Bipolare versus monopolare Resektion der Prostata bei durch eine gutartigen Obstruktion der Prostata hervorgerufenen Symptomen des unteren Harntrakts

Schlussfolgerungen der Autoren: 

BTURP und MTURP verbessern die urologischen Symptome wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß. Die BTURP reduziert verglichen mit der MTURP wahrscheinlich geringfügig das Auftreten eines TUR-Syndroms und die Verabreichung postoperativer Bluttransfusionen. Der Einfluss beider Methoden auf die erektile Funktion ist wahrscheinlich gleich. Die bei den primären Endpunkten dieses Reviews verfügbare Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit deutet darauf hin, dass es aktuell nicht erforderlich ist, weitere RCTs durchzuführen, in denen die BTURP mit der MTURP verglichen wird.

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Hintergrund: 

Die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) ist eine bewährte Therapiemethode bei Männern mit durch eine benigne Obstruktion der Prostata (BPO) hervorgerufenen Symptomen des unteren Harntrakts (engl. lower urinary tract symtoms, LUTS). Diese Resektion wurde traditionell als monopolare TURP (MTURP) durchgeführt, jedoch hat die mit der MTURP assoziierte Morbidität zur Einführung von anderen chirurgischen Techniken geführt. Bei der bipolaren TURP (BTURP) wird der Stromfluss auf die Elektroden an den jeweiligen Seiten des Resektoskops beschränkt, was den Einsatz einer physiologischen Spüllösung erlaubt. Es bestehen jedoch Unsicherheiten in Hinblick auf Unterschiede der beiden invasiven Methoden in patientenbezogenen Endpunkten.

Zielsetzungen: 

Ziel des Reviews war es, die Effekte der bipolaren und monopolaren TURP zu vergleichen.

Suchstrategie: 

Eine umfassende Literatursuche wurde in den Datenbanken MEDLINE, CENTRAL, ClinicalTrials.gov, PubMed und WHO ICTRP bis 19.März 2019 durchgeführt. Eine Handsuche nach Abstracts großer urologischer Kongresse und der Referenzlisten der eingeschlossenen Studien, von systematischen Reviews und Health Technology Assessment-(HTA)-Berichten wurde durchgeführt, um weitere potentiell einzuschließende Studien zu identifizieren. Es gab keine Einschränkung hinsichtlich der Sprache.

Auswahlkriterien: 

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), in denen die monopolare und bipolare TURP bei Männern (>18 Jahre) als Therapie der LUTS, hervorgerufen durch BPO, verglichen wurde.

Datensammlung und ‐analyse: 

Zwei unabhängige Review-Autoren prüften die Literatur, extrahierten Daten und bewerteten ausgewählte RCTs hinsichtlich des Risikos für Bias. Die statistischen Analysen wurden gemäß der statistischen Empfehlungen des Cochrane Handbuch für systematische Reviews von Interventionen durchgeführt. Die Qualität der Evidenz wurde nach dem GRADE-Ansatz bewertet.

Hauptergebnisse: 

Insgesamt wurden 59 RCTs mit 8924 Patienten eingeschlossen. Das mittlere Alter der eingeschlossenen Patienten reichte von 59,0 bis 74,1 Jahren. Das mittlere Prostatavolumen reichte von 39 ml bis 82,6 ml.

Primäre Endpunkte

Bei der BTURP ergeben sich verglichen mit der MTURP wahrscheinlich nur geringfügige bis gar keine Unterschiede hinsichtlich der urologischen Symptome, gemessen nach 12 Monaten mit dem Internationale Prostate Symptome Score (IPSS) auf einer Skala von 0 bis 35, wobei höhere Werte stärkere Symptome bedeuten (mittlere Differenz (MD) -0,24, 95% Konfidenzintervall (KI) -0,39 bis -0,09; Teilnehmer = 2531; RCTs = 16; I² = 0%; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft aufgrund von Einschränkungen der Studien).

Verglichen mit der MTURP zeigen sich bei der BTURP wahrscheinlich nur geringfügige bis gar keine Unterschiede in den Beschwerden, gemessen anhand der gesundheitsbezogenen Lebensqualität nach 12 Monaten auf einer Skala von 0 bis 6, wobei höhere Werte größere Beschwerden bedeuten (MD -0,12, 95% KI -0,25 bis 0,02; Teilnehmer = 2004; RCTs = 11; I² = 53%; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft aufgrund von Einschränkungen der Studien).

Die BTURP reduziert verglichen mit der MTURP wahrscheinlich geringfügig das Auftreten des transurethralen Resektions-(TUR)-Syndroms (Risikoverhältnis (RR) 0,17, 95% KI 0,09 bis 0,30; Teilnehmer = 6745; RCTs = 44; I² = 0%; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft aufgrund von Einschränkungen der Studien). Dies entspricht dem Auftreten von 20 weniger TUR-Syndromen pro 1000 Teilnehmer (95% KI 22 bis 17 weniger).

Sekundäre Endpunkte

Die BTURP geht möglicherweise mit einem ähnlichen Risiko der Harninkontinenz nach 12 Monaten einher wie die MTURP (RR 0,20, 95% KI 0,01 bis 4,06; Teilnehmer = 751; RCTs = 4; I² = 0%; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft aufgrund von Einschränkungen der Studien und unzureichender Präzision). Dies entspricht 4 Harninkontinenz-Ereignissen weniger bei 1000 Teilnehmern (95% KI 5 weniger bis 16 mehr).

Die BTURP reduziert im Vergleich zur MTURP wahrscheinlich geringfügig die Verabreichung von Bluttransfusionen (RR 0,42, 95% KI 0,30 bis 0,59; Teilnehmer = 5727; RCTs = 38; I² = 0%; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft wegen Einschränkungen der Studien). Dies entspricht 28 weniger Verabreichungen von Bluttransfusionen pro 1000 Teilnehmer (95% KI 34 weniger bis 20 weniger).

Die BTURP führt möglicherweise zu ähnlichen Raten einer Re-TURP (RR 1,02; 95% KI 0,44 bis 2,40; Teilnehmer = 652; RCTs = 6; I² = 0%; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft aufgrund von Einschränkungen der Studien und unzureichender Präzision). Das entspricht einer Re-TURP mehr pro 1000 Teilnehmer (95% KI 19 weniger bis 48 mehr).

Die erektile Funktion wurde nach 12 Monaten mit dem International Index of Erectile Function (IIEF-5) gemessen, auf einer Skala von 5 bis 25, wobei höhere Werte eine bessere erektile Funktion bedeuten, und scheint bei beiden Ansätzen ähnlich zu sein (MD 0,88, 95% KI -0,56 bis 2,32; RCTs = 3; I² = 68%; Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, herabgestuft aufgrund von Einschränkungen der Studien).

Übersetzung: 

A. Spek, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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