Intravesikale Gabe von Gemcitabin zur Behandlung des nicht muskelinvasiven Blasenkarzinoms

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Basierend auf den Ergebnissen dieses Reviews hat Gemcitabin, verglichen mit Mitomycin, möglicherweise einen vorteilhafteren Effekt auf das Wiederauftreten und das progressionsfreie Überleben, jedoch sind wir sehr unsicher bezüglich der Unterschiede im Auftreten schwerwiegender Nebenwirkungen. Dasselbe gilt für den Vergleich von Gemcitabin mit BCG bei Patienten mit Hochrisiko-Erkrankung, bei denen die Behandlung mit BCG zuvor versagt hat. Die zugrundeliegende niedrige bis sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz deutet darauf hin, dass unser Vertrauen in diese Ergebnisse sehr begrenzt ist; der wahre Effekt unterscheidet sich möglicherweise substantiell von den dargestellten Ergebnissen; aus diesem Grund besteht ein Bedarf an hochwertigeren Studien.

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Hintergrund: 

Es bleibt unklar, ob Menschen mit nicht muskelinvasivem Blasenkarzinom (NMIBC) von der intravesikalen Gabe von Gemcitabin, verglichen mit anderen Wirkstoffen, nach transurethraler Resektion eines Blasentumors in primärem oder rezidiviertem Zustand profitieren. Dies ist eine Aktualisierung eines erstmalig 2012 publizierten Cochrane Reviews. Seitdem sind einige weitere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) publiziert worden, weshalb diese Aktualisierung relevant wurde.

Zielsetzungen: 

Ziel des Reviews war es, die vergleichende Effektivität und Toxizität der intravesikalen Instillation von Gemcitabin bei NMIBC zu bewerten.

Suchstrategie: 

Wir führten eine umfassende Literatursuche in der Cochrane Library, MEDLINE, Embase, vier andere Datenbanken, Studienregistern und Kongressberichten durch, die bis zum 11. September 2020 veröffentlicht wurden, ohne Einschränkungen in der Sprache oder dem Publikationsstatus.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen RCTs ein, in denen die Teilnehmenden intravesikal Gemcitabin zur Behandlung eines primären oder rezidivierten NMIBC erhielten.

Datensammlung und ‐analyse: 

Zwei Review-Autoren bewerteten unabhängig voneinander die eingeschlossenen Studien und extrahierten Daten für die primären Endpunkte Zeit bis zum Rezidiv, Zeit bis zum Progress, Grad-III- bis -V-Nebenwirkungen, ermittelt mit den Common Terminology Criteria for Adverse Events Version 5.0 (CTCAE v5.0), und für die sekundären Endpunkte Zeit bis zum Tod durch das Blasenkarzinom, Zeit bis zum Tod durch jegliche Ursache, Grad-I- oder -II-Nebenwirkungen, ermittelt mit den CTCAE v5.0, krankheitsspezifische Lebensqualität. Wir führten statistische Analysen unter Anwendung eines Random-Effekts-Modells durch und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz mit GRADE.

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen sieben Studien mit 1222 Teilnehmenden mit NMIBC in fünf Vergleichen ein. Der Schwerpunkt dieses Abstract liegt auf den Ergebnissen der primären Endpunkte für die drei häufigsten klinisch relevanten Vergleiche.

1. Gemcitabin versus Kochsalzlösung: basierend auf einem Follow-up von zwei bis vier Jahren reduziert Gemcitabin, verglichen mit Kochsalzlösung, möglicherweise das Rezidivrisiko im Zeitverlauf (39% versus 47% Rezidivrate, Hazard Ratio (HR) 0,77; 95% Konfidenzintervall (KI) 0,54-1,09, Studien = 2, Teilnehmende = 734; I2= 49%; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit), jedoch schloss das KI auch die Möglichkeit keines Effekts ein. Gemcitabin bewirkt, verglichen mit Kochsalz, möglicherweise lediglich einen geringen oder keinen Unterschied im Progressionsrisiko im Zeitverlauf (4,6% versus 4,8% Progressionsrate, HR 0,96; 95% KI 0,19-4,71, Studien = 2, Teilnehmende = 654; I 2 = 53%; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Gemcitabin bewirkt, verglichen mit Kochsalz, möglicherweise lediglich einen geringen oder kleinen Unterschied im Auftreten von CTCAE-Grad-III- bis -V-Nebenwirkungen (5,9% versus 4,7% Nebenwirkungsrate, Risikoquote (RR) 1,26; 95% KI 0,58-2,75, Studien = 2, Teilnehmende = 668; I2= 24%; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).

2. Gemcitabin versus Mitomycin: basierend auf einem Follow-up von drei Jahren (Studien = 1, Teilnehmende = 109) reduziert Gemcitabin, verglichen mit Mitomycin, möglicherweise das Rezidivrisiko im Zeitverlauf (17% versus 40% Rezidivrate, HR 0,36; 95% KI 0,19-0,69, Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Gemcitabin reduziert, verglichen mit Mitomycin, möglicherweise das Progressionsrisiko im Zeitverlauf (11% versus 18% Progressionsrate, HR 0,57; 95% KI 0,32-1,01; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit), jedoch schloss das KI auch die Möglichkeit keines Effekts ein. Wir sind sehr unsicher bezüglich des Effekts von Gemcitabin, verglichen mit Mitomycin, auf das Auftreten von CTCAE-Grad-III- bis -V-Nebenwirkungen (RR 0,51; 95% KI 0,13-1,93; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit). Die Analyse basierte nur auf rezidivierten NMIBC.

3. Gemcitabin versus Bacillus Calmette-Guerin (BCG) bei rezidiviertem (BCG-Versager-) Hochrisiko-NMIBC: Basierend auf einem Follow-up von sechs bis 22 Monaten (Studien = 1, Teilnehmende = 80) reduziert Gemcitabin, verglichen mit BCG, möglicherweise das Rezidivrisiko (41% versus 97% Rezidivrate, HR 0,15; 95% KI 0,09- 0,26; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit) und den Progress im Zeitverlauf (16% versus 33% Progressionsrate, HR 0,45; 95% KI 0,27-0,76; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Wir sind unsicher bezüglich des Effekts von Gemcitabin, verglichen mit BCG, auf das Auftreten CTCAE-Grad-III- bis -V-Nebenwirkungen (RR 1,00; 95% KI 0,21-4,66; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit).

Darüber hinaus liefert der Review Informationen über den Vergleich von Gemcitabin versus BCG und Gemcitabin versus BCG in der Dritteldosis.

Übersetzung: 

A. Spek, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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