Hausbesuche im ersten Zeitabschnitt nach der Geburt eines Säuglings

Gesundheitsprobleme bei Müttern und Säuglingen machen sich häufig in den Wochen nach der Geburt bemerkbar oder treten dann erst auf. Für Mütter sind dies beispielsweise Blutungen, Fieber und Infektionen, Bauch- und Rückenschmerzen, ungewöhnliche Ausflüsse, Thromboembolien, Komplikationen in den Harnwegen, aber auch psychische Gesundheitsprobleme wie postnatale Depression. Mütter brauchen eventuell auch Hilfe beim Stillen. Säuglinge sind gefährdet, bedingt durch Infektionen, Asphyxie und Frühgeburt zu sterben. Hausbesuche durch Gesundheitspersonal oder Laien in der frühen Phase nach der Geburt könnten eventuell verhindern, dass Gesundheitsprobleme chronisch werden und sich auf die Frauen, ihre Säuglinge und ihre Familien auswirken. Dieser Review betrachtete verschiedene Programme für Hausbesuche in den Wochen nach der Geburt.

Wir schlossen 12 randomisierte Studien mit Daten von mehr als 11.000 Frauen ein. Manche Studien fokussierten sich auf körperliche Untersuchungen von Mutter und Säugling, während andere das Stillen unterstützten. Eine Studie beinhaltete praktische Unterstützung in Form von Hausarbeit und Kinderbetreuung. Die Studien wurden sowohl in Ländern mit hohem Einkommen als auch in Settings mit limitierten Ressourcen durchgeführt, in denen Frauen im Rahmen einer Standardversorgung unter Umständen keine zusätzliche postnatale Pflege nach einer frühen Krankenhausentlassung erhielten.

Die Studien fokussierten drei breitgefächerte Arten von Vergleichen: Programme, die mehr versus weniger Hausbesuche nach der Geburt beinhalteten (fünf Studien), Programme, die verschiedene Arten von Pflege einschlossen (drei Studien) und postnatale Untersuchungen bei Hausbesuchen versus postnatale Untersuchungen in Krankenhäusern (vier Studien). In allen Studien bis auf zwei wurde die postnatale Pflege von Gesundheitspersonal durchgeführt. Für die meisten unserer Endpunkte lieferten nur eine oder zwei Studien Daten und die Gesamtergebnisse waren nicht eindeutig.

Es gab keine Evidenz, dass Hausbesuche mit reduzierter Sterblichkeit von Säuglingen in Zusammenhang standen oder dass sie schwerwiegende gesundheitliche Probleme der Mütter reduzierten. Die körperliche und psychische Gesundheit der Frauen wurde durch intensivere Programme für Hausbesuche nicht verbessert. Dennoch wurde die psychische Gesundheit der Frauen durch eine individuellere Pflege in einer Studie verbessert. Insgesamt war es unwahrscheinlicher, dass Säuglinge medizinische Notfallversorgung benötigten, wenn ihre Mütter mehr postnatale Hausbesuche erhielten. Mehr Hausbesuche könnten möglicherweise mehr Mütter ermutigt haben, ihre Säuglinge ausschließlich zu stillen. Die verschiedenen Endpunkte, die von den verschiedenen Studien berichtet wurden, wie die Endpunkte gemessen wurden und die erheblichen Unterschiede der Interventionen und Kontrollinterventionen zwischen den Studien waren Limitationen für diesen Review. Die Qualität der Studien war in Bezug auf das Risiko für Bias unterschiedlich.

Mehr Forschung ist notwendig bevor ein bestimmtes Programm in der postnatalen Pflege empfohlen werden kann.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Obwohl die Ergebnisse aus den verschiedenen Studien nicht einheitlich waren, könnte die Erhöhung der Zahl der Hausbesuche nach der Geburt die Gesundheit der Säuglinge und die Zufriedenheit der Mütter fördern und eine individuellere Betreuung zu einer Verbesserung der mütterlichen Endpunkte führen. Die Häufigkeit, zeitliche Planung, Dauer und Intensität solcher postpartalen Betreuungsangebote sollten sich an den lokalen und individuellen Bedürfnissen orientieren. Um das optimale Betreuungsangebot zu bestimmen, sind weitere gut konzipierte RCTs zur Einschätzung dieser komplexen Intervention erforderlich.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Häufig beobachtete Komplikationen, die in der Zeit nach der Geburt auftreten, umfassen unter anderem Probleme mit der psychischen und seelischen Gesundheit bei der Mutter sowie Erkrankungen des Neugeborenen. Hausbesuche durch Gesundheitsfachpersonal oder Laienkräfte in den Wochen nach der Geburt könnten verhindern, dass Gesundheitsprobleme chronisch werden und langfristige Auswirkungen auf Frauen, ihre Neugeborenen und ihre Familien haben.

