Erhöhen Schrittzähler am Arbeitsplatz die körperliche Aktivität?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass sich die meisten Menschen mindestens 30 Minuten pro Tag mit mittlerer Intensität bewegen sollten, da dies das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einigen Krebsarten vermindert. Jedoch erreichen weniger als 40% der Weltbevölkerung ein ausreichendes Pensum an körperlicher Aktivität, Tendenz sinkend. In diesem Review wird untersucht, ob Schrittzähler am Arbeitsplatz die körperliche Aktivität steigern und dadurch eine gesundheitsfördernde Wirkung haben.

Dazu suchten wir nach randomisierten, kontrollierten Studien über Gesundheitsförderungsmaßnahmen am Arbeitsplatz in denen Schrittzähler bei erwerbstätigen Erwachsenen verwendet wurden. Zwischen dem 30. Januar und dem 6. Februar 2012 durchsuchten wir eine Reihe von elektronischen Datenbanken und Referenzen von relevanten Publikationen. Es wurden 3282 Veröffentlichungen gefunden.

Letztendlich schlossen wir vier Studien in den Review ein. Eine Studie verglich Schrittzähler-Programme mit alternativen Bewegungsprogrammen. Aufgrund der großen Differenzen zwischen den Interventions- und Kontrollgruppen bei der Messung vor der Intervention war es schwierig, den tatsächlichen Effekt der Intervention zu erkennen. Die drei verbleibenden Studien verglichen Schrittzähler-Programme mit Kontrollgruppen, die sich sehr wenig bewegen. Eine Studie beobachtete eine Verbesserung der körperlichen Aktivität im Schrittzähler-Programm, zwei andere Studien fanden dagegen keinen signifikanten Unterschied zwischen der Schrittzähler-Gruppe und der Kontrollgruppe. Wir konnten diese Ergebnisse nicht poolen, da jede Studie ein anderes Maß für körperliche Aktivität verwendete und somit nicht klar ist, wie groß die allgemeine Wirkung von Schrittzähler-Interventionen ist. Einzelne Studien fanden positive Veränderungen des Body Mass Index, der Nüchtern-Plasmaglukose, der mentalen Komponente der Lebensqualität und von Arbeitsunfällen, die in Verbindung mit den Schrittzähler-Programmen stehen, wohingegen in der Kontrollgruppe keine dieser Wirkungen beobachtet werden konnten. Allerdings konnte keine der Studien einheitliche Unterschiede beim Taillenumfang, Blutdruck und Lebensqualität zwischen dem Schrittzähler-Programm und der Kontrollgruppe nachweisen. Außerdem beurteilten wir bei der Mehrheit der eingeschlossenen Studien das Risiko für Bias als hoch, hauptsächlich weil die Teilnehmer und Mitarbeiter der Studie wussten, wer in der Interventions- und wer in der Kontrollgruppe war, es einen Verlust von Teilnehmern während der Studie gab, und weil vor der Durchführung der Studie kein Studienprotokoll veröffentlicht wurde.

Wir kommen zu dem Schluss, dass es keine ausreichende Evidenz dafür gibt, dass Schrittzähler-Interventionen am Arbeitsplatz einen Nutzen haben. Es werden weitere randomisierte kontrollierte Studien von hoher Qualität benötigt, in denen eine Reihe von langfristigen Gesundheitsendpunkten untersucht werden.

Übersetzung: 

M. Huber, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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