlossenen Studien fiel aufgrund der mangelhaften Berichterstattung überwiegend unklar aus.

Schlussfolgerung

Es besteht Evidenz dafür, dass psychologische Therapien unter Einbeziehung von Maßnahmen für die Eltern einen Nutzen für Eltern von Kindern mit chronischen Erkrankungen haben können, besonders für die Eltern krebskranker Kinder. Aufgrund der geringen Anzahl von Studien in diesem Review werden zukünftige Studien jedoch wahrscheinlich die Ergebnisse dieses Reviews verändern.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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