Zielsetzungen: 

Beurteilung der Endpunkte in unterschiedlichen Hausbesuchsprogrammen für Frauen und Neugeborene in der frühen Wochenbettphase. Der Review konzentriert sich auf die Häufigkeit der Hausbesuche, die Dauer (wenn die Besuche beendet sind), die Intensität sowie auf verschiedene Arten von Interventionen bei Hausbesuchen.

Suchstrategie: 

Wir haben im Studienregister der Cochrane Pregnancy and Childbirth Group (Stand 28. Januar 2013) und in Referenzlisten eingeschlossener Volltexte gesucht.

Auswahlkriterien: 

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) (einschließlich Cluster-RCTs), die verschiedene Arten von Hausbesuchs-Programmen mit Teilnehmerinnen in der frühen Wochenbettperiode (bis zu 42 Tage nach der Geburt) verglichen, wurden eingeschlossen. Ausgeschlossen wurden Studien, wenn die eingeschlossenen Teilnehmerinnen während der Schwangerschaft eine Intervention erhielten (auch wenn die Intervention bis zum Wochenbett andauerte) sowie Studien, in denen nur Frauen aus bestimmten Hochrisikogruppen rekrutiert wurden (z.B. Frauen mit Alkohol- oder Drogenproblemen).

Datensammlung und -analyse: 

Die Einschlussfähigkeit der Studien wurde durch mindestens zwei Autoren des Reviews sichergestellt. Die Datenextraktion und die Beurteilung des Risiko für Bias wurden durch mindestens zwei Review-Autoren unabhängig voneinander durchgeführt. Die Dateneingabe wurde mithilfe der Software Review Manager vorgenommen.

Hauptergebnisse: 

Wir haben Daten aus 12 randomisierten Studien mit den Daten von mehr als 11.000 Frauen eingeschlossen. Die Studien wurden weltweit durchgeführt, sowohl in Ländern mit hohem Einkommen, als auch in Settings mit limitierten Ressourcen. In Settings mit limitierten Ressourcen erhalten Frauen im Rahmen einer Standardversorgung unter Umständen keine zusätzliche postpartale Betreuung nach Frühentlassung aus der Klinik.

Die Interventionen und Kontrollbedingungen variierten erheblich zwischen den Studien. Die Studien fokussierten drei breitgefächerte Arten von Vergleichen: Programme, die mehr versus weniger Hausbesuche nach der Geburt beinhalteten (fünf Studien), Programme, die verschiedene Betreuungsmodelle einschlossen (drei Studien) und postpartale Untersuchungen bei Hausbesuchen versus postpartale Untersuchungen in Krankenhäusern (vier Studien). In allen, bis auf zwei eingeschlossenen Studien, wurde die postpartale Betreuung zu Hause von medizinischem Fachpersonal durchgeführt. Das Ziel aller Interventionen war es, das Wohlbefinden von Müttern und Säuglingen zu beurteilen und Aufklärung und Unterstützung anzubieten. Wenngleich einige Interventionen spezifischere Ziele hatten, wie z.B. das Stillen zu fördern oder praktische Unterstützung zu leisten.

Für die meisten unserer Endpunkte lieferten nur eine oder zwei Studien Daten und die Gesamtergebnisse waren nicht eindeutig.

Es gab keine Evidenz dafür, dass Hausbesuche zur Verbesserungen der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit führten, und es gab keine eindeutige Evidenz dafür, dass mehr postpartale Besuche zu Hause mit einer Verbesserung der mütterlichen Gesundheit einhergingen. Intensivere Hausbesuchsfrequenzen schienen die psychische Gesundheit von Müttern nicht zu verbessern und die Ergebnisse von zwei Studien deuten darauf hin, dass Frauen, die mehr Besuche erhalten haben, im Durchschnitt höhere Depressionswerte aufwiesen. Der Grund für dieses Ergebnis ist unklar. In einer cluster-randomisierten Studie wurde die herkömmliche Betreuung mit einer individualisierten Betreuung durch Hebammen, verlängert bis zu drei Monate nach der Geburt, verglichen. Die Anteile der Frauen, die mit der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) vier Monate nach der Geburt einen Summenwert von ≥13 aufgewiesen haben, waren in der individualisierten Versorgungsgruppe reduziert (RR 0,68, 95% KI 0,53 bis 0,86). Es gibt etwas Evidenz dafür, dass die postpartale Betreuung zu Hause die Nutzung pädiatrischer Gesundheitsdienstleistungen in den Wochen nach der Geburt reduzieren könnte und dass mehr Hausbesuche Frauen möglicherweise dazu motivieren, ihre Neugeborenen ausschließlich zu stillen. Es gab gewisse Evidenz dafür, dass die postpartale Betreuung durch Hausbesuche mit einer erhöhten Zufriedenheit der Mütter mit der Betreuung nach der Geburt in Verbindung steht.

Übersetzung: 

PLS: N. Tittlbach, Abstract: S. Simon, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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